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Autor Thema: Antonio Skarmeta - Das Mädchen mit der Posaune  (Gelesen 677 mal)

Kenavo

  • Gast
Antonio Skarmeta - Das Mädchen mit der Posaune
« am: 02. Mai 2007, 10:49:46 »

Dieses Buch ist mein Beitrag für Chile im Projekt 'Wir lesen uns rund um die Welt'





Kurzbeschreibung
Das neue Buch des großen lateinamerikanischen Romanciers - die poetische Geschichte über die kleine Magdalena, die in den 40er Jahren in ein chilenisches Städtchen gelangt, fern der Heimat, und sich nichts sehnlicher wünscht, als ins glitzernde, reiche Amerika auszuwandern. "Das erste, was dich die Leute fragen, ist, wie deine Eltern heißen. Und wenn du ihre Namen nicht weißt, dann sagen sie, du Ärmste, so ein reizendes Ding, und so blaue Augen, und alles." Magdalena ist Vollwaise, denn ihre Eltern sind von den Nazis umgebracht worden. Irgendwie landet sie an einem Dezembertag im Jahre 1944 in Begleitung eines Posaunisten in der chilenischen Stadt Antofagasta. Hier wird sie liebevoll aufgenommen von Stefano Coppeta, dem Besitzer eines kleinen Gemischtwarenladens. Sie wächst zu einer schönen, aufgeweckten jungen Frau heran, voller Träume und Phantasie. Und ihr größter Traum, der heißt: Amerika. Dort will sie hin, nach New York, wo die Menschen ihr Glück finden. Und dann lernt sie in Santiago Pedro Pablo kennen, der von demselben Wunsch beseelt ist


Meine Meinung
In die Geschichtenwelt von Antonio Skarmeta einzutreten, bedeutet immer einen ganz besonderen Kosmos zu betreten.
Da ist zum einen immer Chile, das sich niemals aufdrängt doch ohne Zweifel eine Hauptrolle in seinen Romanen spielt, da ist auch immer Politik, die allerdings nicht mit dem großen Spruchband über der Geschichte lagert sondern dezent im Hintergrund agiert aber dennoch sehr deutlich die Einstellung des Autors widerspiegelt und da ist zum anderen natürlich seine Sprache, die er mit einem Talent und einer Finesse einzusetzen vermag, dass man eigentlich nur dankbar sein möchte, dass man das Glück hat diese Geschichte lesen zu können.

Dass einen auf den ersten Blick das Heranwachsen eines jungen Mädchens in Chile in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg bis 1970 vielleicht auf den ersten Blick nicht unbedingt interessiert – spätestens ab der 5-6 Seite ist das hinfällig. Ab da hat Skarmeta einen mit seinen Worten umgarnt und wehrlos gemacht – man will nur noch lesen und ist neben der Freude an so einer Lektüre auch etwas wehmütig – so schöne Bücher dürften nie enden.

5ratten
« Letzte Änderung: 02. Mai 2007, 12:37:57 von Kenavo »
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Breña

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Re: Antonio Skarmeta - Das Mädchen mit der Posaune
« Antwort #1 am: 30. April 2011, 20:15:21 »

Antonio Skármeta - Das Mädchen mit der Posaune
Originaltitel: La chica del trombón
Aus dem chilenischen Spanisch von Willi Zurbrüggen
Piper Verlag, München 2002 (Madrid 2001)
ISBN 978-3492044318

Inhalt: Die kleine Magdalena kommt 1944 in Begleitung eines Posaunisten nach Chile, wo sie im Städtchen Antofagasta von ihrem Großvater Stefano Coppeta aufgenommen wird. Der alte Mann kümmert sich rührend um das aufgeweckte Mädchen, das nie vollständig dazu gehört und keine Vergangenheit zu haben scheint. Ihr großer Traum ist es, nach New York zu gehen, und sie verfolgt diesen Traum zielstrebig und irgendwann gemeinsam mit Pedro Pablo.

Meine Meinung: Magdalena ist gerade zwei Jahre alt, als sie nach Chile kommt, und so wird Stefano Coppeta ihre wichtigste Bezugsperson. Über ihre Eltern ist wenig bekannt, ihre Vergangenheit besteht aus dem Wenigen, was sie aus den Erzählungen Stefanos erfährt, der ihr Großvater ist und wiederum nicht. Obwohl sie fast ihr gesamtes Leben in Antofagasta verbracht hat, bleibt sie eine Fremde, unter anderem deshalb, weil Stefano selbst ein Hinzugezogener ist. Die Frage nach Heimat, der Spannungsbogen zwischen fremd sein und Fuß fassen, zwischen Heim- und Fernweh zieht sich durch das ganze Buch.

Eng damit verknüpft ist die Frage der Identität. Das Spiel mit verschiedenen Identitäten beginnt harmlos mit dem Nachspielen der amerikanischen Kinofilme, die Magdalena und ihre Freunde sich mit Begeisterung anschauen. Konkreter wird es, als Magdalena sich umbenennt und den Namen ihrer vermeintlichen Großmutter annimmt. Fortan heißt sie Alia Emar Coppeta.

Ansonsten ist das Heranwachsen von Magdalena geprägt von „ganz normalen“ Dingen wie Schule und Freundschaften, doch nie fällt das Erzählte im Tonfall ab und wird zu einem Coming-of-Age-Roman. Man verfolgt den Wechsel ihrer Interessen, der jedoch von einer Konstanten geprägt ist: ihrer Sehnsucht nach New York. Irgendwann kommt die lokale Politik hinzu, in die Magdalena eher zufällig hinein gerät. Und auch in diesem Skármeta-Roman sind viele Situationen sexuell aufgeladen, was sich jedoch in die Geschichte einpasst ohne zu stören.

Häufig wird Bezug genommen auf Stefano Coppetas Geschichte, die Skármeta in Die Hochzeit des Dichters erzählt. Bestimmt geht einiges an Lesevergnügen verloren, wenn man die vorhergehenden Ereignisse nicht kennt, daher empfiehlt sich die Lektüre des Vorgängers (auch wenn das Buch nicht zu den besten von Skármeta gehört). Es soll noch einen dritten, abschließenden Band geben, leider habe ich noch nicht herausgefunden, ob dieser bereits erschienen ist, Skármeta soll alle drei Bücher kurz hintereinander geschrieben haben. Neugierig bin ich auf jeden Fall auf den Fortgang der Geschichte.

Sprache und Atmosphäre des Buches haben mich schon nach wenigen Seiten in ihren Bann gezogen, so, wie ich es mir gewünscht oder besser erwartet habe. Und obwohl ich irgendwann einen kleinen Skármeta-Überdruß feststellen musste (ich habe beide Bücher direkt hintereinander gelesen), hat mich Das Mädchen mit der Posaune kurzweilig und gut unterhalten. Manches, etwa gehäuft auftretende Zufälle und wundersamen Verstrickungen, haben mich während des Lesens nicht gestört, trüben aber im Rückblick den Gesamteindruck etwas.

3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

Viele Grüße
Breña
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"Natürlich kann man sein ohne zu lesen, ohne Bücher, aber ich nicht, ich nicht."  J. L. Borges