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Autor Thema: Mia Couto - Unter dem Frangipanibaum  (Gelesen 1018 mal)

Saltanah

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Mia Couto - Unter dem Frangipanibaum
« am: 02. Mai 2007, 10:46:36 »

Dieses Buch, das ich in schwedischer Übersetzung unter dem Titel "Under frangipaniträdet" gelesen habe, ist mein Beitrag für Mosambik in unserem Projekt Wir lesen uns rund um die Welt.


Der Erzähler, ein vor Jahrzehnten ermordeter und unter einem Frangipanibaum im Hof eines abgelegenen Altenheimes weit ab von seiner Heimat begrabener Tischler, soll zu einem Nationalhelden gekürt werden. Dies gefällt ihm ganz und gar nicht und so sucht er nach einem Ausweg. Dabei bittet er das Gürteltier um Hilfe, ein Tier, das in der Mythologie dieses Teiles von Afrika als Botschafter zwischen Himmel und Erde gilt. Das Gürteltier rät ihm, in einem Mann, der bald sterben wird, Unterschlupf zu suchen. Da bietet es sich an, dass am nächsten Tag ein Polizeikommisar erwartet wird, der den vor einigen Tagen verübten Mord an dem Leiter des Altenheimes aufklären soll, und der, so sagt das Gürteltier, nur och 7 Tage zu leben hat.
Gesagt, getan - der Geist des Tischlers lässt sich in Izidines Körper nieder, allerdings nur als Beobachter. Die Aufgabe des Kommissars erweist sich schwerer als erwartet:  die alten Bewohner des Heimes und die dort beschäftigte Krankenschwester erweisen sich als ebenso mitteilungsfreudig wie lügnerisch. Nach wenigen Tagen hat Izidine schon mehrere Geständnisse gehört, ist aber der Lösung des Rätsels er keinen Schritt näher gekommen. Er merkt immer deutlicher, dass die Bewohner ihn, den aus der Stadt kommenden und noch dazu in Portugal ausgebildeten Mann, nicht als ihresgleichen ansehen. Zu groß ist die Kluft zwischen den den Traditionen verhafteten Alten und dem seine Wurzeln ignorierenden, nur in die Zukunft blickenden Mann. Die Ursache dieser Kluft, so wird es im Verlauf des Romanes deutlich, ist der 20 Jahre lange Bürgerkrieg, der Mosambik nach dessen Unabhängigkeit von Portugal verwüstete.

In einer sehr poetischen Sprache vermischt Couto Realität und Traum, Wirklichkeit und Mythos, ohne deutlich auszusprechen, was denn "eigentlich" geschehen ist. Denn "eigentlich" versteckt sich hinter der Oberfläche der Geschehnisse eine zweite, weniger deutlich sichtbare, aber nichtsdestotrotz wichtige Wirklichkeit, die es zu erkennen gilt, wenn man verstehen will, worum es im Leben wirklich geht, wieso Menschen handeln, wie sie handeln und denken, wie sie denken. Ob es Izidine je gelingen wird, den Kontakt zur Vergangenheit zu finden ist nicht klar. Aber immerhin gelingt es der Seele des Tischlers, Frieden mit sich selbst und der Welt zu schließen und er kehrt zufrieden in sein eigenes Grab zurück.

Mir hat dieses dünne Buch trotz einiger Verständnisschwierigkeiten aufgrund meines fehlenden Hintergrundwissens hervorragend gefallen. Ich werde sicher weitere Bücher von Mia Couto lesen und freue mich darüber, das zwei Bücher von ihm bei mir subben.
4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:
« Letzte Änderung: 17. März 2008, 06:54:22 von Saltanah »
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Aldawen

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Re: Mia Couto - Unter dem Frangipanibaum
« Antwort #1 am: 02. Mai 2007, 11:24:08 »

Über Mia Couto bin ich schon des öfteren namentlich gestolpert, aber noch ohne Leseerfahrung. Wenn ich Deine Rezi so sehe, dann sollte ich das bald ändern. Danke!

Schönen Gruß,
Aldawen
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika

WannaBe

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Re: Mia Couto - Unter dem Frangipanibaum
« Antwort #2 am: 14. September 2007, 14:10:45 »

Wie Saltanah habe auch ich dieses Buch im Rahmen unserer Weltreise gelesen. Leider hat es mir nicht ganz so gut gefallen.

Die Leiche Ermelindos liegt seit zwanzig Jahren unter dem Frangipanibaum auf der Terrasse einer Kolonialfestung in Mozambique. Die Festung dient schon lange als Altersheim und verfällt immer mehr, als das Grab geöffnet werden soll, um Ermelindo nach so langer Zeit zu einem Nationhelden zu machen. Das passt dessen ruhelosem Geist aber überhaupt nicht und so folgt er dem Rat des Halakavuma und schlüpft in den Körper des todgeweihten Inspektors Izidine, der in die Festung kommt, um den Mord am Leiter des  Altersheimes aufzuklären.

Den Anfang dieses Buches fand ich äusserst verwirrend und eine meiner Hauptfragen, nämlich warum eigentlich dieser Ermelindo ein Nationalheld werden sollte, konnte ich mir am Schluss immer noch nicht erklären. In den ersten Kapiteln verhört Inspektor Izidine die Bewohner des Altenheims und kommt mir dabei mehr als schwach und wenig durchsetzungsfreudig vor. Jeder der Alten tischt ihm ein Motiv auf, von dem man nicht weiß, ob es nur eingebildet ist oder ob wirklich etwas dran sein könnte.
Traum, traditionelle Riten und Wirklichkeit vermischen sich zu einem schwer durchschaubaren Brei. Vieles war mir einfach zu phantastisch.

Zum Schluss hin allerdings steigert sich die Geschichte doch noch und die meisten Fäden entwirren sich. Mir ist zwar klar, dass der Mordfall nur die vordergründige Geschichte in diesem Buch ist und man die Absicht dahinter erkennen muss, nämlich die Schilderung des Werteverfalls und Traditionsverlustes, aber das ist mir für so ein dünnes Buch schon fast zu viel.

Von mir gibt es grade so  3ratten
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