

Der herausragende Film "Apocalypse Now", frei nach Conrads "Herz der Finsternis", war der Grund, warum ich schon länger etwas von Joseph Conrad lesen wollte. Ich habe mir dann recht spontan „Lord Jim“ als Einstieg ausgesucht.
Den Titel „Lord“ hat Jim von den südostasiatischen Eingeborenen erhalten, deren Oberhaupt er war. In diese abgelegene Gegend war er in dem Versuch gelangt, sich vor der westlichen Zivilisation zu verstecken. Als junger Offizier zur See hat Jim einen ernsten Fehler begangen und ihm wurde daraufhin das Patent entzogen. Er arbeitete zunächst als Schiffsagent, doch vor der Geschichte der Verfehlung, die schon fast zu einer Anekdote der westlichen Seeleute, Reeder und Händler wurde, konnte er sich nicht verstecken und wann immer das Gespräch auf das unglückselige Geschehen kam, warf er sein Leben hin und zog zum nächstbesten Ort, immer weiter fort von der westlichen Welt. Mitten im Dschungel konnte Jim dann letztendlich nach einiger Zeit des Glücks seinem Schicksal nicht mehr entkommen.
Jims Geschichte wird uns von Kapitän Marlowe erzählt, der sich als väterlicher Freund Jims fühlte. Durch diese Perspektive kann man nie so wirklich ergründen, wie Jim wirklich ist, ist das, was Marlowe beschreibt, Realität oder Schönfärberei, welche Gefühle Jims nimmt er nicht wahr oder deutet sie falsch. Es bleibt der Eindruck eines seltsamen, komplizierten Menschen, den die einfacher gestrickten Charaktere einfach nicht verstehen können und der sich sicherlich auch selbst häufig etwas vormacht. Als moderner Mensch möchte man ihm zu einer Therapie raten, um sich von den negativen Geschehnissen seiner Vergangenheit zu lösen und sich selbst verstehen zu lernen.
Stilistisch empfand ich das Buch als schwierig. Beim Lesen habe ich mich immer wieder dabei erwischt, wie ich der Erzählung nicht mehr folgen konnte, meine Gedanken abschweiften und ich feststellen musste, dass mir von der letzten halben Seite nichts mehr im Gedächtnis geblieben ist. Dazwischen gab es aber auch immer wieder Stellen, wo ich das Bedürfnis hatte, die Stelle noch einmal laut zu lesen, so eindrucksvoll fand ich die Ausdrucksweise.
„Lord Jim“ zu lesen war eine interessante Erfahrung und über Jim ließe sich noch ewig diskutieren. Hellauf begeistert bin ich aber nicht, dazu musste ich mich zu oft in die Handlung zurückzwingen. Ich bin mir aber sicher, dass es ein Buch ist, in das sich Menschen verlieben können.
