Camara Laye bescheibt in diesem autobiographischen Roman seine Kindheit und Jugend, die zunächst zwischen seinen Eltern in Kurussa und seiner Großmutter und den Onkeln mütterlicherseits im Dorf Tindican stattfindet, später dann in Conakry, wo er eine weiterführende Schule besucht und bei einem Onkel väterlicherseits wohnt. Vom kleinen Jungen, der erst noch lernen muß, daß man mit Schlangen nicht spielt, über die französische Elementarschule, in der die älteren Jahrgänge die Kleinen erpressen und schlagen, über die Initiation und Beschneidung bis zu seinem guten Schulabschluß, der ihm ein Stipendium für seine weitere Ausbildung in Frankreich einbringt, verfolgt der Leser hier das Leben des Jungen Laye in den 1930er und frühen 1940er Jahren.
Wie Saltanah schon sagte, ist die Perspektive vor allem in den ersten Kapiteln streng kindlich gehalten. Camara macht kein Geheimnis daraus, was er als Kind alles nicht verstanden hat, was ihm (mehr oder weniger schweigendes) Staunen entlockt hat. Aus dieser Erzählperspektive ergibt sich natürlich auch, daß alles jenseits des kindlichen Horizontes keine Rolle in diesem Roman spielt. Veröffentlicht wurde er 1953 in Frankreich, als Camara sich noch dort aufhielt. Zu diesem Zeitpunkt war er seit etwa sechs Jahren in Frankreich, arbeitete in Nebenjobs um sein Studium zu finanzieren, da das Stipendium inzwischen ausgelaufen war, und hatte sicher eine verklärte, nostalgische Sicht auf seine ferne Heimat und seine Kindheit. Nichtdestotrotz war der Roman in Europa sehr erfolgreich, was nicht verwunderlich ist, da er ein ausgesprochen idyllisches Bild des kolonialen Afrika transportiert, zu einer Zeit, als die Unabhängigkeitsbewegungen noch kein ernstes Thema darstellten. Die fehlende politische Dimension ist Camara auch von vielen seiner afrikanischen Kollegen von Chinua Achebe bis Mongo Beti vorgeworfen worden. Das ist zwar nachvollziehbar, vor allem aus den herrschenden Bedingungen und der zeitlichen Einordnung heraus, geht aber vermutlich an Camaras Intention vorbei, daher sind diese Vorwürfe m. E. ein bißchen unfair. Gleichwohl liegt die Bedeutung des Romans wohl eher in der Rezeption, die er bis heute erfahren hat, als in der tatsächlichen, und wirklich etwas idyllisch geratenen, Darstellung der Kindheitserlebnisse, das sollte man beim Lesen vielleicht im Hinterkopf behalten.

+
Schönen Gruß
Aldawen