Bewertungsdetails

Geschichte, Philosophie & Religion 5453
Gesamtbewertung
 
4.0
Themensetzung
 
4.0
Verständlichkeit
 
4.0
Objektivität
 
4.0
Verhältnis Text/Bild
 
4.0
Trotz der Titelähnlichkeit ist Bill Brysons Kompendium nicht vergleichbar mit Stephen Hawkings “Eine kurze Geschichte der Zeit”. Dieses Buch ist insgesamt sehr viel umfassender, sehr viel verständlicher - und sehr viel vergnüglicher. Seine Darstellung der Geschichte der Erde und der Naturwissenschaft ist ein Parforceritt durch die Äonen und macht den Leser nicht nur mit vielen interessanten Fakten, sondern auch mit einer Menge interessanter Menschen bekannt.

Bill Bryson, der breiten Öffentlichkeit vor allem durch seine Reiseberichte bekannt, ist ein höchst wissbegieriger Mensch. Und weil sich schon seit seiner Schulzeit eine Menge Fragen in ihm angesammelt hatten, hat er sich irgendwann systematisch auf die Suche nach Antworten gemacht. Was wiegt die Erde? Wie groß ist das Universum? Wie funktioniert Evolution? All diese Fragen könnten auch auf dem Cover eines “Was ist was?”-Buches stehen, werden hier allerdings so ausführlich und tiefgehend abgehandelt, dass der Normalsterbliche mit herkömmlicher naturwissenschaftlicher Grundbildung noch gerade so mitkommt, ohne dabei in Banalitäten zu verfallen - ein Balanceakt, der höchst bewundernswert und selten ist.

Der Überblick ist dabei (fast) allumfassend - Bryson streift alle wesentlichen Gebiete der Naturwissenschaft, von der Chemie und Physik und Astronomie bis zur Geologie, Geographie, Biologie, Paläontologie bis hin zur Medizin. Dabei handelt es sich aber tatsächlich um eine “kurze Geschichte”, denn trotz der fast 700 Seiten des Buches werden viele Themen nur angeschnitten. Statt dessen zieht Bryson Verbindungslinien zwischen den verschiedenen Fachrichtungen, die Zusammenhänge klar machen. Und er lockert es ganz typisch immer wieder mit Anekdoten über das Menschliche im Wissenschaftler auf - vermeintliche “Deppen” werden als verkannte Genies und Entdecker, gefeierte Ikonen ihrer Zunft als menschliche Widerlinge entlarvt, deren Ruhm sich auf die Unterdrückung von Kollegen gründet.

Leider ist der Überblick in Hinsicht auf die verwendeten Quellen sehr USA-lastig, was wohl in der Herkunft des Autors begründet ist. Das fast völlige Fehlen von deutsch- und französischsprachigen Wissenschaftlern vor allem in der historischen Aufarbeitung fällt dem deutschen Leser besonders auf und stört - Leute wie Heisenberg, Curie, Schrödinger, Planck und viele andere hätten zumindest eine Erwähnung verdient. Allerdings hat Bryson auch mit vielen Experten persönlich gesprochen, sich dabei auch nicht nur auf Universitätsprofessoren beschränkt, sondern sich auch an Hobby-Wissenschaftlern, Museumsangestellten gewendet, unendliche Mengen an Literatur gewälzt (man schaue in die beeindruckende Literaturliste). Hier hat ein Laie für Laien recherchiert, und das merkt man den Texten an - auch da, wo Bryson selbst im Verständnis “ausgestiegen” ist. Aber er gibt dem interessierten Nicht-Fachmensch jede Menge Anregungen, da selbst weiterzufragen, wo ihm dieses Buch nicht detailliert genug ist - das ist dann der Punkt, an dem “echte” Fachliteratur zur Anwendung kommen kann.

Insgesamt ist dies ein beeindruckender Überblick über die Naturgeschichte, wie sie wohl nur ein nicht auf ein Gebiet festgelegter Laie schreiben kann. Sicherlich hätte man Schwerpunkte anders legen können, andere Quellen auswerten können, aber dennoch ist dies Buch eine gute Gelegenheit, sein naturwissenschaftliches Schulwissen auf spannende und amüsante Weise aufzufrischen und zu vertiefen.
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