Bewertungsdetails

Krimis & Thriller 2573
Gesamtbewertung
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert
 
4.0
Charaktere
 
4.0
Sprache & Stil
 
4.0
Mathilda Gillespie wird tot in ihrem Landhaus aufgefunden - vollgepumpt mit Beruhigungsmitteln und mit aufgeschnittenen Pulsadern in ihrer Badewanne liegend, auf dem Kopf eine mittelalterliche Schandmaske - ein mittelalterliches Folterinstrument, das mit einem makabren Blumengebinde verziert ist. Zunächst halten Pathologie und Polizei den Tod der zänkischen, arroganten und weithin unbeliebten alten Frau für einen kunstvoll inszenierten Selbstmord; diese Meinung wird allerdings schnell erschüttert, als einige Ungereimtheiten auftauchen und außerdem Sarah Blakeley, die Ärztin der Verblichenen, völlig überraschend zur Alleinerbin des nicht unbeträchtlichen Vermögens erklärt wird.

Alle Verdachtsmomente konzentrieren sich nun auf Sarah, und das Dorf in dem sie lebt macht ihr mit seinem Geschwätz und seinen Anschuldigungen das Leben zur Hölle. Dazu kommt noch, dass ihr Mann Jack, ein erfolgloser, dafür umso selbstbewussterer Maler, inzwischen zu Mathildas Tochter zieht, die zur Testamentseröffnung angereist war. Nur Sergeant Tommy Cooper lässt sich nicht davon abhalten, auch andere Spuren zu verfolgen und stößt auf eine Familiengeschichte, wie sie grauenvoller kaum zu denken ist. Joanna, Mathildas Tochter, ist Ergebnis eines inzestuösen Missbrauchs zwischen ihrer Mutter und deren schwachsinnigem Onkel. Die gestörte Mutter-Tochter-Beziehung zwischen den beiden setzt sich in der totalen Gleichgültigkeit fort, die Joanna ihrer Tochter Ruth gegenüber empfindet - die deshalb mit allen Mitteln versucht, dieser Beziehung zu entkommen und sich dabei selbst in höchste Gefahr bringt. Aber auch andere Personen tanzen in diesem Reigen der Jahrzehnte langen Intrigen, Täuschungen und Schicksale mit, wie sich später heraus stellt…

Im Laufe der Geschichte bietet jedes einzelne Familienmitglied reichlich Grund für einen Mord an Mathilda, und dennoch ist jeder einzelne von ihnen auch genauso sehr Opfer wie (potenzieller) Täter. Und da es eigentlich in der ganzen verwickelten Handlung keine wirklich sympathischen Charaktere gibt (bis auf Sarah, obwohl die mit ihrem durch nichts zu erschütternden Glauben an das Gute im Menschen auch schon recht anstrengend wird), springt der Leser gemeinsam mit Cooper durch die Lebensgeschichten der Figuren und verdächtigt mal diesen, mal jenen, taucht immer tiefer in die Abgründe der menschlichen Psyche ein und kommt auf der Suche nach dem Mörder doch keinen Schritt weiter. Einen wirklichen Widerling gibt es allerdings: Dem “Freund” von Ruth wünscht man leichten Herzens die Wiedereinführung mittelalterlicher Foltermethoden.

Besonderer Pluspunkt dieses Krimis sind die facettenreichen und glaubhaften Charaktere und ihre Entwicklung im Angesicht der Tragödie bzw. der Tragödien, die sich nach und nach offenbaren. Die Unterscheidung zwischen Gut und Böse ist, wie es sich für einen guten Krimi gehört, nicht ganz einfach, wenn sich alle Beteiligten das Leben gegenseitig zur Hölle machen - da scheint es manchmal, als ob der Tod eine Erlösung wäre. Doch die Charaktere entwickeln sich im Laufe der Handlung und zeigen immer neue Facetten, so dass sich die Sympathien immer wieder umverteilen. Der Leser kommt den Figuren auch deshalb besonders nahe, weil sehr viele der Hintergründe durch Gespräche und Dialoge dargebracht werden. Interessant sind aber auch die immer wieder eingeschobenen Tagebuchauszüge Mathildas, die wie Rückblenden wirken und die Geschichte aus ihrem ganz persönlichen Blickwinkel darstellen.

Die Auflösung des Falles ist schließlich mehr als überraschend, kommt allerdings leider etwas plötzlich und entbehrt nach all der Familiendramatik irgendwie der scheinbar nötigen Substanz; das eigentliche Mordmotiv erscheint sogar ziemlich konstruiert, nachdem die Polizei wochenlang konsequent in die falsche Richtung ermittelt hat. Es zeigt sich allerdings (wieder einmal), dass man nicht alles glauben sollte was man so hört und an scheinbaren Fakten vorgesetzt bekommt.

Leider sind die Nebengeschichten, die sich aus der erzählten Familientragödie ergeben, auch nicht ganz so gut ausgeführt wie die Hauptstory. Ruths Schicksal bleibt in der Luft hängen, wo man ihr doch ganz besonders Vergeltung gewünscht hätte; ebenso wie das ihrer Mutter, deren “Verbleib” ungeklärt bleibt. Diese Schicksale nehmen im ganzen Buch einen ebenso großen Raum ein wie der Mord an sich, sie bedingen sich eigentlich gegenseitig und stehen mit ihm in unmittelbarem, kausalem Zusammenhang, und deshalb hätte ich mir auch für diese Fälle etwas mehr Aufklärung und Ansätze für Lösungen gewünscht.

Trotz der kleinen Mängel handelt es sich aber um einen intelligent aufgebauten Krimi, der ein wirklich spannendes Lesevergnügen verspricht.
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