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Autor Thema: Andrzej Sapkowski - Der letzte Wunsch  (Gelesen 1723 mal)

Liafu

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Andrzej Sapkowski - Der letzte Wunsch
« am: 16. Juni 2007, 16:56:00 »

Der letzte Wunsch ist eine Sammlung von sechs längeren Kurzgeschichten (jeweils ca. 40 – 70 Seiten), die sehr lose durch kurze Abschnitte einer sich durchs ganze Buch ziehenden Geschichte verbunden sind.

Die Hauptfigur der Geschichten ist Geralt von Riva, ein Hexer, dessen Job es ist, gegen Bezahlung alle möglichen Untiere zu erledigen, die den Menschen gefährlich werden. Dabei bekommt er es jedoch nicht (nur) mit den Fantasy-üblichen Drachen oder Orks zu tun, sondern mit vampirartigen Wesen, einem „Schneewittchen“ auf Rachefeldzug, oder einem Flaschengeist, der von Geralts Wunsch gar nicht begeistert ist.

Diese Verwendung von Phantasiewesen oder auch Sagengestalten, die sich von dem üblichen Drachen/Trolle/Orks-Gemisch unterscheiden, hat mir gleich sehr gut gefallen, genauso wie eine paar kleinere und größere Anspielungen auf Märchen – Schneewittchen ist da nicht das einzige. Auch die obligatorischen Elfen sind nicht nur die überlegenen, schönen Weisen. Einige haben sich den Menschen angepasst, andere wurden von ihnen in die Berge vertrieben und drohen zu verhungern, weil sie sich nicht anpassen wollen und ein Halbelf gehört zu „Schneewittchens“ Söldnertruppe. So ist Geralts mittelalterliche Fantasywelt auch definitiv kein nettes Märchenland.

Sapkowskis Stil liest sich sehr flüssig, lebendig und direkt und es fehlt auch nicht an einer guten Portion Humor (was aber nicht heißen soll, dass es sich hier um Funny-Fantasy handelt). Die Welt wirkt sehr lebendig und dies gilt durchaus auch für die Charaktere. Allerdings lässt eine Kurzgeschichtensammlung natürlich keine übermäßig komplexe Handlung und kein allzu großes Maß an Charakterentwicklung zu – Geralt ist bisher eine mehr oder weniger einsamer Wolf, dem sein Eingreifen nicht immer gedankt wird und der eigentlich gern ein ganz normaler Mensch wäre, doch das sind Hexer nun mal anscheinend nicht...so ganz. Die Geschichten sind spannend, es war keine dabei, die mir nicht gefallen hat, und fast immer mit einer Portion Action verbunden. Meist konzentriert sich die Handlung auf das aktuelle Abenteuer, manchmal Erfährt man aber auch ein wenig über seine Vergangenheit, wie er zum Hexer wurde, oder über Yennefer...

Wer unbedingt eine komplexe, epische Handlung braucht und mit Kurzgeschichten überhaupt nichts anfangen kann, wird mit diesem ersten Band der Geralt-Reihe vermutlich nicht glücklich. Wer sich jedoch von spannenden Abenteuern mit einem Schuss Action und ebensoviel Humor in einer nicht gar so typischen Fantasywelt angesprochen fühlt, kann ruhig mal einen Blick riskieren. Ich habe mich jedenfalls bestens unterhalten gefühlt, bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung und traue der Reihe einiges Potential zu.


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Tirah

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Re: Andrzej Sapkowski - Der letzte Wunsch
« Antwort #1 am: 03. Februar 2008, 16:57:51 »

Nachdem ich das Computerspiel "The Witcher" mochte, wollte ich doch auch das Buch lesen, auf dem das Spiel basiert.  :breitgrins:

Meine Meinung:
Die Abenteuer von Geralt sind zwar interessant, aber es handelt sich im Grunde genommen um Kurzgeschichten, die in diesem Band gesammelt wurden. Die Rahmenhandlung mit dem Titel "Die Stimme der Vernunft" kann die einzelnen Geschichten nicht wirklich verbinden und nicht immer ist klar, in welcher zeitlichen Abfolge die Geschichten spielen.
Wie immer bei Geschichtensammlungen gibt es gute und weniger gute Geschichten und so ist es auch hier. Es gibt spannende und humorvolle Geschichten, aber auch solche, die einfach nur langweilig sind. Insgesamt ist es aber eine gute Mischung. Einen Roman um Geralt würde ich allerdings noch lieber lesen!

Von mir daher:
3ratten und  :marypipeshalbeprivatmaus:
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viele Grüße
Tirah

Callibso

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Re: Andrzej Sapkowski - Der letzte Wunsch
« Antwort #2 am: 08. Februar 2008, 23:42:23 »

Wenn es dtv schafft und alle Geralt-Romane rausbringt, dann kommt die komplexere, zusammenhängende Story noch.
Die ersten beiden Bände, "Der letzte Wunsch" und "Das Schwert der Vorsehung", sind gesammelte Kurzgeschichten. Im polnischen Original folgte darauf ein fünfbändiger Zyklus richtiger Romane, die nach Plan dann im Halbjahresabstand auf deutsch veröffentlicht werden sollen.
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You see things as they are and ask, "Why?" I dream things as they never were and ask, "Why not?" (G. B. Shaw)

elwe

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Re: Andrzej Sapkowski - Der letzte Wunsch
« Antwort #3 am: 14. Juni 2008, 19:39:16 »

<-- Die Briten sind da offenbar sogar noch schneller... allerdings ist noch kein Erscheinungsdatum angegeben.
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:lesen: Faunblut - Nina Blazon

elwe

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Re: Andrzej Sapkowski - Der letzte Wunsch
« Antwort #4 am: 14. Juni 2008, 19:41:24 »

... und weil wir gleich beim Thema sind, hier auch noch mein Fazit zum 'letzten Wunsch':


Der letzte Wunsch.
Geralt von Riva ist ein Hexer, ein professioneller Ungeheuer-Töter. Die Zunft der Hexer ist klein, und ihre Vertreter werden vom Volk nicht sonderlich gemocht, weil sie anders sind als gewöhnliche Menschen. Aber man duldet sie, weil sie nützlich sind, und den Bewohnern der Dörfer und Städte gegen Bezahlung unliebsame Monster vom Hals schaffen.
Wie jeder Hexer wurde Geralt als Säugling von seiner Mutter an die Gilde gegeben, die das Kind einer besonderen Behandlung mit Giften und Kräutern unterzogen, die nur wenige Probanden überleben. Die, die sich als stark genug erweisen, gewinnen dadurch übermenschliche Fähigkeiten - eine besonders schnelle Regeneration von Wunden, Dunkelsicht, außergewöhnliche Reflexe. Doch die äußeren Zeichen, die damit einhergehen - veränderte Pupillen zum Beispiel und weißes Haar durch den Verlust der Pigmente - machen sie in den Augen der Menschen selbst zum Monster.
Das Buch umfaßt eine Sammlung von Kurzgeschichten, Episoden aus Geralts Leben während seiner Streifzüge durch das Land. Er kämpft gegen Monster oder Banditen, legt sich mit einem Dschinn an und mit einer Zauberin, die sein Herz stielt... Die Geschichten sind locker verbunden durch eine Rahmenhandlung.

Geralts Welt zeigt alle Facetten häßlicher Realität, trotz dass es ein Fantasy-Universum ist: Rassistisch sind die Menschen und fremdenfeindlich, brutal und undankbar und nur auf eigenen Vorteil bedacht. Das einfache Volk besteht überwiegend aus Analphabeten, getrieben von Vorurteilen und Aberglaube, und beherrscht von kirchlichen und königlichen Despoten.
Den Sieg des Guten über das Böse gibt es nicht, nur die Entscheidung für das kleinere Übel (übrigens der Titel einer der Episoden). Doch wer kann sich anmaßen, diese Entscheidung zu treffen?

Der Autor:
Andrzej Sapkowski (* 21. Juni 1948 in Aódz, Polen) ist der bekannteste polnische Fantasy-Schriftsteller. Seine Bücher greifen – zumeist parodistisch – Motive der slawischen Legenden und Märchen auf. Sapkowskis erfolgreichster Fantasy-Zyklus behandelt die Abenteuer des Hexers Geralt von Riva (der Hauptstadt des Landes Rivien), der sich in jungen Jahren durch eine schmerzhafte Prozedur in einen Hexer verwandelte. Geralt reist durch eine Fantasywelt (die an einigen Stellen mit Märchenmotiven aus den Werken der Gebrüder Grimm und des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen durchsetzt ist), um gegen Bezahlung Monster und Fabelwesen zu erlegen.


Fazit:
Ich kannte Andrej Sapkowski nicht, bis ich durch das sehr erfolgreiche Spiel auf seine Geschichten um den Hexer Geralt gestoßen bin.
Obwohl ich sonst nicht so der Kurzgeschichten-Fan bin, hat mich die episodenhafte Erzählweise hier überhaupt nicht gestört. Geralt ist eine schillernde und zugleich tragische Figur, eine Art dunkler Held, der die Dinge zugleich sehr pragmatisch anpackt.
Der Schreibstil des Autors ist sehr erfrischend, geradlinig und macht Spaß zu lesen. Ein unterschwelliger sarkastischer Humor scheint immer wieder zwischen den Zeilen auf, der zu der düsteren Welt und seinem zweifelbehafteten Protagonisten paßt.
'Der letzte Wunsch' ist absolut empfehlenswerte Erwachsenen-Fantasy; mittlerweile ist auch der zweite Band beim Verlag zu bekommen. Ich hoffe, dass auch die restlichen Kurzgeschichtensammlungen um Geralt (ich glaube, es sind so um die sieben) vom Polnischen mal ins Englische oder Deutsche übersetzt werden.
Uneingeschränkt empfehlenswert, das heißt
5ratten
« Letzte Änderung: 14. Juni 2008, 20:04:27 von elwe »
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:lesen: Faunblut - Nina Blazon

Kiba

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Re: Andrzej Sapkowski - Der letzte Wunsch
« Antwort #5 am: 28. September 2008, 22:47:08 »

Da kann ich Elwes Fazit absolut zustimmen und vergebe ebenfalls:

 5ratten
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Imoen

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Re: Andrzej Sapkowski - Der letzte Wunsch
« Antwort #6 am: 10. Oktober 2008, 19:09:17 »

Ich gebe auch  5ratten, diese Stimmung die dieses Buch vermittelt fand ich grossartig.
Jedoch weiss ich nicht ob ich das Buch ohne vorher das PC-Spiel gespielt zu haben auch so toll gefunden hätte.
Mit Figuren welche ich selber spiele und somit Ihren Charakter zumindest teilweise mitbestimme / entwickle fühle ich mich immer noch mehr verbunden.

Tolle Fantasy, tolles Spiel  :breitgrins:

Manuela2205

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Re: Andrzej Sapkowski - Der letzte Wunsch
« Antwort #7 am: 11. Oktober 2008, 14:11:02 »

das wird dann wohl der erste komplexe Band auf deutsch sein (ab November 2008):



Kurzbeschreibung
Seit dem blutigen Überfall auf Cintra ist Ciri, die Thronerbin des Reiches, verschollen. Doch es gehen Gerüchte um, dass sie nicht tot ist, sondern von Geralt, dem Hexer, entführt und an einen geheimen Ort gebracht wurde. Und Geralt sieht sich mit heiklen Fragen konfrontiert. Hat Ciri wirklich magisches Potential? Oder ist sie nur das Medium einer bösen Macht? Der halbverfallene Stammsitz der Hexer wird zum Schauplatz einer großen Prüfung ...
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Zara

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Antw:Andrzej Sapkowski - Der letzte Wunsch
« Antwort #8 am: 10. März 2010, 09:49:29 »

Das Cover hatte mich sofort in den Bann gezogen. Wirklich toll gemacht! Was mich von Anfang an etwas abgeschreckt hatte, war, dass es lauter Kurzgeschichten sind. Das ist nicht mein Fall, damit konnte ich noch nie etwas anfangen.

Das Buch beginnt mit der Stimme der Vernunft und darauf folgte eine Kurzgeschichte, immer abwechselnd. Die Stimme der Vernunft verknüpft das ganze Buch etwas, ansonsten sind die einzelnen Geschichten voneinander unabhängig. Ich hatte das Gefühl, in irgendeinen Zeitpunkt von Geralts Leben hineinzuplatzen und etwas daraus zu erfahren.

Das Buch startet rasant, doch dann verlief sich das Buch irgendwie. Sehr oft wusste ich einfach nicht, was ich mit diesem Buch und diesen Kurzgeschichten anfangen soll. Da fand ich mich nach richtig tollen Kampfszenen plötzlich in seitenlangen Landschaftsbeschreibungen wieder. Zum Schluss wurde es dann glücklicherweise wieder richtig spannend.

Sehr gut hat mir gefallen, dass man Untieren und Fabelwesen begegnet, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Die Beschreibungen sind sehr detailliert und ich konnte sie mir gut vorstellen. Dagegen blieb mir Geralt leider etwas verschlossen.

Von mir gibt es aber nur  3ratten
« Letzte Änderung: 19. Juni 2010, 07:14:25 von Zara »
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Liebe Grüße, Zara

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