

Der Leser dieser Zusammenstellung von Feenmärchen wird mit einem Vorwort von Prof. James Sutherland, Direktor für
Sidhe Studien an der Universität Aberdeen, eingestimmt – eine schöne Idee, wie ich finde.

Darauf folgen acht Erzählungen, die sich mehr oder weniger ausführlich mit Feen und Elfen der britischen Tradition, auf jeden Fall aber mit Zauberei beschäftigen. Die ein oder andere Geschichte spielt in der Welt, die Clarke für ihren Roman
Jonathan Strange & Mr Norrell erdacht hat, eine weitere macht einen Abstecher in das Örtchen Wall, das aus Neil Gaimans
Stardust (Sternenwanderer) stammt, jedoch stehen alle Geschichten für sich und setzen die Kenntnis der Bücher nicht voraus. Ich kenne
Jonathan Strange & Mr Norrell noch nicht, das tat meinem Lesevergnügen aber keinen Abbruch, auch wenn ein Wiedersehen mit bekannten Romanfiguren bestimmt doppelt so viel Spaß gemacht hätte.
The Ladies of Grace Adieu* - Mr Strange hat hier einen Gastauftritt. Er trifft auf drei Freundinnen, die in Grace Adieu leben und sich für Magie begeistern. Und weibliche Magie sollte man nicht unterschätzen.
On Lickerish Hill – Dies ist eine amüsante Variation unseres bekannten Rumpelstilzchens, allerdings in einem gewöhnungsbedürftigen Slang geschrieben.
Mrs Mabb - Eine junge Dame versucht, ihren Fast-Verlobten zurückzuerobern, nur dass ihre Gegenspielerin nicht ganz von dieser Welt zu sein scheint.
The Duke of Wellington Misplaces his Horse - Der Duke of Wellington kommt nach Wall und muss feststellen, dass nicht überall die gleichen (Natur-)Gesetze herrschen.
Mr Simonelli or The Fairy Widower - Mr Simonelli muss gegen einen mächtigen Vertreter der Feen bestehen, wobei ihm verborgene Qualitäten sehr nützlich sind.
Tom Brightwind or How the Fairy Bridge was Built at Thoresby – Auch hier erfahren wir etwas mehr über die sprunghafte Natur von Elfen.
Antickes and Frets – Dass weibliche Magie mächtig ist, steht außer Frage, und manchmal zeigt sich dies auch in Stickereien.
John Uskglass and the Cumbrian Charcoal Burner – Der mächtige Rabenkönig trifft auf einen Köhler, der sich den Tag nicht verderben lassen möchte.
Clarke spielt mit klassischen Märchenmotiven, vor allem aus der britischen Tradition, verpasst den Erzählungen aber eine eigene Note. Ich bin nun sehr neugierig auf die Welt geworden, die sie für
Jonathan Strange & Mr Norrell erdacht hat, denn ich mag ihre Ideen und möchte mehr über ihre Vorstellung von Magie lesen. Leider hat sie sich bei der Schreibweise häufig für die altertümlichere entschieden, zum Beispiel benutzt sie ständig
shew statt
show. Für Muttersprachler mag das ein nettes Stilmittel sein, aber ich finde es auf Dauer ermüdend, obwohl ich sonst mit englischen Texten keine Schwierigkeiten habe. Ausgeartet sind die Sprachspielereien in
On Lickerish Hill, das im radebrechenden Suffolk Dialekt geschrieben wurde. Und zwar so geschrieben, wie die werte Erzählerin gesprochen hätte.
When I waz a child I lived at Dr Quince's on the other side of Likerish Hill. Sometimes in a winters-twilight I have look't out of Dr Quince's windowe and seen Likerish Hill (where the Pharisees live) like a long brown shippe upon a grey sea and I have seen far-awaie lights like silver starres among the dark trees.Unbedingt erwähnt werden muss die Aufmachung. Schon allein der Einband ist toll – graues Leinen mit aufgeprägter Schrift und Dekoration in schwarz und rosa, wobei das Buchformat etwas größer ist als normalerweise. Begeistert haben mich aber vor allem die Illustrationen von Charles Vess (der auch für die Graphic Novel Adaption von Gaimans
Stardust verantwortlich ist). Neben der Titelseite und dem Inhaltsverzeichnis hat er für jede Geschichte eine eigene Titelseite illustriert und häufig auch eine weitere Zeichnung erstellt. Beispiele und Skizzen sowie Hintergrundinformationen findet man
hier.

Viele Grüße
Breña
*Da ich die englische Ausgabe gelesen habe, belasse ich es bei den englischen Titeln - Tiefblau hat die deutschen Titel weiter oben angegeben.