David Grossman: Zickzackkind


Inhalt:Amnon Fejerberg, genannt Nono, steht kurz vor seinem dreizehnten Geburtstag, an dem er Bar Mizwa feiern wird. Aus diesem Anlaß hat sein Vater, ein hoher Polizeibeamter, sich ein Detektivspiel für ihn ausgedacht. Er schickt Nono allein auf eine Zugfahrt von Jerusalem nach Haifa mit dem Auftrag, in einem ganz bestimmten Zugabteil jemanden mit der Frage "Wer bin ich?" anzusprechen. Pech, oder Glück für Nono, daß er die falsche Person anspricht: einen älteren Herrn, den Gentleman-Ganoven Felix Glick, der sein eigenes Spiel geplant hat, und der zu Nono in einem ganz bestimmten Verhältnis steht. - Und nun beginnt eine unwahrscheinliche, abenteuerliche Reise, ein Versteckspiel, an dessen Ende Nono einige Wahrheiten über seinen familiären Hintergund erfährt und die Frage "Wer bin ich?" endlich selbst besser beantworten kann.
Meine Meinung:Das Buch beginnt zunächst gemächlich, steigert sich aber schnell und wird sehr spannend. Von dem Moment an, in dem Nono im Zug Felix Glick anspricht, wird es die reinste Abenteuerreise: nicht umsonst war Felix früher ein geschickter Ganove...
Es gibt so einiges, was nicht ganz gesetzestreu abläuft, es geschehen jede Menge unerwartete Wendungen, und die meiste Zeit sind die beiden auf der (höchst amüsanten) Flucht vor der Polizei, die letztendlich sogar in Gestalt von Nonos Vater agiert.
In den Gesprächen zwischen Felix und Nono lernen wir die beiden und ihre Vergangenheit besser kennen, vor allem wird Nonos Eigenheit erklärt, ein Zickzackkind zu sein, das nicht in das rechteckige Raster der Erwartungen von Schule und Gesellschaft paßt. Und Stück für Stück erfährt Nono, warum er für Felix so eine überaus wichtige Person ist...
Es geht die meiste Zeit sehr chaotisch zu, das gefällt mir eigentlich recht gut, aber das steigert sich so sehr, daß das Buch an einigen Stellen vollkommen ins phantastisch-Irreale abdriftet und überzogen wirkt. Hin und wieder stolperte ich über verwirrende Textstellen, zum Beispiel wenn die Rede ist von "einmal im Monat, jeden Donnerstag" oder von Ländern, die so weit entfernt sind, daß bei ihrer Betrachtung der Atlas feucht wird. Das gefiel mir dann weniger, und ich hatte jedesmal den Eindruck, daß ich hier eine Anspielung lese, die ich nicht verstehe, weil ich vorher irgendetwas überlesen habe...
Aber wenn man dies und die phantastisch-märchenhaften Elemente akzeptieren kann (zunächst begann das Buch ja wie eine rein realistische Erzählung - obwohl das Titelbild einem ja diesbezüglich eigentlich schon zu denken geben sollte), und damit leben kann, daß nicht alles am Ende erschöpfend erklärt wird, dann kann man dieses Buch als wunderschöne Geschichte über das Erwachsenwerden, die Suche nach den eigenen Wurzeln und das Finden der eigenen Persönlichkeit genießen.
Bewertung:
Grüße, kaluma