Lackey, Mercedes - Last Herald Mage (1) - Magic's Pawn

Vanyel ist der erstgeborene Sohn eines Lords, kann es aber seinem Vater in keiner Weise recht machen. Statt Gewalt bevorzugt er Musik und Wissen, statt Kampf mit roher Gewalt lieber solchen durch Geschick. Keiner seiner Familie kann mit ihm etwas anfangen, seine einzige Verbündete, seine Schwester, muss fort. Und so wird dann auch er weggeschickt, nach Haven zu seiner Tante Savil, einem Herald-Mage.
Aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen fällt es ihm sehr schwer, anderen zu vertrauen und trotz seiner scheinbar arroganten Haltung hat er kein sehr großes Selbstbewusstsein. Doch obwohl sein Traum, eines Tages ein Barde zu werden, hier zerplatzt, bekommt er endlich die Möglichkeit, viele unterschiedliche Dinge (Geschichte, Musik, Religion) zu erlernen und erhält endlich auch vernünftiges Waffentraining, das nicht nur aus Prügeln besteht.
Außerdem lernt er Tylendel kennen, einen Herald in der Ausbildung, und findet in ihm nicht nur einen Freund, sondern einen Geliebten, einen Seelenpartner. Und auch in Savil findet er nicht die gefürchtete Tyrannin, sondern eine enge Freundin und weise Lehrerin.
Doch die nächsten Schicksalsschläge lassen nicht auf sich warten, denn Tylendels Familie, allen voran sein Zwillingsbruder, ist in eine Blutfehde verwickelt, die Einfluss auf ganz Valdemar und natürlich auf ihn und Vanyel haben wird...
Nachdem der Roman anscheinend besonders dafür bekannt ist, gleich mal vorneweg: Die Beziehung zwischen Vanyel und Tylendel fand ich sehr schön aufgebaut und beschrieben. Während Tylendel seine Neigung schon längst kennt und auch offen auslebt, begreift Vanyel erst in Haven, warum er für die Dienstmädchen, Gespielinnen etc. nie etwas empfunden hatte. Und dass sich die beiden dann hier gefunden haben, hat mir sehr gut gefallen. Der Humor kommt hier auch nicht zu kurz, denn um Vanyel nicht zu gefährden (sein Vater würde ihn sicherlich sofort irgendwo wegsperren), müssen die beiden ihre Beziehung außer vor wenigen Eingeweihten verbergen. Dabei ergibt sich so manche lustige Situation. Allerdings natürlich auch das Problem, dass Vanyel Tylendel zu beleidigen und schmähen scheint, was einigen anderen Heralds verständlicherweise wenig gefällt...
Sehr gut hat mir dabei auch gefallen, dass gerade diese Situation dann zu dem fast tödlichen Falscheindruck führt, dass Vanyel für Tylendel ja nichts empfunden haben können und im Gegenteil sogar dessen Tod zu verschulden hätte.
Wie ich gehofft hatte wird die Beziehung eher auf Basis der Seelenverwandtschaft und gegenseitiger Liebe beschrieben, als dass ständig irgendwelche Sexszenen stattfinden würden. Um die machen ich nämlich (egal welchen Geschlechts die Teilnehmer sind

) meist lieber einen Bogen, weil sie vom Autor oft nur um ihrer selbst willen eingebracht werden und nicht, weil sie passen oder etwas Wesentliches zu den Charakteren oder der Handlung beitragen würden.
Vanyels Charakter ist interessant angelegt: Auf der einen Seite in sich verschlossen und aufgrund seiner Vergangenheit bemüht, niemanden mehr an sich heranzulassen. Hier gefällt mir das Bild, an das er sich selbst dabei klammert, um sich einzureden, niemandes Meinung kümmere ihn, ausgezeichnet. Auf der anderen Seite ist er gutaussehend, was ihm sehr wohl bewusst ist. Deshalb und auch wegen erstem Punkt ist auch eine gewissen Grundarroganz vorhanden. Diesen Widerspruch fasst einer seiner Cousins am Anfang mal recht schön in Worte:
But I can't help but wonder how much he sticks that nose in the air around you lot 'cause you seem so bent on rubbin' it in the dirt.
Vanyels innere Kämpfe kamen sehr gut rüber und obwohl ich fand, dass das "Anfangstrauma" seiner Kindheit ihn noch als übertrieben zerbrechlich dargestellt hatte, kann ich seine Reaktionen bei den nachvollgenden Schicksalsschläge durchaus nachvollziehen,
denn immerhin hatten Tylendel und er eine geistige Verbindung (life-bond), bei der im Falle des Todes tatsächlich ein Teil des Selbsts zerbricht.
Auch wenn sogar ich (der ich meine Hauptcharaktere prinzipiell ja eher doch gerne leiden sehe

) zugeben muss, dass dem armen Vanyel doch eine ganze Menge zugemutet wird. Aber andererseits hat es auch in jedem Fall einen guten Grund oder eine wesentliche Auswirkung auf das Folgende, insofern kriegt der Roman hier noch die Kurve.
Die Nebencharaktere verblassen ziemlich neben Vanyel, Tylendel und Savil. Bei einem weiteren Schülerpaar von Savil, das noch mit am öftesten auftaucht und den dreien immer wieder zur Seite steht, kann ich mir weder die Namen merken, noch auseinanderhalten, wer jetzt wer war. *schulterzuck*
Das ist zwar etwas schade, aber auf der anderen Seite liegt der Hauptfokus eben auf Vanyel und seinen inneren Kämpfen, womit ich das leicht verzeihen kann.
Dafür ist Vanyels Entwicklung wunderbar ausgearbeitet. Ein Beispiel dafür ist die Beziehung zu seinem Vater: Obwohl er bis zuletzt immer verzweifelt versucht, es ihm recht zu machen, aber auf der anderen Seite weiß, dass er es nie schaffen wird, löst er sich doch aus der Rolle des Unterdrückten. So zum Beispiel als er in sein Exil aufbricht und dabei zum ersten Mal überhaupt die Oberhand über seinen Vater behält. Eine klasse Szene.
Gegen Ende gibt es dann noch eine Szene, die zum einen Vanyels Charakter unterstreicht und zum anderen einen kleinen Grundstein für eine spätere Versöhnung legt.
Als er seinen Vater mit seiner Magie erst zu Boden schleudert, dachte ich schon, dass er jetzt selbst Gewalt nutzen würde. Dass er sich aber dagegen entschließt, weil er eben doch besser ist (oder sein will) als seine Peiniger, fand ich klasse.
Sehr interessant für mich, da ich schon ein paar Valdemar-Bücher gelesen hatte, waren die Herald-Mages und die Magie an sich. Denn in späteren Bänden gibt es nur noch "normale" Heralds, keine Magier mehr unter ihnen. Insofern fand ich gerade Vanyels magische Kräfte und welche Gefahren von ihnen ausgehen faszinierend. Und die Hilfe, die sich Savil sucht, ist nicht nur für seine magische Kontrolle, sondern vor allem für seine seelische Heilung notwendig.
Außerdem finde ich die Hawkbrothers einfach klasse!

Noch eine nebensächliche Anmerkung: Der Rückentext ist ziemlich irreführend wie ich finde. Denn Vanyels magische Fähigkeiten erwachen erst recht spät im Buch, auch wenn sie und ihre Kontrolle dann einen großen Teil des Handlungsstrangs einnehmen. Ignoriert ihn am besten also einfach

Ich bin ja eine Weile zwischen 4 und 4 1/2 Ratten geschwankt, denn ich glaube objektiv könnte ich sicher noch einige Dinge an dem Buch kritisieren. Wenn ich dazu in der Stimmung wäre. Und danach suche würde.
Aber ich finde, wenn mich ein Buch schon die halbe Nacht wach hält, weil ich es einfach noch fertig lesen musste (wobei das Fertig-lesen-müssen ca auf Seite 50 oder so begonnen hatte...), dann kann ich eigentlich nicht anders:

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The Last Herald Mage1. Magic's Pawn
2. Magic's Promise3. Magic's Price