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Autor Thema: Herman Bang: Am Weg  (Gelesen 722 mal)

Klassikfreund

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Herman Bang: Am Weg
« am: 25. April 2007, 07:49:24 »

Herman Bang: Am Weg Manesse Verlag. 282 Seiten. Mit einem Nachwort von Ado Keel.



Dieses 1886 erschienene Büchlein spielt in der ländlichen Provinz Dänemarks. Der Stationsvorsteher Mathias Bai ist mit seiner Frau Katinka, die Protagonistin des Romans, verheiratet. Mehrmals am Tag sind Züge abzufertigen, ansonsten ist das Leben ruhig und beschaulich. Katinka lebt neben ihrem Mann daher, ohne dass die beiden großen Gemeinsamkeiten aufweisen. Die Liebesheirat war zu dieser Zeit nicht üblich. Glücklich ist sie in ihrem Leben nicht. So hängt sie in ihren Gedanken einem von Liebe erfüllten Leben nach. Es werden verschiedene kleine Szenen im Laufe eines Jahres "pittoresk" gemalt. Besinnliche Weihnachten, der Jahrmarkt im Sommer, das Aufflammen einer Liebe. Die Figuren sitzen in einer friedlichen Welt einfach auf einer Bank und schauen über die Landschaft. Mit knappen, genau formulierten Sätzen erzeugt Bang ein von Wehmut und Melancholie geprägtes Flair.

Das sehr gute Nachwort informiert nicht nur über die Hintergründe des Inhalts, sondern auch über den Außenseiter Bang, der am Ende seines Lebens durch Alkohol in den USA ums Leben kam. Thomas Mann und Hermann Hesse schätzten Bang.

Ein sehr schönes Buch, das sich auch als Geschenk zu Weihnachten (wegen der wunderbaren Weihnachtsszenerie) eignet. Ein Buch, auch für Leser, die mit Klassikern bisher nicht so viel anfangen konnten. Ein Meisterwerk.

Siehe auch die Besprechung in der FAZ

5ratten

Schöne Grüße,
Thomas
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Kenavo

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Re: Herman Bang: Am Weg
« Antwort #1 am: 25. April 2007, 09:55:57 »

Dieses Buch ist mein Beitrag für Dänemark im Projekt 'Wir lesen uns rund um die Welt'


Meine Meinung

Wenn sich beim Lesen Glücksgefühle entwickeln - inwieweit ist dies gerechtfertigt, wenn der Inhalt des Lesestoffs eine traurige Geschichte ist?
Für mich -und was dieses Buch angeht- ist die Antwort: die Glücksgefühle sind dennoch berechtigt.
Denn hier ist ein Meister am Werk. Und es ist eine Freude ihm 'zuzusehen' - auch wenn das Schicksal seiner Protagonisten einen recht betrübt machen kann.
Aber wir befinden uns im ausgehenden 19ten Jahrhundert und die Gesellschaftsstrukturen waren damals nicht darauf angelegt, dass Mann und Frau sich individuell entwickeln, geschweige denn persönliches Glück anstreben sollten.
Eine Gesellschaft ist immer so intakt wie ihr schwächstes Glied - und Bai und seine Frau Katinka wollen sicherlich nicht schwach sein. Sie erfüllen ihre Pflicht. Dass sie dabei nicht glücklich sind, steht nicht zur Frage.

Vor der Lektüre hatte ich gelesen, dass Thomas Mann ein begeisterter Leser von Herman Bang war und dort wurde auch kurz erwähnt, dass sich deren Stile auch glichen. Was für eine Erleichterung und Freude war es für mich zu sehen, dass Herman Bang eher der Freund der knappen, kurzen Sätze ist. Er spart aus, beschreibt nicht seitenlang eine Wohnung, Stimmung, Situation - aber nichts desto trotz gelingt es ihm dennoch so viel zwischen die Zeilen zu bringen, dass man zu keinem Moment die Richtung aus den Augen verliert, in die uns der Autor führen will.
Ein Leseerlebnis der besonderen Art. Für mich war dieser Ausflug in die dänische Provinz des ausgehenden 19ten Jahrhunderts gewinnbringend und hat mich wieder etwas mit den 'Klassikern' versöhnt  :zwinker:

5ratten
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Doris

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Re: Herman Bang: Am Weg
« Antwort #2 am: 01. Februar 2012, 14:42:32 »

Monotonie prägt den Alltag und die Ehe von Katinka Bai. Nach einer Vernunftheirat lebt sie mit ihrem Mann, der Stationsvorsteher eines kleinen Bahnhofes in der dänischen Provinz ist. Sie hat nichts und niemanden, in dem sie Wurzeln schlagen kann und lebt doch in relativer Zufriedenheit. Bis eines Tages Huus auftaucht, der nicht nur vieles verkörpert, von dem sie träumt, sondern auch Gefühle in ihr weckt, die sie vorher nie empfunden hat.

Herman Bang beschreibt in diesem kurzen Roman voller Melancholie das unerfüllte Sehnen einer jungen Frau, und obwohl er dabei eher knapp formuliert, trifft er den Kern doch sehr genau. Von außen betrachtet ist die Ehe der Bais unspektakulär, doch eigentlich besteht sie aus einer Fülle von Erwartungen, die sich die beiden gegenseitig nicht erfüllen können. Bang kratzt an dieser Hülle und bringt viele Emotionen zum Vorschein, die er trotz seiner sparsamen Ausdrucksweise sehr genau veranschaulicht.

4ratten
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sondern es ist viel, was wir nicht nützen.
Lucius Annaeus Seneca