Bewertungsdetails

Krimis & Thriller 2319
Eine Insel verliert ihre Unschuld
Gesamtbewertung
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert
 
5.0
Charaktere
 
5.0
Sprache & Stil
 
5.0
Zwei junge Frauen sind auf der Reise durch das sommerliche Island. Als unerwartet ihr Auto in der Einsamkeit stehen bleibt, machen sie sich zu Fuß auf den Weg zum nächsten Gehöft in der Hoffnung, Hilfe zu finden. Doch der Bauernhof scheint verlassen. Nur hungrige Kühe stehen im Stall mit prallen Eutern und hoffen auf Wasser und Heu. Der zweite Blick offenbart den Touristinnen ein grausames Blutbad und irgendjemand scheint noch im Haus zu sein.

Damit beginnt "Der Stier und das Mädchen", der düstere Thriller des isländischen Autors Stefán Máni, dessen Bücher bereits zahlreiche Preise gewannen. Die beiden Touristinnen, die wir zuerst kennenlernen, spielen für den weiteren Verlauf der Handlung kaum mehr eine Rolle. Nach dieser unheimlichen Szene am Anfang wirft Máni seine LeserInnen in eine vergangene Zeit und trägt eine dramatische Familientragödie Stein für Stein ab. Die sommerliche Hitze Islands überrumpelt und steht im Gegensatz zu der Gefühlskälte, mit der sich die Figuren begegnen.

Hanna, die Tochter des Hauses will nur noch weg von der Einsamkeit des elterlichen Gehöfts und der körperlichen und seelischen Grausamkeit, die sie besonders von ihrem Vater erfährt. Die Mutter ist schwach, der Bruder seit seiner Geburt geistig geschädigt. Die missglückte Kindheit sind keine guten Voraussetzungen für ein Leben in der Stadt und so rutscht sie immer weiter ab ins Drogenmileu und in eine Partnerschaft, in der sie nicht weniger grausam behandelt wird.

Kaum 300 Seiten, die es in sich haben. Sie sind prall gefüllt mit Düsternis, Brutalität und Beklemmung. "Der Stier und das Mädchen" lässt die LeserInnen nicht ruhen und verübt eine magische Anziehungskraft durch den Kontrast, der sich durch die poetische, aber schnelle und manchmal abgehackte Sprache ergibt. Es ist ein Buch der Gegensätze und menschlichen Abgründe. Ein Buch über Hitze und Kälte, Idylle und Grausamkeit, Stadt und Land. Nichts ist so, wie es scheint und am Ende ist man schockiert, mag es nicht glauben. Die Hölle existiert und sie befindet sich in Island.

Mich traf "Der Stier und das Mädchen" mit voller Wucht und ich konnte es lange nicht einordnen: Thriller oder Horror? Stefán Máni schlägt mit kurzen Sätzen tiefe Wunden und es ist schwer zu sagen, ob sie je heilen werden. Dieses Buch hat Island seiner Unschuld beraubt.
SK
#1 Bewerter 1144 Bewertungen
War diese Bewertung hilfreich für dich? 2 0

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

 

Affiliate-Programm von LCHoice (lokaler Buchhandel) und Amazon. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Mobile-Menue