Bewertungsdetails

Gegenwartsliteratur 14634
Gesamtbewertung
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert
 
5.0
Charaktere
 
5.0
Sprache & Stil
 
5.0
Zwei Ikonen der Naturwissenschaften nimmt Daniel Kehlmann in diesem Roman aufs Korn: Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt. Zwei Geistesgrößen, die jede für sich schon Stoff genug für mehr als ein Buch liefern würde, die aber hier in einen reizvollen Zusammenhang gestellt werden: Die Frage, wie man die Welt für sich begreifbar machen kann.

Humboldt versucht es durch konkrete Anschauung an den unzugänglichsten Orten der Erde, Gauß durch reine Geistesleistung, Mathematik und Astronomie. Dennoch sind beide nur begrenzt erfolgreich und müssen am Ende ihres Lebens, als sie sich schließlich doch noch persönlich begegnen, die Grenzen ihrer Methoden erkennen.

Es handelt sich bei diesem Buch allerdings nicht um parallel geführte Biographien und auch nicht um einen klassischen historischen Roman. Vielmehr versammelt Kehlmann eine bunte Episodensammlung, die neben den großen Entdeckungen auch die Schwächen der beiden Genies, ihr Scheitern am Alltag und ihre ganz persönlichen Marotten nicht auslässt. Der Zwiespalt zwischen Ruhm und Größenwahn betrifft beide und wird höchst amüsant dargestellt. So wird z.B. die lange ersehnte Russland-Expedition von Humboldt zur Farce, weil seine Berühmtheit strengste Reglementierung und puren Formalismus nach sich zieht.

Ob sich alles was Kehlmann berichtet nun genau so zugetragen hat, fragt sich der Leser gar nicht erst - wichtig ist weniger das konkrete Ergebnis der Forschungen als vielmehr die Eigenheiten der beiden Männer, der Verbindung von Genie und Allzumenschlichem. Genau diese Verbindung macht auch den herrlich verschrobenen Humor des Buches aus, der das Lesen zu einem wahren Vergnügen macht. Dies wird besonders am Ende deutlich, als beide im gegenseitigen Kennenlernen neue Perspektiven auf ihr Leben und ihr Schaffen gewinnen. Beide erkennen ihr eigenes, eingeschränktes Weltbild und müssen sich ihre jeweilige Beschränktheit und auch ihr zumindest partielles Scheitern in Bezug auf die endgültige “Vermessung der Welt” eingestehen.

Kehlmanns Buch ist bei allem Humor, aller Beschönigung und auch Verfremdung der Lebensläufe doch von tiefem Respekt vor den Leistungen der beiden Wissenschaftler geprägt. Er schreibt fast berührend von dem Wunder, das in der Entdeckung des Unbekannten liegt, und zeichnet die Charaktere in all ihrer Doppelbödigkeit zwar gelegentlich ziemlich respektlos, aber doch sehr herzlich und voller Staunen. Dabei ist der Text trotz der vielen Brüche sowohl in den Lebensläufen selbst als auch durch den ständigen Wechsel zwischen Humboldt und Gauß locker und ausgesprochen flüssig zu lesen, zieht einen in seinen Bann, entlockt dem Leser immer wieder ein Schmunzeln oder Stirnrunzeln.
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