Ich bin erst durch das Buch darauf gekommen, mal über unsere Radiohörgewohnheiten nachzudenken. Als Teenie hab ich morgens AFN angemacht und abends aus - und das Programm hat mich nie genervt. Naja gut, außer der Hitparade der Hispanics, die hab idh immer abgedreht. 2 Stunden pro Woche.
Als Twen, als ich studienhalber beim Rundfunk zu tun hatten, klebte ich gleichfalls den ganzen Tag am Radio. Schlag 10 Uhr leerten sich da auch die Hörsäle, weil alles beim Asta oder an irgeneinem Autoradio dem "Frauenarzt von Bischofsbrück" lauschen musste - einem saukomischen Fortsetzungs-Hörspiel. Events wie diese Mega-Hitparaden, die sich über Wochen hinzogen, waren Kult. Ich hab in der Zeit auch einiges fürs Radio gemacht. Wortbeiträge für Kultur und Politik.
Seit Abschaffung dieses Senders (SDR3) bin ich ohne Radioheimat. Die öffentlichrechtlichen Nachfolgeorgansiationen gefallen mir alle nicht. Und die Privaten zeichnen sich großteils duch eine derartige Sackdämlichkeit aus, dass ich es kaum aushalte. Dümmliche Gewinnspiele, bei denen um 5 in der Früh die Leute angerufen und blöd belabert werden. Und der Hit bislang war dieses "Vögeln fürs Vaterland", wo ein Sender 1.000 Paare zu einer Liebesnacht in ein Hotel eingeladen hat. 1.000 Babys für Deutschland hätten das Resultat sein sollen. Hallo, geht's noch? Und die Leut waren so bescheuert und haben wie wild angerufen und sich für die Sendung beworben. Was auch brav im Radio zu hören war. Seit die Privatsender aufgekommen sind, ist es mit der Privatsphäre vorbei.
Früh um kurz nach Fünf erzählte dann der Moderator Details von seinem eigenen Fruchtbarkeitstest. Igittikotz! Es gibt Dinge, die will ich nicht wissen, schon gar nicht morgens beim Kaffee.
Mittlerweile haben wir wieder einen Sender, privat, der sich rühmt, dass bei ihnen nix Unnützes gelabert wird. Nu, so ganz stimmt es auch nicht. Der Moderator erzählt schon einiges, und wenn er nicht grad die Bandnamen falsch ausspricht, quatscht er auch gern mal was, was nicht stimmt. Ich bin einiges älter als er, an manche Ereignisse kann ich mich erinnern - und der Gatte ist - naja, war - Musiker und hat eine Elefantengedächtnis. Die Mucke ist gut, aber es fehlt an Fachkompetenz. Diese Art von Radio halte ich nicht mehr den ganzen Tag aus.
Wo sind sie denn im richtigen Leben, die Donald Kunzes, die wirklich aus Überzeugung Radio machen wollen? Ausgestorben - oder leider, leider nur Kunstfiguren!