Anmerkung: Ich habe die dänische Ausgabe gelesen, vielleicht gibt es da Unterschiede zur deutschen
Inhalt:Ein ruhiges Haus in Norwegens Abgeschiedenheit: so möchte Trond seine letzten Jahre verbringen. Das Haus wieder auf Vordermann bringen und mit seinem Hund Lyra die Wälder durchstreifen. Die letzten drei Jahre nagen am alten Mann und nun möchte er endlich Ruhe finden.
Doch als er seinen Nachbarn kennenlernt, beginnt Trond, an seine Jugend zurückzudenken. Damals, an den Sommer 1948. Damals, als Trond 15 war und mit seinem Vater den Sommer in einer Hütte nahe der schwedischen Grenze verbrachte. Damals, als Tronds Freund Jon auf die Idee kam, Pferde stehlen zu gehen. Was zu einer Katastrophe führte.
Und der Sommer, in dem Trond seinen Vater erst richtig kennenlernte.
Meine Meinung:Per Pettersons "Ud og stjæle heste" (Hinaus und Pferde stehlen) ist ein ruhiges und besonnenes Buch, genauso wie es seine Hauptfigur Trond ist. Das Buch entführt uns in Norwegens Natur und in ein abgelegenes Dorf der Nachkriegszeit.
Die Geschichte erzählt Trond aus der Ich-Perspektive. Dabei springt er immer wieder von der Gegenwart in die Vergangenheit, die Sprünge lassen sich jedoch leicht hinausfiltern, da Tronds Gegenwart im Präsens erzählt wird und seine Vergangenheit im Präteritum.
"Ud og stjæle heste" ist ein Buch, das meiner Ansicht nach viele gute Ansatzpunkte hat. Vor allem die Geschichte von Tronds Vater ist geheimnisvoll und spannend. Leider hat Petterson diese Punkte nach nicht genug herausgearbeitet und ihnen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Dinge, die mich wirklich interessiert hätten, schneidet der Autor nur an, erzählt kurz davon und geht dann weiter. Vielleicht möchte der Autor den Leser auf diese Weise zum Nachdenken animieren, für mich ging dadurch jedoch jede Menge Spannung verloren.
Dagegen erzählt der Autor die unterschiedlichsten Dinge über Tronds Leben in den norwegischen Wäldern. Diese sind zum Teil sehr athmosphärisch, aber ich empfand mich während des Lesens leider nicht als geeignete Zielgruppe.
Was Trond und sein Vater während ihres Ausritts im Wald so alles sehen oder Tronds spätere Spaziergänge am Fluss entlang - es interessierte mich nicht. Mir fehlte es im Buch definitv an Spannung und einem roten Faden. Dabei möchte ich nicht sagen, dass das Buch langweilig ist, sondern bloss, dass Petterson sein Buch einer älteren Leserschaft gewidmet hat, die diese Art des Erzählens zu schätzen weiss.
Trond ist ein in sich gekehrter Mann, der die Einsamkeit sucht. Er passt perfekt in die Grundstimmung des Buches. Doch da Trond eine sehr verschlossene Person ist, konnte ich mit ihm nicht wirklich warm werden. Genauso, wie ich auch mit dem Buch nicht wirklich warm wurde. Leider, wie ich zugeben muss.
Fazit: Ein schönes Buch, das vor allem Lesern gefällt, die detailierte Beschreibungen des Alltags und der Natur mögen. Aufgrund fehlenden Spannung würde ich das Buch jüngeren Lesern nicht empfehlen.
Ich war vom Buch etwas enttäuscht. So hatte man zum Beispiel auch aus der Tragödie von Jons Geschwistern viel mehr machen können. Irgenwann las ich nur noch quer, was diesem philosophischen und nachdenklichem Buch bestimmt nicht gerecht wird.
