Bewertungsdetails

Historische Romane 3384
Gesamtbewertung
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert
 
5.0
Charaktere
 
5.0
Sprache & Stil
 
5.0
“Orlando furioso” oder “Der rasende Roland” von Ludovico Ariosto gilt seit fünfhundert Jahren als literarisches Meisterwerk, und schon lange hat mir kein Buch mehr so viel Spaß gemacht wie dieses. Shakespeare, Goethe und selbst Tolkien ließen sich von ihm beeinflussen. Thomas R.P. Mielke, bekannt für die phantasievolle und dennoch authentische Umsetzung historischer Stoffe für ein heutiges Lesepublikum, hat die erste deutschsprachige Prosa-Umsetzung dieses Stoffes überhaupt gewagt - und gewonnen. Ein Kosmos voller Magie und Minne, aber auch voller Witz und Absurditäten entsteht vor den Augen des Lesers, der sich zunächst in den episodenhaften Geschehnissen rund um die verschiedenen Protagonisten vollkommen verliert - nur um sich schließlich wohlbehalten wieder auf dem Boden der Tatsachen wiederzufinden.

Schon lange hat mir kein Buch so viel Spaß gemacht wie dieser Rasende Roland. Erzählt wird vor der Kulisse der Belagerung von Paris und Karl dem Großen durch die Sarazenen die Geschichte von dessen erstem Ritter Orlando, der sich unsterblich in die berückende Chinesin (!) Angelica von Cathay verliebt. Diese reist durch ein Europa und angrenzende Landstriche, das mit unserer modernen Auffassung von Geographie nicht ganz vereinbar ist, und macht die Männer reihenweise verrückt, ohne dabei selbst jemals ihr Herz zu verschenken. Orlando trifft es jedoch besonders hart; er verfällt ob der Ablehnung der Schönen in Raserei und Wahnsinn.

Dies ist jedoch nur einer von vielen Handlungssträngen, die in diesem Buch teils miteinander verwoben werden, teils aber auch als singuläre Episoden für sich stehen. Sarazenische und karolingische Ritter fahren gleichermaßen durch die Lande, es entstehen immer neue Fehden und Bündnisse relativ unabhängig von ihrer Herkunft, und immer wieder sind es die Frauen - als Mitstreiter, Geliebte oder Beutegut -, die die Geschichte(n) antreiben. Der Leser muss sich mit einer Vielzahl von Personen auseinandersetzen, die zunächst in getrennten Geschichten vorgestellt werden, nur um sich früher oder später zu treffen, sich gegenseitig abzuschlachten, Verwandtschaftsverhältnisse einzugehen oder einfach das ein oder andere Abenteuer miteinander zu erleben.

Laut Klappentext handelt es sich um einen historischen Roman; eine Klassifizierung, die zumindest sehr einseitig ist. Wer einen genreüblichen Schmöker erwartet, wird mit Sicherheit enttäuscht werden, taucht doch die Handlung immer wieder in sagenhafte und mythische Gefilde ab. Da gibt es verzauberte Rüstungen und geflügelte Pferde, einer der Protagonisten macht einen Ausflug zum Priester Johannes auf den Mond, und mythologische Helden aus Ilias und Odyssee werden ganz selbstverständlich in die Stammbäume integriert.

Ein Werk voller rätselhafter Verwicklungen, rasanter Verfolgungen, phantastischer Szenen, erotischer Abenteuer und satirischer Zeitkritik.
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