SLW 2010 - Buch 6Eine Inhaltsangabe spare ich mir, das hat Aldawen schon ganz toll erledigt. Deshalb hier gleich meine Meinung zu dem Buch:
Auf den ersten Blick ist „Der schwarze Drache“ ein ganz klassischer, unaufgregter Fantasyroman: Intrigen bei Hofe, eine böse Bösewichtin, ein gefährlicher Drache und eine Gruppe von Helden (vom Typ Krieger, Magierin und naiver Jungspund), die sich auf eine unbezwingbar scheinende Queste begeben. So weit so öde, nichts ist besser geeignet, um mich ganz schnell in Tiefschlaf zu versetzen, als diese traditionellen, unoriginellen Fantasygeschichten. Noch dazu, wenn sie so vorhersehbar sind wie dieses Buch stellenweise.
Was diesen Roman – und Barbara Hamblys Romane im Allgemeinen – auszeichnet, ist der bewusste Bruch mit Konventionen und die Menschlichkeit ihrer Charaktere, die sicher nicht zufällig so weltliche Namen wie John und Jenny haben. Der Drachentöter ist ein kluger Möchtegerngelehrter, der das Ungetüm nur durch eine List bezwingen konnte und vor jedem Kampf erst seine Brille in Sicherheit bringen muss. Bei seinem ersten Auftritt steht es bis zu den Knöcheln im Schweinemist und desillusioniert unseren klassischen, naiven Helden Gareth, der im Laufe des Romans noch so einiges lernen muss.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht aber eigentlich die Magierin Jenny. Die inneren Konflikte, die sie mit sich ausficht, sind so aktuell, dass dieses Buch ein Beweis dafür ist, dass Fantasy nicht so realitätsfern sein muss, wie man ihr gerne vorwirft. Wie viele Frauen steht Jenny zwischen Familie und Karriere. Um eine gute Magierin zu sein, müsste sie jede freie Minute ihren Studien widmen. Als Mutter hat sie ein schlechtes Gewissen ihre Kinder und den Mann, den sie liebt, allein zu lassen . Widmet sie sich beidem, wird sie in allem nur Mittelmaß sein, aber aufgeben kann sie auch keine der Alternativen. Außerdem ist sie keine junge Frau mehr; wie John geht sie auf die 40 zu und sie quält der Gedanke, ihr bisheriges Leben nicht optimal genutzt zu haben. Durch ihre Entscheidung für John und die Kinder hat sie bereits wertvolle Jahre verloren und es ist bereits zu spät für sie, eine wirklich gute Magierin zu werden. Angestachelt wird dieser Konflikt durch den Bösewicht der Geschichte: Zyerne, die junge, machthungrige Magiern. Es geht in diesem Buch weniger um den Kampf gegen einen Drachen als mehr um das Finden einer Antwort auf eine Frage, für die es keine Universallösung gibt. Wie Jenny am Ende des Buches muss jeder selbst entscheiden, was ihn am glücklichsten macht.
Dankbar bin ich dem Buch auch für einen majästetisch wirkenden Drachen, der wie die Menschen in diesem Buch verschiedene Facetten in seiner Persönlichkeit aufweist und nie seine Würde verliert. Den Trend der letzten Jahre, im Rahmen dessen Drachen oft willige Reit- und Schoßtiere der Menschen geworden sind, fand ich nie sehr toll.
Die Tatsache, dass der Roman etwas tiefer geht als das 08/15-Abenteuer, das die bloße Handlung verspricht, ist die große Stärke des Buches. Seine große Schwäche ist für mich die Sprache. Ich möchte nicht behaupten, dass Hambly nicht schreiben kann, die Frau versteht ihr Handwerk, das weiß ich, aber es gab Momente, in denen ich mich förmlich gekrümmt habe. Ich bin nicht sicher, ob man einiges davon der Übersetzung von Andreas Brandhorst anlasten kann, ich will es nicht unterstellen. Oft empfand ich sie Sprache als etwas uneinheitlich, gerade in der Ausdrucksweise der Figuren. Mal simpel, beinahe modern, dann wieder ganz schwurbelig pseudoaltertümlich. Gerade letzteres kann ich gar nicht leiden, auch wenn viele Fantasyautoren und -leser diese Ausdrucksweise offenbar ganz toll finden. Noch schlimmer aber fand ich die unendlich vielen Vergleiche (manchmal 4 davon in nur drei Sätzen), die teilweise wirklich jenseits von Gut und Böse waren. Hier ein paar Kostproben:
„.... sie hörte, wie die junge Frau in einem regelrechten Krampf aus Haß und Wut obszöne und vulgäre Flüche ausstieß, die stanken wie eine Senkgrube.“ (S. 349)
„Wie der schwarze Schleim aufbrechender Eitergeschwüre zuckte ihr ganzer Selbsthass dahin wie ein heller Lichtstrahl.“ (S. 463) [Zwei in einem Satz! Wer bietet mehr...

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Man kann mir beinahe jede noch so doofe Geschichte erzählen, solange man es schafft, mich damit zu berühren und sich die Figuren lebendig anfühlen. Diese Geschichte hat mich berührt und die Figuren waren mehrdimensional und meist glaubwürdig in ihren Konflikten. Wiegt man die Stärken dieses Buches gegen seine Schwächen auf, bleibt guter Durchschnitt:

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