Hallo Leute jenseits von Las Vegas,
seinerzeit, zur Zeit, als das Buch bei 2001 rauskam, war es ein echter Hammer. Wir haben es rumgereicht, gelesen, uns darüber schlapp gelacht und es war gewissermaßen wirklich Ausdruck einer Zeit der Rebellion, von der heute kaum noch was zu spüren ist. Im Gegenteil die biedermeierliche Restauration in der wir momentan versinken, ich seh das an meinen eigenen Kindern, bringt für unsere damalige Durchgeknalltheit kaum noch Verständnis auf. Was damals wichtig war, war die Grundhaltung (das hatte nicht unbedingt nur mit Drogen zu tun, obwohl die durchaus mit hineinspielten) hemmungslos auf alle Autoritäten, vor allem auf die Ordnungshüter, um es Neudeutsch zu formulieren, zu pfeifen. Es gab gewissermaßen eine offene, zur Zukunft offene, Gegenwelt, die mehr bot als das, was die Generation vor uns uns als Perspektive bot und vorgelebt hatte (das waren die alten Sekundärtugenden wie Pflicht, Gehorsam und dergleichen, und das bei dem Nazi-Hintergrund, Kotz, Würg) Darauf wurde von uns seinerzeit einer und noch einer gelassen. Über allen Wipfeln war gewissermaßen was los, und wer sich nicht an diesem Aufbruch zu neuen Ufern beteiligte, war selber schuld. Das Ganze war natürlich auch äußerst fragil und wie jeder euphorisierten Phase folgte der Katzenjammer des Deutschen Herbstes 77 nach und damit war's dann vorbei.
Ich jedenfalls möchte die Zeiten von Fear and Loathing in Las Vegas jedenfalls nicht missen.
Man kann Bücher nicht nur nach seinen eigenen Bauchgefühlen (identifikatiorisch) beurteilen. Bücher wie Fear und Loathing in Las Vegas haben eine eigene Rezeptionsgeschichte, sind Ausdruck einer heute vergangenen Zeit und bedürfen von daher wohl heute einer eher reflektierenden Lektüre. Ich kann den Werther (den ersten europäischen Bestseller) auch nicht als zeitloses Dokument allein würdigen. Etwas Hintergrundwissen gehört schon dazu.
Aber genug gegonzt
geronemo