Dieses Buch ist mein Beitrag für
Dänemark im Projekt
'Wir lesen uns rund um die Welt'Meine MeinungWenn sich beim Lesen Glücksgefühle entwickeln - inwieweit ist dies gerechtfertigt, wenn der Inhalt des Lesestoffs eine traurige Geschichte ist?
Für mich -und was dieses Buch angeht- ist die Antwort: die Glücksgefühle sind dennoch berechtigt.
Denn hier ist ein Meister am Werk. Und es ist eine Freude ihm 'zuzusehen' - auch wenn das Schicksal seiner Protagonisten einen recht betrübt machen kann.
Aber wir befinden uns im ausgehenden 19ten Jahrhundert und die Gesellschaftsstrukturen waren damals nicht darauf angelegt, dass Mann und Frau sich individuell entwickeln, geschweige denn persönliches Glück anstreben sollten.
Eine Gesellschaft ist immer so intakt wie ihr schwächstes Glied - und Bai und seine Frau Katinka wollen sicherlich nicht schwach sein. Sie erfüllen ihre Pflicht. Dass sie dabei nicht glücklich sind, steht nicht zur Frage.
Vor der Lektüre hatte ich gelesen, dass Thomas Mann ein begeisterter Leser von Herman Bang war und dort wurde auch kurz erwähnt, dass sich deren Stile auch glichen. Was für eine Erleichterung und Freude war es für mich zu sehen, dass Herman Bang eher der Freund der knappen, kurzen Sätze ist. Er spart aus, beschreibt nicht seitenlang eine Wohnung, Stimmung, Situation - aber nichts desto trotz gelingt es ihm dennoch so viel zwischen die Zeilen zu bringen, dass man zu keinem Moment die Richtung aus den Augen verliert, in die uns der Autor führen will.
Ein Leseerlebnis der besonderen Art. Für mich war dieser Ausflug in die dänische Provinz des ausgehenden 19ten Jahrhunderts gewinnbringend und hat mich wieder etwas mit den 'Klassikern' versöhnt

