Bewertungsdetails

Fantasy & Phantastik 4756
Gesamtbewertung
 
3.0
Plot / Unterhaltungswert
 
3.0
Charaktere
 
3.0
Sprache & Stil
 
3.0
Fitz, Protagonist dieser Trilogie, ist der Bastardsohn des Kronprinzen der Sechs Provinzen, Chivalric. Als er im Alter von 6 Jahren bei seinem Vater “abgegeben” wird, verzichtet dieser daraufhin auf den Thron und überlässt den Jungen der Obhut von Burrich, Stallmeister des Hofes und Vertrauter Chivalrics. Doch auch andere Kräfte werden schnell auf ihn aufmerksam.

Zunächst verlebt er eine arbeitsreiche, aber relativ ungestörte Kindheit in den Stallungen, auch wenn er sich schon früh den jüngsten Sohn des regierenden Königs Listenreich, Edel, zum Feind macht. Mit der Ruhe vorbei ist es aber, als Listenreich selbst auf ihn aufmerksam wird. Er lässt ihn den Treueeid ablegen und ausbilden, zunächst zum Schreiber und in der Kampfkunst, später dann in der geheimen Kunst des Assassinen, die mit der Diplomatie des Giftes und des Meuchelmordes arbeitet. Ausbrechen aus dieser bedrückenden Welt kann Fitz nur bei seinen Ausflügen in die Stadt, in der er ungeachtet seiner Herkunft von anderen Kindern akzeptiert wird.

Höfische Intrigen und Verrat stehen am Weitseher-Hof an der Tagesordnung, sind aber nicht die einzigen Gefahren. Das Land wird von “Roten Korsaren” heimgesucht, die die Küstenorte überfallen und scheinbar aus reiner Lust am Zerstören morden und plündern. Diese hinterlassen nach jeden ihrer Angriffe eine grauenvolle Spur ihres Besuchs: Horden von “Entfremdeten”, Menschen, denen die Seele und jede Individualität geraubt wurde, die wie Raubtiere nur noch nehmen was sie wollen und zu normalen Beziehungen zu anderen Menschen nicht mehr fähig sind.

Veritas, Fitz’ Onkel und neuer Thronfolger - “König-zur-Rechten” - versucht wegen fehlender sonstiger Abwehrmaßnahmen, die Korsaren mit Hilfe der “Gabe” zurückzuschlagen. Diese “Gabe” ist die Form, in der sich Magie in dieser Fantasywelt am häufigsten äußert: Sie bezeichnet die Fähigkeit, geistig über weite Strecken Kontakt mit anderen aufzunehmen, mit ihnen zu kommunizieren, sie in die Irre zu führen - oder ihnen die Lebenskraft “auszusaugen”.

Fitz' erster großer Auftrag als Assassine führt ihn ins benachbarte Bergland, er gehört zur Abordnung, die Veritas’ zukünftige Gattin Kettricken noch Bocksberg holen soll. Dort wird er endgültig in den Sumpf der von Edel gesponnenen Intrigen hineingezogen, seine Funktion als Assassine wird offenbart, und er selbst kommt nur knapp mit dem Leben davon.

Fitz ist eigentlich ein Antiheld par excellence. Als Bastard sitzt er zwischen allen Stühlen, jede Partei meint Anspruch auf ihn erheben zu können - und wenn er diesen Ansprüchen nicht genügt, ihn in den Staub zurückstoßen zu dürfen. Eigene Wünsche und Bedürfnisse zu entwickeln oder gar zu befriedigen ist fast unmöglich, immer steht seine Loyalität zu seinem König im Vordergrund. Das Spannende an dieser Geschichte sind zum einen die verwickelten Intrigen, in die er willenlos verwickelt wird, aber auch die stark gezeichneten Charaktere, von denen er umgeben ist. Da ist z.B. Burrich, sein Ziehvater, der sehr genaue Vorstellungen davon hat, wie Fitz sich entwickeln soll - und der selbst eine vielschichte, zwiespältige Persönlichkeit ist. Da ist der alte König Listenreich, der sich seinen Namen redlich verdient hat, und sein Sohn Veritas, dessen Name ebenfalls Programm ist. Da ist Molly, die Kerzenzieherin, die zu seiner besten Freundin avanciert, Chade, sein Lehrmeister im Assassinenhandwerk, zugeknöpft und doch fürsorglich, und der geheimnisvolle Narr, der in kein Klischee passt, seine oft unverständlichen Späße treibt und sich doch als verlässlicher Freund herausstellt. Und natürlich die Bösewichte: Edel, der verwöhnte, intrigante, machthungrige Prinz und seine Geschöpfe und Handlanger.

Das Hofleben wird sehr ausführlich und farbig dargestellt, der Leser auch auf manche falsche Fährte gelockt - sehr glaubwürdig auch durch die Ich-Perspektive des Fitz, der vieles was ihm passiert selbst nicht wirklich zu deuten vermag; besonders gut gelungen fand ich die Beschreibung des Besuches im Bergland. Die vorherrschende Stimmung ist allerdings sehr düster; man leidet mit dem Protagonisten, gönnt ihm seine wenigen glücklichen Momente von Herzen, weiß aber letztendlich, dass er im Kampf gegen seine mächtigen Widersacher eigentlich keine Chancen hat. Schade ist, dass das Buch insgesamt vor allem im Mittelteil einige Längen hat, während das furiose Ende dann viel zu schnell und unter Vernachlässigung von Details abgehandelt wird.
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