Bewertungsdetails

Historische Romane 4150
Sozialexperiment im Mittelalter
Gesamtbewertung
 
3.3
Plot / Unterhaltungswert
 
4.0
Charaktere
 
3.0
Sprache & Stil
 
3.0
?Wir befinden uns im 14. Jahrhundert. Die Pest wütet in ganz England. Doch das kleine Dorf unter der Herrschaft von Lady Anne schottet sich ab, um der Pest keine Chance zu geben, auch ihr eigenes Dorf zu befallen...


Für mich ist der Roman kein wirklicher historischer Roman. Das Setting im Spätmittelalter Englands mit der Pest und allem ist eher ein Mittel zum Zweck. Das zeigt für mich allein schon das besondere Dorf, in dem Leibeigene gebildet sind und eine Frau als Herrscherin akzeptieren. Auch wie die Pest von ihnen studiert wird, ist besonders. So wird in diesem Buch auch nicht, dass mittelalterliche Leben aus Sicht der Zeitgenossen beschrieben. In dem Buch geht es für mich viel mehr um ein Sozialexperiment. Was passiert, wenn ein Dorf sich auf engstem Raum sich über längere Zeit verbarikadiert? Wer schafft es, sich zum Anführer zu entwickeln? Wie vertreibt man sich die Zeit? Und später kommen noch Fragen hinzu, wie: Wie verhalten sich die Menschen, wenn sie einige von wenigen Überlebenden sind? Wie groß ist die Angst vor Bestrafung bei Abstinenz der Gesetzgebenden? Eine Menge solcher Fragen werden aufgeworfen und beantwortet. Fragen und Themen, die ich so noch nie in einem historischen Roman vorgefunden haben.


Der Stil von Minette Walters ist großartig. Flüssig und spannend erzählt er von dem Schicksal des Dorfes aus den verschiedenen Perspektiven. Der Perspektivenwechsel macht gerade unter dem Fokus der oben erwähnten Fragen viel Sinn, da die Personen verschiedene Ränge bekleiden und unterschiedliche soziale Hintergründe aufweisen. Lediglich kommt es dadurch teilweise auch zu langweiligen Wiederholungen, die aber vor allem dann stören, wenn man das Buch wie ich innerhalb von drei Tagen durchliest. Wenn man sich für die fast 700 Seiten etwas mehr Zeit lässt, sind diese ganz wunderbar, weil man immer im Geschehen drin ist und nichts Relevantes überlesen oder vergessen kann.


Im Endeffekt hat mir das Buch wirklich gefallen, auch wenn ich mir etwas absolut anderes unter diesem Werk vorgestellt habe. Ich habe mit einer mittelalterlichen Geschichte gerechnet, die die Pest zum Thema hat. In diesem Buch spielt die Pest aber nur als Schreckensgespenst in der Ferne eine Rolle und hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf unsere Hauptcharaktere - höchstens auf den ersten paar Seiten. Wenn man sich aber auf das Buch einlässt, ist es durchaus interessant und hochspannend zu lesen, wie die Personen agieren. Zwischenzeitlich empfand ich eine zu krasse schwarz/weiß Malerei vor, aber am Ende wird auch das aufgedrosselt und es ergeben sich Erklärungen und Wendungen, die kaum einen Platz für Fragen am Ende lassen.


Ich würde sagen: Lest es, wenn es euch anspricht. Ihr werdet schnell merken, ob das Buch etwas für euch ist oder nicht. ;)
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