  | Antonio Skármeta - Das Mädchen mit der Posaune Originaltitel: La chica del trombón Aus dem chilenischen Spanisch von Willi Zurbrüggen Piper Verlag, München 2002 (Madrid 2001) ISBN 978-3492044318
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Inhalt: Die kleine Magdalena kommt 1944 in Begleitung eines Posaunisten nach Chile, wo sie im Städtchen Antofagasta von ihrem Großvater Stefano Coppeta aufgenommen wird. Der alte Mann kümmert sich rührend um das aufgeweckte Mädchen, das nie vollständig dazu gehört und keine Vergangenheit zu haben scheint. Ihr großer Traum ist es, nach New York zu gehen, und sie verfolgt diesen Traum zielstrebig und irgendwann gemeinsam mit Pedro Pablo.
Meine Meinung: Magdalena ist gerade zwei Jahre alt, als sie nach Chile kommt, und so wird Stefano Coppeta ihre wichtigste Bezugsperson. Über ihre Eltern ist wenig bekannt, ihre Vergangenheit besteht aus dem Wenigen, was sie aus den Erzählungen Stefanos erfährt, der ihr Großvater ist und wiederum nicht. Obwohl sie fast ihr gesamtes Leben in Antofagasta verbracht hat, bleibt sie eine Fremde, unter anderem deshalb, weil Stefano selbst ein Hinzugezogener ist. Die Frage nach Heimat, der Spannungsbogen zwischen fremd sein und Fuß fassen, zwischen Heim- und Fernweh zieht sich durch das ganze Buch.
Eng damit verknüpft ist die Frage der Identität. Das Spiel mit verschiedenen Identitäten beginnt harmlos mit dem Nachspielen der amerikanischen Kinofilme, die Magdalena und ihre Freunde sich mit Begeisterung anschauen. Konkreter wird es, als Magdalena sich umbenennt und den Namen ihrer vermeintlichen Großmutter annimmt. Fortan heißt sie Alia Emar Coppeta.
Ansonsten ist das Heranwachsen von Magdalena geprägt von „ganz normalen“ Dingen wie Schule und Freundschaften, doch nie fällt das Erzählte im Tonfall ab und wird zu einem Coming-of-Age-Roman. Man verfolgt den Wechsel ihrer Interessen, der jedoch von einer Konstanten geprägt ist: ihrer Sehnsucht nach New York. Irgendwann kommt die lokale Politik hinzu, in die Magdalena eher zufällig hinein gerät. Und auch in diesem Skármeta-Roman sind viele Situationen sexuell aufgeladen, was sich jedoch in die Geschichte einpasst ohne zu stören.
Häufig wird Bezug genommen auf Stefano Coppetas Geschichte, die Skármeta in
Die Hochzeit des Dichters erzählt. Bestimmt geht einiges an Lesevergnügen verloren, wenn man die vorhergehenden Ereignisse nicht kennt, daher empfiehlt sich die Lektüre des Vorgängers (auch wenn das Buch nicht zu den besten von Skármeta gehört). Es soll noch einen dritten, abschließenden Band geben, leider habe ich noch nicht herausgefunden, ob dieser bereits erschienen ist, Skármeta soll alle drei Bücher kurz hintereinander geschrieben haben. Neugierig bin ich auf jeden Fall auf den Fortgang der Geschichte.
Sprache und Atmosphäre des Buches haben mich schon nach wenigen Seiten in ihren Bann gezogen, so, wie ich es mir gewünscht oder besser erwartet habe. Und obwohl ich irgendwann einen kleinen Skármeta-Überdruß feststellen musste (ich habe beide Bücher direkt hintereinander gelesen), hat mich
Das Mädchen mit der Posaune kurzweilig und gut unterhalten. Manches, etwa gehäuft auftretende Zufälle und wundersamen Verstrickungen, haben mich während des Lesens nicht gestört, trüben aber im Rückblick den Gesamteindruck etwas.

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Viele Grüße
Breña