Bewertungsdetails

Historische Romane 6392
Gesamtbewertung
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert
 
5.0
Charaktere
 
5.0
Sprache & Stil
 
5.0
In seinem Roman „Der letzte Harem“ schildert Peter Prange die Schicksale der Freundinnen Elisa und Fatima. Beide werden als Mädchen in den Harem des Sultans Abdülhamid verschleppt. Elisa, die Christin ist, sehnt sich nach Freiheit und Unabhängigkeit. Fatima hingegen legt ihr ganzes Bestreben in ihren Wunsch Favoritin des mächtigen Sultans zu werden. Zuerst sieht es aus, als könnte Fatima erfolgreich sein, doch dann überschlagen sich die Ereignisse! Durch die neue türkische Regierung wird Abdülhamid zum Abdanken gezwungen und der Harem aufgelöst. Nun müssen sich die beiden Frauen in einer Welt behaupten, die ihnen fremd ist und von deren Gefahren sie noch nicht einmal etwas ahnen...

Wer glaubt, dass Peter Pranges Roman nichts weiter ist, als eine harmlose Geschichte über zwei verwöhnte Mädchen in einem opulenten Harem ist, der irrt.

Schon bald entpuppt sich der schillernde Harem als ‚Goldener Käfig’, in dem ganz eigene, unnachgiebige Gesetze gelten. Und schon auf den ersten zweihundert Seiten nimmt das Gefahrenpotential für Hauptfiguren erheblich zu. Doch mit der Auflösung des "letzten Harem" schleudert Peter Prange seine Leser dann (für mich) unerwartet in die Wirren der türkischen Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Und hier setzt meiner Ansicht nach die wirkliche Stärke des Buches ein! Was vorher nett und unterhaltsam zu lesen war, reißt nun den Leser mit, schockiert und bildet ihn gleichermaßen. Peter Prange versteht es wirklich seinen Lesern Geschichte nahezu bringen – ohne dass diese sich auch nur einen einzigen Augenblick lang belehrt fühlen!

Faszinierend sind auch die lebhaften, sinnlichen Beschreibungen des Autors, mit denen er es schafft ebenso das gerühmte Konstantinopel vor den Augen seiner Leser zu erwecken als auch die Kargkeit armenischer Dörfer oder die Hoffnungslosigkeit einer Wüste darzustellen. Das ist wahrhaftig ganz großes "Kopfkino"!

Ein großes Lob verdient der Autor auch für die von ihm geschaffenen Charaktere, denn hier bedient er sich keiner Schwarz-Weiß-Malerei, sondern offeriert einen bunten Diwan voller Charakterzüge, Stärken und Schwächen. Es gibt reichlich Figuren, die der Leser von Herzen hassen darf, aber eben auch solche, die er lieben muss – und an denen trotzdem Schwächen und Fehler haften. Der Leser fiebert mit Elisa und Fatima, und muss gleichzeitig doch stets wachsam bleiben, denn Peter Prange versteht es meisterhaft auch "zwischen den Zeilen" handlungsrelevante Informationen zu verstecken.

Für die Leser opulenter und trotzdem intelligenter historischer Romane ist "Der letzte Harem" ganz sicher eine Empfehlung, außerdem für jeden, der auf unterhaltsame und mitreißende Weise etwas über die neuere Geschichte der Türkei erfahren möchte. Kein Zweifel also: "Der letzte Harem" von Peter Prange ist schon jetzt eines meiner Lese-Highlights des Jahres 2009!
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