Bewertungsdetails

Krimis & Thriller 2630
Gesamtbewertung
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert
 
4.0
Charaktere
 
4.0
Sprache & Stil
 
4.0
In der Kanalisation des Londoner Armenviertels Bluegate Fields wird der Leichnam eines jungen Mannes gefunden. Dieser, vollkommen nackt und offensichtlich ertrunken, stammt aber offensichtlich nicht aus dieser verrufenen Gegend; seine gepflegte Erscheinung, Gesundheit und blühende Jugend sind eindeutige Indizien dafür, dass er aus der besseren Gesellschaft stammt. Der Skandal ist vorprogrammiert.

Inspektor Pitt übernimmt den Fall und muss sich so ein weiteres Mal mit den feinen Leuten Londons herumschlagen. Zunächst glaubt er wie die Eltern an einen tragischen Unfalltod des jungen Arthur Waybourne, aber spätestens als sich herausstellt, dass der Junge nicht im Abwasserkanal, sondern in seiner Badewanne ertränkt worden ist, scheint ein Täter festzustehen: Der Hauslehrer soll’s gewesen sein. Die Eltern drängen auf ein schnelles Ende des Prozesses und des vermeintlichen Unholds, damit die ehrenwerte Familie wieder aus den Schlagzeilen verschwindet - “der Skandal, Sie wissen schon…”.

Doch Pitt hat seine Zweifel, was das scheinbar so offensichtliche Motiv des Angeklagten angeht. Während dieser bereits im Kerker schmort und auf seine Hinrichtung wartet, verfolgt er gemeinsam mit seiner Frau Charlotte, die über ihre Verwandtschaft unauffälligen Zugang zur besseren Gesellschaft hat, eine ganz andere Spur. Schließlich steuert auch noch der Gerichtsmediziner ein wichtiges Detail zur Lösung des Falles bei: Der junge Arthur war bei seinem Tod mit Syphilis im Frühstadium infiziert. Eine Krankheit, die auf Neigungen schließen lässt, deren Publikmachung auf jeden Fall verhindert werden soll - auch wenn es das Leben eines Unschuldigen kostet.

Dies ist ein typischer Pitt-Krimi, der den Leser in das viktorianische London mit all seiner Prüderie und gesellschaftlichem Zwang eintauchen lässt. Das Zusammenspiel zwischen dem Inspektor und seiner gutbürgerlichen, aber ungemein pfiffigen Frau Charlotte sowie deren adliger Verwandtschaft ist wunderbar beschrieben; gerade diese Ausflüge ins Privatleben geben dem Plot immer wieder eine überraschende, aber nachvollziehbare Wendung. Der Ermittler muss sich durch Widersprüchlichkeiten und Ausflüchte der Verdächtigen ebenso wie durch die Verlogenheit und Doppelmoral der “besseren Kreise” hindurch kämpfen. Die Auflösung des Falles ist denn auch nicht besonders überraschend, allerdings ist der Weg dahin gepflastert mit der Verlogenheit und Doppelmoral der “besseren Kreise”.

Fazit: Ein lohnender Krimi, schnell weggelesen, genau das richtige für ein verregnetes Wochenende.
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