Dieses Buch, das ich in schwedischer Übersetzung unter dem Titel "Under frangipaniträdet" gelesen habe, ist mein Beitrag für
Mosambik in unserem Projekt
Wir lesen uns rund um die Welt.


Der Erzähler, ein vor Jahrzehnten ermordeter und unter einem Frangipanibaum im Hof eines abgelegenen Altenheimes weit ab von seiner Heimat begrabener Tischler, soll zu einem Nationalhelden gekürt werden. Dies gefällt ihm ganz und gar nicht und so sucht er nach einem Ausweg. Dabei bittet er das Gürteltier um Hilfe, ein Tier, das in der Mythologie dieses Teiles von Afrika als Botschafter zwischen Himmel und Erde gilt. Das Gürteltier rät ihm, in einem Mann, der bald sterben wird, Unterschlupf zu suchen. Da bietet es sich an, dass am nächsten Tag ein Polizeikommisar erwartet wird, der den vor einigen Tagen verübten Mord an dem Leiter des Altenheimes aufklären soll, und der, so sagt das Gürteltier, nur och 7 Tage zu leben hat.
Gesagt, getan - der Geist des Tischlers lässt sich in Izidines Körper nieder, allerdings nur als Beobachter. Die Aufgabe des Kommissars erweist sich schwerer als erwartet: die alten Bewohner des Heimes und die dort beschäftigte Krankenschwester erweisen sich als ebenso mitteilungsfreudig wie lügnerisch. Nach wenigen Tagen hat Izidine schon mehrere Geständnisse gehört, ist aber der Lösung des Rätsels er keinen Schritt näher gekommen. Er merkt immer deutlicher, dass die Bewohner ihn, den aus der Stadt kommenden und noch dazu in Portugal ausgebildeten Mann, nicht als ihresgleichen ansehen. Zu groß ist die Kluft zwischen den den Traditionen verhafteten Alten und dem seine Wurzeln ignorierenden, nur in die Zukunft blickenden Mann. Die Ursache dieser Kluft, so wird es im Verlauf des Romanes deutlich, ist der 20 Jahre lange Bürgerkrieg, der Mosambik nach dessen Unabhängigkeit von Portugal verwüstete.
In einer sehr poetischen Sprache vermischt Couto Realität und Traum, Wirklichkeit und Mythos, ohne deutlich auszusprechen, was denn "eigentlich" geschehen ist. Denn "eigentlich" versteckt sich hinter der Oberfläche der Geschehnisse eine zweite, weniger deutlich sichtbare, aber nichtsdestotrotz wichtige Wirklichkeit, die es zu erkennen gilt, wenn man verstehen will, worum es im Leben wirklich geht, wieso Menschen handeln, wie sie handeln und denken, wie sie denken. Ob es Izidine je gelingen wird, den Kontakt zur Vergangenheit zu finden ist nicht klar. Aber immerhin gelingt es der Seele des Tischlers, Frieden mit sich selbst und der Welt zu schließen und er kehrt zufrieden in sein eigenes Grab zurück.
Mir hat dieses dünne Buch trotz einiger Verständnisschwierigkeiten aufgrund meines fehlenden Hintergrundwissens hervorragend gefallen. Ich werde sicher weitere Bücher von Mia Couto lesen und freue mich darüber, das zwei Bücher von ihm bei mir subben.

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