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Autor Thema: Peter Härtling - Das war der Hirbel  (Gelesen 1101 mal)

bane77

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Peter Härtling - Das war der Hirbel
« am: 05. Mai 2007, 14:02:03 »



Klappentext:
Bei Hirbels Geburt ist etwas falsch gemacht worden. Er hat oft Kopfschmerzen, dann schreit er und tut Dinge, worüber andere Kinder lachen. Seit Hirbel denken kann, wird er durch Heime und Kliniken geschoben. Dabie trifft er aber immer wieder auf Menschen, die ihn mögen.
Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis 1974

Meinung:
"Das war der Hirbel" ist ein bedrückendes Buch, es erinnert an Menschen, die abgeschoben von den meisten Menschen in Heimen leben und von deren Leben der Normalbürger nichts mitbekommt. Es ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der durch seine Behinderung, sein Anderssein überall aneckt und nirgends zu Hause ist. Keiner ist bereit auf ihn einzugehen, ihn in seinen guten Seiten zu sehen - viel leichter ist das Abschieben von Heim zu Heim.

Das Buch räumt auf mit pauschalen Urteilen wie "böse" solche Kinder sind, es stellt das Innenleben der Betroffenen dar. Viel zu leicht vergisst man, dass das Verhalten eines geistesgestörten Menschen nicht rational ist und er andere Menschen durch sein Verhalten ärgern will, sondern er vielmehr selbst fremdgesteuert von Impulsen und Schmerzen sich dem Tun hingeben muss.

Es wir auch das Verhalten der anderen Kinder im Heim geschildet, ihre Versuche den Hirbel loszuwerden, ihre Angst vor ihm. Härtling schafft es durch seine Erzählung Nähe zum Hirbel aufzubauen. Sich auf seine Seite zu stellen, das Leben aus der Perspektive des Kranken zu sehen. Es lässt hoffen, dass Kinder und auch Erwachsene nach dieser Lektüre ihr Verhalten Behinderten gegenüber überdenken und das Anderssein als dieses zu akzeptieren und wertzuschätzen.

Härtlings Buch ist schon über 30 Jahre alt, doch an Aktualität hat es keineswegs verloren. Am Ende des Buches findet sich die Aufzeichnung eines (fiktiven?) Gesprächs des Autors mit Kindern statt, in dem wichtige Fragen im Umgang mit Behinderten erörtert werden.

Meines Erachtens ist "Das war der Hirbel" ein sehr wichtiges Buch. Glückwunsch an die SZ, dass sie dieses Buch in ihre Junge Bibliothek aufgenommen hat. Sonst wäre ich wohl nicht auf dieses Buch gestoßen.

Einziger Minuspunkt den ich an diesem Buch finden konnte, ist die geringe Seitenanzahl - gerne hätte ich noch mehr vom Hirbel und seinem Leben und Denken erfahren.
 
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chil

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Re: Peter Härtling - Das war der Hirbel
« Antwort #1 am: 06. Mai 2007, 14:46:17 »

Ich teile deine Meinung vollkommen! Ich habe das Buch zum ersten Mal gelesen, als ich ca. 12 oder 13 war. Damals war es bei uns Klassenlektüre. Und dank der SZ-Junge-Bibliothek-Reihe habe ich es dieses Jahr nochmal gelesen. Die Begeisterung ist geblieben. Hirbel ist einfach einer, den man mögen muss!
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HoldenCaulfield

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Re: Peter Härtling - Das war der Hirbel
« Antwort #2 am: 06. Mai 2007, 18:50:27 »

Auch bei mir war es Klassenlektüre, damals konnte ich aber mit dem Stoff nicht viel anfangen. Vielleicht lag es daran das wir es bei einem Lehrer lesen mussten den wir alle nicht leiden konnten. Er hat das Buch mit uns nie besprochen was ich schade fand.
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bane77

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Re: Peter Härtling - Das war der Hirbel @HoldenCaulfield
« Antwort #3 am: 07. Mai 2007, 05:52:46 »

Klassenlektüren fand ich auch immer schrecklich. Es scheint wirklich so zu sein, dass Klassenlektüren nicht die Lust am Lesen fördern, sondern die Freude an Literatur zertreten. Sehr schade! :traurig:

Ich kann mich echt an kein Buch in der Schulzeit erinnern, dass ich mit Lust gelesen habe.

Finde ich ja noch schrecklicher, dass ihr das Buch nicht mal besprochen habt. Denn ich finde, das Buch lässt ein Kind schon mit vielen Fragen zurück, die es mit einem Erwachsenen erörtern können sollte. :tse:

Aber ich kann Dir echt nur raten, dass Buch doch mal zu versuchen und es aus eigenem Blickwinkel zu lesen.

lg bane
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mondy

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Re: Peter Härtling - Das war der Hirbel
« Antwort #4 am: 02. Mai 2011, 11:56:11 »

Wie bane77 kann ich das Buch nur empfehlen. Gerade weil es nicht eine schöne Glitzerwelt mit Happy-End zeigt, sondern einen Teil der Realität mit all ihren schlimmen und aber auch schönen Momenten, finde ich es so toll. Allerdings sollte man sich auch bewusst sein, dass dieses Buch auf jeden Fall Anschlusskommunikation benötigt. Sprich man sollte mit seinem Kind über den Hirbel sprechen und aufkommende Fragen, wie unangenehm sie vielleicht auch sein mögen, beantworten. Peter Härtling beantwortet zwar in einem kurzen Nachwort selbst ein paar mögliche Fragen, aber ich denke, es ist doch immer besser, wenn Kinder auch mit ihren Eltern über solche Dinge reden können.

"Das war der Hirbel" ist also kein durchweg angenehmes Buch. Es geht um einen behinderten Jungen, der sein Leben in verschiedenen Heimen verbringt, abgeschoben von seiner Mutter und der ganzen Gesellschaft. Da er sich nicht klar äußern kann, können seine Mitmenschen nur raten, was in ihm vorgeht ... wenn sie sich überhaupt soweit bemühen. Auch der Leser erfährt nicht, was in Hirbel vorgeht, aber Peter Härtling lässt immer wieder mögliche Erklräungsweisen miteinfließen. Ich finde diese Herangehensweise sehr gut geeignet, denn so muss man sich selbst Gedanken zu Hirbel machen, man beschäftigt sich fast von alleine mit kritischen Fragen. So entwickelt man ein tiefgreifendes Verständnis für Hirbel und seine Behinderung.

Das Buch bietet übrigens nicht nur schlimme Augenblicke, sondern zeigt auch die schönen Seiten in Hirbels Leben. Dennoch ist die Geschichte eher bedrückend und am Ende bleibt ein schlechtes Gefühl. Trotzdem oder gerade deswegen finde ich dieses Buch so wichtig, denn ich finde, dass auch schon unsere Kleinen sich kritisch mit unserer Gesellschaft auseinandersetzen können. Ich kann das Buch nur uneingeschränkt empfehlen und hoffe, dass es trotz seines Alters noch viele junge Leser erreicht.
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HoldenCaulfield

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Re: Peter Härtling - Das war der Hirbel
« Antwort #5 am: 03. Mai 2011, 10:41:48 »

Wenn ich so überlege hab ich das Buch damals auch nie so recht verstanden. Ich glaub ich hatte einfach keine Lust mich darauf einzulassen. Dabei finde ich Peter Härtling aus heutiger Sicht toll.
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mondy

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Re: Peter Härtling - Das war der Hirbel
« Antwort #6 am: 03. Mai 2011, 10:57:18 »

Wenn ich so überlege hab ich das Buch damals auch nie so recht verstanden. Ich glaub ich hatte einfach keine Lust mich darauf einzulassen. Dabei finde ich Peter Härtling aus heutiger Sicht toll.

Ich habe das Buch damals als Kind auch gelesen (alleine) und ich habe es damals wahrscheinlich auch nicht verstanden. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich erkannt habe, dass Hirbel behindert ist (Härtling spricht das ja nie aus) oder ob ich ihn einfach nur für ein bisschen blöd hielt. Wie gesagt, es ist für Kinder ein schwieriges Buch, über das gesprochen werden muss.
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Re: Peter Härtling - Das war der Hirbel
« Antwort #7 am: 03. Mai 2011, 10:58:55 »

Ja das auf jedenfall. Deshalb fand ich es auch so schade das unser Deutschlehrer das Buch letztendlich nie mit uns besprochen hat. Zu Mal Härtling das Thema ja sehr gut aufgreift und nicht zu moralisch ist (was mir in dem Alter in dem ich das Buch gelesen habe immer sehr negativ ins Auge gefallen ist wenn es mal in einem Buch vorkam.)
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Re: Peter Härtling - Das war der Hirbel
« Antwort #8 am: 25. Juli 2011, 11:06:05 »

Ich habe den Hirbel als Kind immer wieder gelesen. Natürlich war es traurig und bedrückend, aber trotzdem hinterließ es mich immer mit einem Gefühl - wie soll ich es ausdrücken? - der Vollendung. Es passte einfach alles. Auch ich vergebe (aus der Erinnerung)

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