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Autor Thema: Chimamanda Ngozi Adichie - Blauer Hibiskus  (Gelesen 682 mal)

Flor

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Chimamanda Ngozi Adichie - Blauer Hibiskus
« am: 15. Juni 2007, 18:43:16 »



Klappentext:

Kambili und ihr älterer Bruder Jaja führen ein privilegiertes Leben in Nigeria. Ihr Vater ist ein wohlhabender Mann, es gibt mehrere Bedienstete in dem großen , schönen Haus, sie besuchen exklusive Missionsschulen. Doch eine bedrückende Stille lastet über alle. Der in der Gemeinde hochangesehene Vater setzt seine rigiden Vorstellungen, wie ein wahrer Katholik zu leben hat, in der Familie mit brutaler Gewalt durch. Als die beiden zum erstenmal ihre Tante Ifeoma besuchen, tut sich ihnen eine vollkommen neue Welt auf. Hier wird diskutiert, gelacht und gesungen, hier wird der Großvater geliebt, obwohl er an die alten Igbo-Götter glaubt. Im Garten blüht Blauer Hibiskus - und Kambili verliebt sich. Nach ihrer Rückkehr ist die alte Ordung nicht wieder herzustellen.......

Meine Meinung:

Von Anfang an hat es dieses Buch bei mir schwer gehabt. Es war ein Geschenk ansonsten hätte ich es sicher nie gelesen. Warum? Ich mag einfach keine Bücher in denen die Hauptfigur ein Kind oder in diesem Fall eine Jugendliche ist.
Aber egal, das Buch hat nur 300 Seiten und eine Rezi dazu wurde auch gewünscht also dann mal los, dachte ich mir :zwinker:.

Die Geschichte ist in der Ich-Erzählform geschrieben aus der Sicht der 15 jährigen Kambili. Wirklich sehr authentisch eine einfache, schöne sehr ruhige Sprache. Im Klappentext steht eine verführerisch unschuldige Stimme, das trifft es sehr gut.
Es ist als ob Kambili ihre Gedanken in einem Tagebuch niedergeschrieben hat und uns das jetzt erzählt. Schüchtern, leise ohne zu sehr ins Detail zu gehen.
Der Vater nimmt in diesem Buch einen großen Raum ein. Tyrannisch, brutal, der sich mit seiner Religiosität in einen regelrechten Wahn steigert. Das Thema Religion ist in diesem Buch sehr, sehr wichtig.
Auf der anderen Seite ist der Vater aber auch ein Mann der seine Kinder sehr liebt, wie er es zeigt ist nur sehr schlimm. Er ist ein mutiger Mann der sich gegen das politische Regime stellt.
Also, nicht einfach eine durch und durch schreckliche Person sondern an einigen Stellen wird er einem direkt sympathisch.
Die Brutalität wird in diesem Roman nur angedeutet. Schlagende Geräusche hinter der Tür. Die Mutter die mehrere Fehlgeburten hat, es wird nie genau erläutert warum.
Das Buch lebt von Andeutungen.
Ich hätte mir das Buch manchmal etwas ausführlicher gewünscht, 300 Seiten sind für diese Geschichte, wie ich finde zu wenig.
Auch über Nigeria erfährt man nicht wirklich viel.
Das Ende ist dann einfach perfekt. Etwas überraschend aber denn doch auch wieder nicht. Es bleibt auch viel Platz für eigene Gedanken.
Es ist ein Buch das auf jeden Fall Eindruck hinterlässt, wenn ich es auch wegen den o.g. Punkten keine Ratten Höchstnote von mir bekommen wird.
Sondern nur
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« Letzte Änderung: 15. Juni 2007, 18:49:55 von Flor »
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HoldenCaulfield

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Re: Chimamanda Ngozi Adichie - Blauer Hibiskus
« Antwort #1 am: 16. Juni 2007, 01:01:14 »

Hmm... deine Rezi lässt mich irgendwie zwiespältig zurück. Es könnte sein das es kein Buch für mich ist... mal sehn wenn ich in der Bibliothek darüber stolpere werde ich es vielleicht doch mal mitnehmen. Danke für deine Rezi!!

Grüße
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Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

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Sonnenschirm

Flor

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Re: Chimamanda Ngozi Adichie - Blauer Hibiskus
« Antwort #2 am: 16. Juni 2007, 02:17:25 »

@HoldenCaulfield
Ja, ist etwas schwierig. Ich habe mich auch etwas schwer getan mit der Beurteilung. Ich hatte das Buch ruckzuck durch hat mich also schon sehr gefesselt  und das Ende hat mir wirklich gut gefallen kein so Friede-Freude-Eierkuchen-Kram der nicht zum Buch gepasst hätte, aber irgendwie hat mir was gefehlt. der Funke ist nicht so 100 % übergesprungen.
Wenn die Autorin bei ihren Beschreibungen ein bisschen mehr ins Detail gegangen wäre.........das Buch ist einfach etwas zu kurz.
Ich hätte auch gerne ein bisschen mehr über Nigeria erfahren, auch über die politischen Geschehnisse, wann liest man schon mal ein Buch das dort spielt?
Allerdings durch die gewählte Ich-Erzählform wird das erschwert, da Kambili  so behütet ja abgeschottet aufwächst das sie sich selber in ihrem Land nicht auskennt.
Und sie ist halt auch erst 15.
Aber wenn du es dir aus der Bücherei holst kannst du ja nicht viel verkehrt machen.
Es ist schon ein interessantes Buch.
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Aldawen

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Re: Chimamanda Ngozi Adichie - Blauer Hibiskus
« Antwort #3 am: 04. Februar 2008, 23:58:07 »

Inhalt: Der von Flor zitierte Klappentext paßt schon, aber ein paar Ergänzungen sind vielleicht angebracht. Der Vater kommt selbst aus einfachsten Verhältnissen und hat sich mit Hilfe der Missionare Bildung als Sprungbrett für seinen ökonomischen Erfolg angeeignet, er besitzt inzwischen mehrere Fabriken und eine Zeitung. Daraus ist nicht nur eine bedingungslose, ja schon geradezu fanatische Hingabe an die Religion und ihre (tatsächlichen oder vermeintlichen, keine Ahnung, ich bin nicht katholisch) Regeln geworden, sondern auch ein unmenschlisches Anspruchsdenken an die Familie, vor allem die Kinder. Diese müssen immer als Klassenbeste nach Hause kommen, der zweite Platz wird schon bestraft. Das gilt auch für alles, was der Vater als Sünde betrachtet, und die Strafen sind durchaus körperlich schmerzhaft (von extremen Prügeln bis zu Verbrühungen). Die Kinder haben detaillierte Tagespläne mit „Lernzeit“ und „Familienzeit“ (in der aber natürlich nicht z. B. Ferngesehen, sondern Zeitung gelesen wird, höchstens mal ein Schachspiel mit dem Vater ist drin). Kein Wunder, daß in dem Haus auch nicht gelacht wird. Daher sind Jaja und Kambili natürlich höchst irritiert, als sie für eine Woche ihre Tante und deren drei Kinder besuchen, wo das Leben miteinander ein ganz anderes ist. Jaja findet sich damit zwar schneller zurecht als Kambili, aber bei beiden wird innerer Prozeß angestoßen.


Meine Meinung: Vor allem liegt hier eine traurige Familiengeschichte vor, denn das Verhalten des Vaters ist in keinster Weise entschuldbar. Es ist zwar durchaus so, daß er seine Kinder auf eine gewisse Art liebt, aber eben nur, wenn sie seinem übersteigerten Ansprüchen an gottgefälliges Verhalten entsprechen. Wie Flor schrieb, hat die Mutter mehrere Fehlgeburten, es ist offensichtlich, daß diese (wenn nicht alle, so doch zum Teil) durch den prügelnden Vater verursacht sind, Holztische gehören nun mal nicht auf Menschen zerschlagen. Was den Charakter schwierig macht: Als Verleger beweist er dabei Zivilcourage. Er schützt seinen Chefredakteur, läßt diesen nach der Beseitigung der Zivilregierung durch Militärputsch kritische Leitartikel und für das Regime gefährliche Reportagen veröffentlichen und setzt viel Geld und Kontakte ein, ihn aus dem Gefängnis zu holen. Auch ist er seinen Angestellten gegenüber (finanziell) großzügig und unterstützt viele Sozialeinrichtungen. Die dadurch erzielten Sympathiepunkte wiegen aber sein Verhalten seiner Familie gegenüber nicht auf. Das Ende der Geschichte, soweit es die Familie betrifft, fand ich konsequent, anders hätte es mich auch irritiert.

Sprachlich fand ich es passend umgesetzt. Kambili erzählt selbst, und auf Grund ihrer ganzen Erziehung, die sie sehr wortkarg und schüchtern gemacht hat, wird nicht mehr gesagt als unbedingt notwendig. Vieles bleibt daher nur angedeutet, wodurch aber der Kontrast zu den späteren Stellen, an denen sie anfängt Gefühle zu haben und zu zeigen, besonders deutlich wird.

Am meisten hat mich „gestört“, daß mir insgesamt entschieden zu wenig Nigeria darin vorkam, es hätte in dieser Form auch an nahezu jedem anderen Ort der Welt spielen können. Die Familie hätte sich dann eben nicht von jollof, fufu und garri ernährt, sondern von anderen Dingen und statt Igbo hätte man eine andere Sprache gesprochen. So bleibt es im wesentlichen eine teils erschreckende Charakterstudie, aber nicht wesentlich mehr. Da hat mir ihr zweiter Roman Die Hälfte des Himmels deutlich besser gefallen.

 3ratten

Schönen Gruß,
Aldawen
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika

Kiba

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Re: Chimamanda Ngozi Adichie - Blauer Hibiskus
« Antwort #4 am: 05. Februar 2008, 00:18:48 »

Der Blaue Hibiskus ist ein langsames, gemächliches Buch, das gänzlich auf Spannungsaufbau verzichtet, obwohl dies ja leicht möglich gewesen wäre.
Ich fand es sehr gut, auch weil es mal so ganz anders war als das, was ich üblicherweise so lese.
Von mir deshalb: 4ratten
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