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Autor Thema: Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell  (Gelesen 16770 mal)

Cuddles

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Re: Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell
« Antwort #75 am: 15. Mai 2008, 19:45:32 »

Im Großen und Ganzen kann ich mich eurer Meinung anschließen. Susanna Clarke erzählt die Geschichte so lebendig und authentisch, dass ich mich tatsächlich ins London des 19. Jahrhunderts hineinversetzt wähnte. Trotz des eher schönen Wetters in den letzten Wochen brauchte ich nur ein paar Zeilen zu lesen und die düstere Atmosphäre nahm mich gefangen. Die Charaktere sind sehr lebendig gezeichnet, trotzdem gab es keinen, mit dem ich mich richtig identifizieren und mitleiden konnte. Das Buch hat zwischendurch zwar ein paar Längen und das Erzähltempo ist eher gemächlich, trotzdem konnte es mich so sehr fesseln, dass ich es dann doch relativ fix durchgelesen hatte.

Am Ende wurde es noch mal richtig spannend und auch das Ende finde ich sehr passend. Der ganz große Knaller ist dieser Roman meiner Meinung nach nicht, aber 4ratten ist es mir wert.

Valentine

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Re: Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell
« Antwort #76 am: 23. Juli 2008, 09:23:40 »

England, früher, zur Regierungszeit des sagenumwobenen "Rabenkönigs" eine Hochburg der Zauberei, ist Anfang des 19. Jahrhunderts nur noch von einigen Zaubertheoretikern bevölkert, die sich in Vereinigungen organisieren und jegliche praktische Zauberei als viel zu gefährlich verteufeln.

Der kauzige Mr. Norrell belehrt sie eines Tages eines Besseren. In einer verblüffenden Demonstration seines Könnens erweckt er steinerne Statuen in der Kathedrale von York zum Leben und lässt keine Zweifel daran, dass man es hier mit dem wohl letzten praktischen Zauberer Englands zu tun hat.

Diese Episode bleibt natürlich der Öffentlichkeit nicht verborgen, und als Norrell dem Politiker Sir Walter Pole einen ganz großen Dienst erweist, um seine Eheschließung zu retten, werden überall Begehrlichkeiten geweckt, die Norrell aber nicht zu erfüllen gewillt ist, zumal seine zauberische Intervention nicht ohne gravierende Folgen geblieben ist.

Schließlich nimmt Norrell etwas widerwillig doch einen Schüler auf, den jungen Jonathan Strange, der sich als höchst begabt erweist und sich das, was Norrell ihm nicht beibringen will, selbst erarbeitet. Durch sein freundliches und offenes Wesen ist er bald allseits beliebt, im Gegensatz zum Meister selbst, und eines Tages kommt es zum Bruch zwischen den beiden ...

Man braucht Zeit und Muße für diesen dicken Wälzer, eine gewisse Vorliebe für den Stil von Jane Austen oder Charles Dickens kann nicht schaden, und wer Angst vor Fußnoten hat, sollte das Buch gar nicht erst anfassen.

Wer sich an den umfangreichen Schinken heranwagt, wird nach den ersten paar Seiten, die ein bisschen verwirrend wirken, mit einer atmosphärischen Zauberergeschichte belohnt, die ohne plakative Knalleffekte scheinbar ganz realistisch und eng an der tatsächlichen englischen Geschichte entlang daherkommt und dabei ein ganz anderes, phantastisches England zeigt, voller Zauberei, Mythen und Wegen ins Elfenland, wobei die Elfen hier nicht direkt Sympathieträger sind.

Mr. Norrell ist ebenfalls kein knuffiger Opi, sondern ein verschrobener Typ von der eher misanthropischen Sorte, während Jonathan Strange mitsamt seiner Arabella Sympathie weckt, manchmal aber auch Benehmen an den Tag legt, bei dem man ihn nur schütteln könnte.

Das schlichte schwarze Cover mit der weißen Schrift und dem fliegenden Raben (dessen Bedeutung sich beim Lesen erschließen wird) ist auch wunderbar gelungen.

Feiner, schräger Humor, eine wunderschöne poetische Sprache und eine sehr originelle Variation des Themas "Zauberer in der realen Welt" zeichnen das Buch aus, und der Spannungsbogen wird trotz der ausschweifenden Erzählweise stets aufrechterhalten. Abgerundet wird das Ganze durch einen in meinen Augen wunderschönen Schluss.

5ratten
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The best piety is to enjoy--when you can. You are doing the most then to save the earth's character as an agreeable planet. And enjoyment radiates. It is of no use to try and take care of all the world; that is being taken care of when you feel delight--in art or in anything else. Would you turn all the youth of the world into a tragic chorus, wailing and moralising over misery?
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kaluma

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Re: Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell
« Antwort #77 am: 24. September 2008, 14:47:40 »

Susanna Clarke: Jonathan Strange & Mr. Norrell

Es wurde ja schon viel über dieses Buch geschrieben, viel Neues kann ich da gar nicht mehr hinzufügen. Insbesondere hat Twilight in ihrer ausführlichen Rezension schon vieles gesagt, was ich ganz ähnlich sehe.

Ich fand das Buch kurzweilig, amüsant, sehr humorvoll (wobei sich nach ca. einem Drittel des Buches der Humor etwas verlor, und erst später wieder hier und da hervorschaute - vielleicht liegt das daran, daß das Buch von zwei Personen übersetzt wurde?). Insgesamt habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt. Stellenweise habe ich die Augen verdreht  :rollen: über die Leichtfertigkeit und den Größenwahn der beiden Zauberer Strange und (vor allem!) Norrell. Da studieren sie jahrelang die Zauberei, wollen die Zauberei wieder nach England zurückbringen - und dann ist der eine (Norrell) so egoistisch, alles Zauberwissen für sich selbst zu beanspruchen und dem Rest aller Engländer sämtliche Zauberbücher vorzuenthalten; und alle beide fischten beim Zaubern eigentlich nur im Trüben und hatten oft keine genaue Vorstellung, was sie da eigentlich alles an Wirkungen und Nebenwirkungen bewirken :rollen:! (ich persönlich überlege mir die Konsequenzen meiner Experimente lieber vorher und deshalb hat dieser Aspekt des Buches bei mir ein etwas unbehagliches Gefühl erzeugt). Zumal es wirklich lange Zeit so schien, als steuerte das Ganze auf eine Katastrophe zu, aber zum Glück gab es dann doch noch ein paar unerwartete Wendungen... (und trotzdem strapaziert das Buch nicht zu sehr das altbekannte Motiv des Kampfes "Gut gegen Böse" :breitgrins:).

Die Sprache empfand ich weder als besonders altmodisch, noch gekünstelt, sondern als der Geschichte durchaus angemessen, und auch die Fußnoten haben mich nicht gestört, sondern waren gut "beherrschbar".

Das Einzige, was für mich ein wenig das Lesevergnügen störte, sind das oben erwähnten Unbehagen und einige Längen in der Geschichte (besonders der Teil, in dem es um den Krieg gegen Napoleon geht). Abgesehen davon: ein sehr empfehlenswertes Buch.
 4ratten

Viele Grüße
Katja

« Letzte Änderung: 24. September 2009, 09:59:51 von kaluma »
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Ich lese gerade: Fred Vargas "Die Nacht des Zorns"

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Nirika

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Re: Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell
« Antwort #78 am: 11. Oktober 2008, 17:44:53 »

Hallo!

Susanna Clarke: Jonatha Strange & Mr. Norrell



Inhalt:
Vor vielen Jahrhunderten gab es in England noch Magie, und der größte aller Zauberer war der »Rabenkönig«. Anfang des 19. Jahrhunderts ist er nur noch eine Legende und England glaubt nicht mehr an Zauberei. Bis der zurückgezogen lebende Mr. Norrell autaucht und die Statuen der Kathedrale von York sprechen und tanzen lässt. Die Nachricht über dieses Ereignis verbreitet sich, und Mr. Norrell geht nach London. Er nimmt den brillianten jungen Zauberer Jonathan Strange als Schüler auf und begründet mit ihm eine neue Tradition englischer Magie. Doch bad wird aus der Partnerschaft Rivalität … (Buch)

Bewertung:
Das Buch hat viele Seiten. Viele Seiten ziehen mich magisch an, auch wenn sie kein Kriterium für ein gutes Buch sind. Betrachte ich das Cover sehe ich einen weißen Raben auf schwarzem Grund - Schlichtheit besticht. Trotzdem überkam mich an einer bestimmten Stelle in der Geschichte das Gefühl, ich hätte mir die Ausgabe mit dem schwarzen Raben auf weißem Grund kaufen sollen. Mein Buch fühlte sich plötzlich falsch an, obwohl es mir äußerlich bis dahin gut gefiel.
Es scheint heutzutage schwierig zu sein Fantasyromane vor dem Aufdruck von Meinungen über das Buch zu bewahren. Soll der Leser bestochen werden, das Buch auch gut zu finden, nur weil in irgendeiner Zeitung oder einem Magazn stand, das es gut ist oder weil ein anderer Autor es gut fand? Ich finde diese Flut von Meinungsaudränglung bevor man die erste Seite aufgeschlagen hat, ermüdend. Immmerhin kann man nach dem Lesen überprüfen, wie viel Substanz die Behauptungen haben.
Diesem Buch reichte ein Zitat nicht, oder zwei. Nein, es mussten gleich vier sein. Die Autorin kann nichts dafür, die Geschichte kann nichts dafür und trotzdem kamn mir Zweifel, ob ich mir das mit dem Lesen dieses Werkes gut überlegt hatte.

- »Ein Meisterk, das Tolkien Konkurrenz macht.« (Time Magazin)
Die beliebte Tolkienverbindung! Als wäre allein die Erwähnung dieses Namens im Zusammenhang mit diesem Buch eine Verkaufsgarantie. Wie kann ein Buch eigentlich einem Autoren Konkurrenz machen? Oder bezieht sich das Zitat auf den Herrn der Ringe? Ich geh mal davon aus.
Inwiefern macht dieses Buch Tolkien Konkurrenz? Von der Seitenzahl der Geschichte her? Immerhin knapp über 1000 Seiten … Aufgrund des Schauplatzes? England im 19. Jahrhundert hat Spannung, lässt sich aber schwer mit einem Gebiet wie Mittelerde vergleichen. Macht die Sprache der Autorin der von Tolkien Konkurrenz? Clark kann eine Geschichte erzählen. Tut sie das auf in Erinnerung bleibende, packende Weise? Nur bedingt. So viele Seite müssen gefüllt werden und manchmal macht sich das bemerkbar und die Handlung gleitet in Langatmigkeit.

- »Ein Buch, für lange Herbstschmöckerabende, ein Buch, auf dessen honigfarbene Seiten einfach Schokoladen- und Kaffeflecken gehören.« (Die Zeit)
Ich weiß wie Honig aussieht. Honig kann viele Farbtöne haben. Diese Seiten erinnern mich farblich überhaupt nicht an Honig. Habe ich die falsche Ausgabe?
Wohlwollend nehme ich an, dass das mit den Schokoladen- und Kaffeflecken nur dazu dienen soll, das Gefühl von Gemütlichkeit zu erzeugen. Auf Buchseiten gehören überhaupt keine Flecken, es sei denn sie wurden als Verzierung hineingedruckt.

- »In der gelungenen Übersetzung lässt sich das Buch in wenigen Tagen oder Nächten verschlingen.« (Süddeutsche Zeitung)
Ob die Übersetzung gelungen ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Wahr ist, dass sich das Buch schnell lesen lässt, obwohl die Handlung manchmal nicht recht vorangehen will.

- »Das Buch lebt durch seine wundervolle Sprache, die einen streckenweise an Jane Austen denken lässt.« (Brigitte)
Die Sprache als wundervoll zu bezeichnen ist übertrieben. Das Buch lässt sich flüssig lesen, was sicherlich durch die Sprache mitbedingt wird, aber mir ist daran nichts außerordentlich Gutes aufgefallen.
An Jane Austen musste ich dabei auch nicht denken. Habe ich etwas falsch gemacht?

Weshalb wird in England nicht mehr gezaubert? Diese berechtigte Frage wagt ein theoretischer Zauberer zu stellen. Auf der Suche nach Antwort, trifft er auf Mr. Norrell und dieser beweist, das es mit der Zauberei in England noch nicht vorbei ist.

Mr. Norrell. Es gibt eines, das mir an Mr. Norrell gefällt und das ist, dass er Bücher mag. Leicht zu manipulieren, seine Bücherschätze beschützend und überall mögliche Gegner witternd durchlebt er das Geschehen. Wenn ich an Mr. Norrell denke, habe ich das Gefühl, das eine Staubschicht auf ihm liegt als wäre er eine alte Statue.
Fast genauso wenig Verbindung hatte ich zu Jonathan Strange. Ich hatte nicht das Gefühl, ihn nach dem Lesen besonders gut zu kennen. Als Norrells Schüler und späterer Rivale, hätte ich mich sehr für ihn interessieren müssen, doch viel bleibt von ihm nicht in Erinnerung.
Die übrigen Figuren fallen auch nicht angenehm auf.
Die Geschichte wird nicht schlechter davon, wenn man keine Beziehung zu den Personen aufbauen kann, es sorgt nur dafür, das mir das Buch weniger gefällt.

Nichts gegen Fußnoten. Sie können ungemein amüsant sein oder sehr nützlich. Das habe ich schon bei anderen Büchern erlebt. Aber wenn die Fußnoten in einem Roman (!) ganze Seiten einnehmen und tausend nicht immer wichtige Geschichten erzählen müssen, kommt mir das doch ein wenig übertrieben vor.
Meine Meinung über die hier angewandte Erzähltechnik verschlechterte sich noch als dann Fußoten mit der Aufforderung kamen zurück zu einer anderen Fußnote zu blättern. Dazu hätte man wenigstens die Seite angeben können, statt nur das Kapitel. Ich hätte damit leben können, wirklich - bis die Aufforderung kam zu einer Fußnote vorzublättern. Das geh nun wirklich nicht. Ich blättere in einem Buch nicht gerne vor. Man ließt dann vielleicht versehentlich Dinge, die man gar nicht lesen will und die Spannung ist dahin …

Ein Meisterwerk?
Ein Buch, das man lesen kann. Es macht Spaß sich durch diese Seiten zu schmökern und trotzdem nagte an mir am Ende das Gefühl, das etwas gefehlt hat, das die Geschichte trotz aller Bemühungen am Ende nur zwischen Mittelmaß und gut schwankt.

3ratten



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„Jeg ser, jeg ser …
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Her er så underligt …“

Sigbjørn Obstfelder - Jeg ser

Ciriana

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Re: Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell
« Antwort #79 am: 11. Oktober 2008, 20:46:46 »

Hi,

ich bin gerade dabei das Buch zu lesen und bin zur Zeit auf Seite 400 und noch etwas. Ich war etwas überrascht, dass ich doch schon so weit war, obwohl ich nicht das Gefühl hatte, dass schon wirklich viel passiert war. Zumindest lässt sich das Buch, trotz Fußnoten, recht gut lesen und ich kann es nur schlecht weglegen.
Dennoch fällt es mir noch schwerer als sonst zu sagen, wovon das Buch handelt.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, was noch alles passiert. Ein wenig habe ich ja durch die Rezis hier mitbekommen.
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Zu viele Bücher, die ich lesen möchte und zu wenig Zeit, sie alle zu lesen.

Liafu

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Re: Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell
« Antwort #80 am: 07. Dezember 2008, 18:50:49 »

Ich habe gerade den ersten Band meiner dreibändigen Ausgabe beendet.

Nein, "spannend" ist zumindest bisher sicher nicht die passende Bezeichnung für dieses Buch, es geht erstaunlich ruhig und gemächlich voran.  Aber langweilig finde ich es dennoch nicht. Zum einen ist da die wirklich schöne Sprache und die ebenso schönen Beschreibungen ("She wore a gown the color of storms, shadows and rain and a necklace of broken promises and regrets."). Aber auch die Handlung selbst langweilt mich nicht. Für einen Fantasyroman ist sie recht ungewöhnlich, zumindest nicht das, was ich erwartet hatte. Zu einem großen Teil könnte es einfach ein ganz normaler, im 19. Jahrhundert angesiedelter Roman sein (was mich nicht stört, ich mag diese Zeit, auch ohne Fantasy-Bezug), nur dass es da eben zufällig noch einen Zauberer gibt, der aber so gar keinen magischen Eindruck erwecken will. Und Mr Norrell dürfte auch eine der ungewöhnlichsten Hauptfiguren sein, die mir seit langem untergekommen ist. Er hat keinerlei Ambitionen, seinen Mitmenschen etwas Gutes zu tun, es geht ihm nur darum, sich selbst und seine (und nur seine) Magie voranzubringen, er ist arrogant, würde das aber nie zugeben oder auch nur sich selbst gegenüber eingestehen und man erfährt kaum etwas über sein Innenleben, erst recht nichts, was ihn in ein positiveres Licht rücken würde. Kurz: Sympathische Züge? Fehlanzeige. Und trotzdem funktioniert es; und trotzdem nervt er nicht. Zumal ja auch ein nicht geringer Teil der Geschichte andere Personen in den Mittelpunkt stellt - ich hoffe, dass vor allem Childermass, Black und der Elf noch ein eine größere Rolle spielen werden.

Und jetzt bin ich gespannt, wie es mit Jonathan Strange weitergeht, der nach ca. 250 Seiten doch tatsächlich seinen ersten richtigen Auftritt hatte...
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Antw:Re: Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell
« Antwort #81 am: 11. Juni 2009, 17:59:14 »

Ich habe das Buch auch heute beendet und sollte wohl zuerst sagen, dass ich mich mit Fantasy-Romanen sehr schwer tue und mich bei Büchern, die"dicker" sind als 700 Seiten, oft lange vor Schluss die Langeweile packt und sie halb gelesen in der Ecke landen. Und trotzdem bin ich immer noch total fasziniert von Jonathan Strange & Mr. Norrell! So wie Liafu es beschrieben hat geht es mir auch:
Nein, "spannend" ist zumindest bisher sicher nicht die passende Bezeichnung für dieses Buch, es geht erstaunlich ruhig und gemächlich voran.  Aber langweilig finde ich es dennoch nicht. Zum einen ist da die wirklich schöne Sprache und die ebenso schönen Beschreibungen ("She wore a gown the color of storms, shadows and rain and a necklace of broken promises and regrets."). Aber auch die Handlung selbst langweilt mich nicht.
Ohne, dass ich wirklich sagen kann was es war, hat mich die Handlung sehr gefesselt, weshalb das Buch für mich ein totaler "Pageturner" war. Susanna Clarke hat eine unglaubliche Atmosphäre um die magischen Geschehnisse im beginnenden 19. Jahrhundert aufgebaut. Wie gerne hätte ich mich manchmal an einige Szenen und Orte in ihrer Geschichte gebeamt  :smile: Besonders dann, wenn es um den Herrn mit Distelwolle geht, erschafft Susanna Clarke aber auch ziemlich gruselige Momente und hin und wieder habe ich mich sehr amüsiert, über einen gewissen unterschwelligen Humor, der hier und dort durchschimmert  :breitgrins:
Die Geschichte, die Atmosphäre und vor allem der Sprachstil haben bei mir voll ins Schwarze getroffen und ich bin immer noch ganz verzaubert von dem Roman!
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Liafu

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Antw:Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell
« Antwort #82 am: 05. Juli 2009, 21:44:15 »

Ich habe das Buch jetzt endlich zu Ende gelesen. Zu meinem vorherigen Beitrag kann ich nicht mehr viel hinzufügen. Nein, ein Buch für Leser, die Action brauchen, ist es bestimmt nicht - wobei mir das letzte Drittel schon ein höheres Tempo aufzuweisen schien, als die ersten zwei. Die Figuren sind interessant und für mein Empfinden keineswegs oberflächlich gezeichnet, auch wenn man kaum etwas über ihre Gedankenwelt erfährt. Dadurch bleiben sie einem jedoch seltsam fremd - es gab für mich zwar Figuren, die mir sympathischer oder weniger sympathisch waren, aber niemanden, mit dem ich wirklich mitgefiebert hätte, auf dessen Seite ich mich geschlagen hätte. Und trotzdem kann ich das dem Buch nicht negativ anrechnen, denn ich fand es interessant, mal etwas anders, sämtliche Charaktere mit Interesse zu verfolgen, ohne eine von ihnen besonders zu lieben oder zu hassen. Auch an wirklich langweilige Momente kann ich mich, trotz des langsamen Erzähltempos, nicht erinnern, wobei es in dem Punkt aber vermutlich auch von Vorteil war, eine dreibändige Ausgabe zu lesen, da ich so zwischendurch Pausen einlegen konnte, ohne dass Gefühl zu haben, schon wieder ein Buch angefangen rumliegen zu lassen. Und Clarkes Stil, ihre Art zu beschreiben ist natürlich eh toll, wie schon mehrfach erwähnt.

Insgesamt kann ich verstehen, dass die Meinungen zu diesem Buch teilen, aber für mich hatte es so ein ganz gewisses besonderes etwas, das sich nur leider schwer in Worte fassen lässt.
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Yklamyley

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Antw:Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell
« Antwort #83 am: 20. September 2009, 21:53:30 »

 :jakka: Geschafft!
Endlich konnte ich die die 1009te Seite umblättern und bin vor keiner neuen mehr gelandet. Endlich konnte ich das Buch nach 2 Wochen endgültig zuklappen. Endlich brauche ich diesen Brocken nicht mehr mit mir herumzuschleppen.
Dennoch: Irgendwie schade ist es schon. Die Geschichte hat zu Ende (etwa die letzten 250 Seiten) enorm an Geschwindigkeit und Spannung gewonnen, so dass ich mir beinahe noch ein paar Seiten mehr gewünscht hätte.
Einerseits war das Buch für mich teilweise langatmig, teilweise zäh und teilweise zu ausgebreitet, andererseits ergaben sich Sinnzusammenhänge oft erst viel später, wodurch zuvor langweilige Passagen im Nachhinein eine Berechtigung erhielten. Die Figuren sind liebe- und mühevoll gezeichnet, sie scheinen mir auch keineswegs unsympathisch, ich mochte die meisten eigentlich recht gerne. Die Geschichte ist schön gesponnen und sprachlich ansprechend erzählt, man sollte das Buch jedoch nie zu lange unbeachtet lassen, denn dann könnte es passieren, dass man Entscheidendes vergisst. Also meiner Ansicht nach kein Werk für Zwischendurch.
Werten kann ich nicht, vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt, wenn alles einmal verdaut ist. Auf jeden Fall bin ich erstmal froh, mich wieder anderer Literatur widmen zu können  :zwinker:
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geht zu Ende

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Herbstzeitlose

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Antw:Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell
« Antwort #84 am: 04. Oktober 2009, 16:34:17 »

"Endlich!". Das habe ich nicht gedacht, als ich gestern Jonathan Strange & Mr Norrell beendet habe. Ich war tatsächlich ein wenig traurig, dass Kauz und Kauziger mich nicht mehr begleiten, wie sie das in den letzten Wochen getan haben.

Ich habe das Buch in Englisch gelesen, und im Englischen ist sie wirklich da, die Rechtschreibung und der Satzbau, wie man es von Jane Austen kennt. "to chuse" ist nur eines von vielen, aber vielleicht das prominenteste Beispiel :zwinker: .

Susanna Clarke lässt sich sichtlich viel Zeit, um ihre Geschichte zu erzählen. Sie holt weit aus, gibt den Charakteren Tiefe, und das, ohne dass da auch nur einer wirklich die Chance hätte, zum hundertprozentigen Sympathieträger zu werden.
Kleinere und größere Ergänzungen, aber auch Erläuterungen werden in Fußnoten gesetzt. Wer durch dieses Buch jagen will, um es schnell mal eben gelesen zu haben, der wird es wohl weniger mögen und die Fußnoten regelrecht hassen. Trotz der Fußnoten und der teils etwas behäbigen Beschreibungen und Ausschweifungen behält die Autorin ihren Bogen und schafft es, zumindest mich mitzuziehen. Das Tempo ist langsam, man hat Zeit für Detail, Zeit für zusätzliche Anekdoten in Fußnoten. Zäh fand es zu keinem Zeitpunkt.
Ein Buch zum Mitleben wie nur wenige andere, und ein Buch, das viel Atmosphäre vermittelt, nicht nur die des beginnenden 19. Jahrhunderts.

Für mich ein absoluter :tipp: , zumindest für diejenigen, die es gerne etwas bedächtiger mögen.
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Aeria

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Antw:Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell
« Antwort #85 am: 04. Oktober 2009, 17:08:38 »

Für mich ein absoluter :tipp: , zumindest für diejenigen, die es gerne etwas bedächtiger mögen.

Der Meinung bin ich auch. Zwar habe ich ewig für das Buch gebraucht, aber Langeweile kam nicht auf. Den Schreibstil fand ich wunderschön, selbst in der deutschen Übersetzung.

***
Aeria
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qantaqa

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Antw:Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell
« Antwort #86 am: 20. Dezember 2009, 12:26:29 »

Ich habe Jonathan Strange & Mr. Norrell gestern beendet und bin immer noch genervt von diesem Buch.

Anfangs fand ich die Geschichte, die Clarke sich da ausgedacht hat, interessant, skurril und liebenswert schrullig, auch die vielen Fußnoten haben mich nicht gestört, im Gegenteil; so manche Anekdote fand ich köstlich (und interessanter als das Buch selbst). Das passte alles hervorragend zu diesem herrlich altmodischen und trockenen Schreibstil und den kleinen Ironien im Stile Oscar Wildes, die mir häufig ein Schmunzeln entlockt haben.
Aber leider entwickelt sich die Geschichte nicht, bleibt spannungslos und für 1020 Seiten gibt es entschieden zu wenig Handlung. Dabei erwarte ich gar keine Action, sondern einfach nur Handlung. Bis zum Schluss bleibt die Geschichte wirr und die Figuren, die sich auch in den absonderlichsten Situationen steif wie auf einer englischen Teegesellschaft bewegen, beginnen zu nerven. Die letzten 300 Seiten waren eine Qual zu lesen. Dieses Buch mit dem Herrn der Ringe zu vergleichen, wie es der Verlag auf dem Cover tut, ist eine Frechheit - und das sage ich als bekennender Nicht-Tolkien-Fan.

Hätte Clarke das Buch um mindestens die Hälfte gekürzt, wäre es sicher ganz gut lesbar und spannend geworden, so ist daraus ein unhandliches Einschlafmittel geworden.

Von mir gibt es  2ratten - aber nur für den wirklich guten Anfang und den angenehmen Schreibstil.
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HoldenCaulfield

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Antw:Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell
« Antwort #87 am: 20. Dezember 2009, 12:27:36 »

@qantaqa
Schade das es Dir nicht gefallen hat!
Ich muss sagen für mich hätt es nich lang genug sein können^^
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Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

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Sonnenschirm

qantaqa

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Antw:Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell
« Antwort #88 am: 20. Dezember 2009, 12:32:35 »

@Holden
So unterschiedlich sind die Geschmäcker, glücklicherweise. Ich habe gar nichts gegen Längen und ausführliche Beschreibungen, wenn das Ganze irgendwohin führt.
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Grisel

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Antw:Susanna Clarke - Jonathan Strange und Mr. Norrell
« Antwort #89 am: 20. Dezember 2009, 14:23:00 »

Für mich war bei dem Buch der Weg das Ziel. Sprich, es mußte für mich gar nicht "irgendwo ankommen". Es hat sich für mich so wunderschön gelesen, daß ich ewig hätte weiterlesen können.
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