Graham Greene – Der Stille Amerikaner

OT: The Quiet American
OA: 1955
240 Seiten
ISBN: 978-3423131292
Inhalt:Der ältere Journalist Fowler lebt schon seit einigen Jahren mit seiner jungen vietnamesischen Geliebten Phuong, in Saigon. Diese Beziehung wird durch das Auftreten des Amerikaners Pyle, Mitarbeitet einer Wirtschaftshilfsorganisation, gestört. Der Roman beginnt allerdings mit dem gewaltsamen Tod Pyles und erstreckt sich weiter in Rückblenden auf die Zeit der drei Protagonisten im, vom Krieg malträtierten, Vietnam. Private, politische und militärische Belange kommen hier ans Tageslicht und geben dem Leser ein umfassendes Bild der Zeit, vor dem Mord an Pyle.
Eigene Meinung:Steht das Wohl vieler über dem Wohl eines Einzelnen und ist genau dies die Rechtfertigung sich einzumischen? Diese Frage ist das eigentliche Hauptthema des Romans und muss letztendlich von jedem selbst beantwortet werden. Wann haben wir das Recht oder sogar die Pflicht uns einzumischen, oder sollte man sich generell aus Angelegenheiten anderer heraushalten? Interessante Fragen, die immer wieder, auf vielen Seiten des Buches zum nachdenken anregen.
Greenes Sprache ist klar und schnörkellos. Er bezieht sich auf das Wesentliche, nämlich die Geschichte zwischen den drei Protagonisten Fowler, Pyle und Phuong, der Frau, die von beiden Männern geliebt wird, jedoch mit sehr unterschiedlichen Auffassungen über die Liebe selbst. Natürlich gibt es auch Beschreibungen vom Indochina-Krieg, aber auch diese sind eher emotionslos, ohne jedoch dem Krieg seinen Schrecken und seine sinnlose Grausamkeit zu nehmen und diesen immer wieder zu hinterfragen.
Greene schreibt in der ersten Person, seine Sätze sind kurz, prägnant und klar aber trotzdem wirkt dies immer sehr distanziert. Der Erzähler gibt kaum Emotionen seinerseits preis, aber dies ist nicht von Nachteil. Ich als Leser hatte das Gefühl, drei Menschen zu beobachten, als würden sie mir auf der Straße begegnen und ich sie nicht näher kennen. Nichts desto trotz bin ich sehr neugierig, was weiterhin geschehen wird. Das Adjektiv „Still“ ist nicht nur bezeichnend für das Auftreten Pyles, sondern auch für den Roman an sich, welcher in der Tat, durch den ruhigen Schreibstil Greenes ein Gefühl der Stille vermittelt. Nichts ist laut, weder der Krieg noch die, in den einzelnen Personen existierenden, Emotionen.
Es ist ein faszinierendes Buch eines hervorragenden Schriftstellers, das auch nach einem halben Jahrhundert bewegt und welches ebenso die heutige Zeit betrifft.
Kurz um, es wird nicht der letzte Greene sein, den ich lese.

Tina