Über den Maler Jan Vermeer ist heute wenig bekannt, sein heute bekanntes Gesamtwerk umfasst ca. 40 Bilder.
Tracy Chevalier erzählt dem Leser eine Geschichte zu der Entstehung des Bildes "Das Mädchen mit dem Perlenohrring", eines seiner berühmtesten Gemälde. Faszinierend ist, dass diese Geschichte so wahr wirkt, dass man der Autorin diese Idee als Realität abnimmt.
Griet, die Person auf dem Bild, kommt nach einem Arbeitsunfall ihres Vaters als Dienstmagd in das Haus Vermeers, um ihre Familie finanziell zu unterstützen. Die Arbeit ist hart und trostlos, ihre Familie kann sie nur sonntags besuchen.
Griets einzige Lichtblicke sind die Bilder ihres Herrn Jan Vermeer.
Meine MeinungDas Buch ist mehr als eine historische Geschichte.
Der Roman handelt von Griet, die in keiner Welt zu Hause ist. Für eine Dienstmagd ist sie zu intelligent, für höhere Kreise zu arm.
Ihr Intellekt und wacher Verstand erlauben es ihr spielend in die Gedanken Vermeers einzutauchen und den Maler, wie auch seine Bilder, zu verstehen. Vermeers Familie gelingt dies nicht, sieht sie in der Malerei einfach einen Broterwerb.
Durch die Augen von Griet sehen wir Vermeers Bilder entstehen. Wir lernen und verstehen zum Beispiel, dass Wolken nicht einfach weiß, sondern gelb, lila und blau sind.
Vermeer erkennt ihren Verstand und ist wohl durch ihren Geist sehr angetan von ihr. Er erklärt ihr (und nicht seiner Gemahlin) die
Camera obscura und macht Griet alsbald zu seiner Assistentin. Neben ihrer eigentlichen Arbeit als Dienstmagd mischt sie seine Farben, ohne dass die Familie Vermeer dies wissen darf.
Sehr plastisch wird das Leben, Leiden und Lieben von Griet auf diesen knapp 280 Seiten geschildert, dass es mir schon sehr ans Herz ging.
Der FilmDer Film ist eine schöne Begleitung zu dem Buch, wird zumindest durch die Bilder deutlich wie die Menschen vor gut 350 Jahren gelebt haben.
Das ist jedoch die einzige Stärke die der Film zu bieten hat. Inhaltlich stark reduziert, vermag er nicht das Innenleben von Griet wiederzugeben. Ein Film der leider nur wie eine Ölpfütze auf der Oberfläche der erzählerischen Tiefe des Buches schwimmt.