Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.

E-Mail: Passwort:

Autor Thema: Charles Bukowski - Den Göttern kommt das große Kotzen  (Gelesen 1903 mal)

Nichtraucher

  • Gast
Charles Bukowski - Den Göttern kommt das große Kotzen
« am: 02. April 2007, 19:45:05 »

Titel: Den Göttern kommt das große Kotzen
Originaltitel: The Captain Is Out To Lunch And The Sailors Have Taken Over The Shop
Autor: Charles Bukowski
Verlag: Kiepenheuer und Witsch
Erschienen: Februar 2006
Seitenzahl: 160
ISBN: 3462036556
Preis: 16.90 EUR



Der Autor:

Charles Bukowski wurde 1920 in Andernach geboren und lebte seit seinem dritten Lebensjahr in Los Angeles. Er begann mit 35 Jahren zu schreiben und veröffentlichte über 40 Prosa- und Lyrikbände. Er starb 1994.

Meine Meinung:
Dieses Tagebuch beginnt am 28. August 1991 und endet am 27. Februar 1993. Charles Bukowski schreibt wie immer sehr direkt, schont nichts und niemanden, vor allen Dingen nicht sich selbst und deutet immer wieder auf die Verlogenheit der heutigen Zeit. Er sagt aber auch, dass er diese Verlogenheit wie die Luft zum Atmen braucht, denn aus dieser Verlogenheit saugt er die Themen für seine Geschichten und Gedichte heraus. Das Buch wurde außerdem genial von Robert Crumb illustiert. Man muss diesen Bukowski einfach mögen. Zudem hat er wirklich was zu erzählen. Er hat sich den Blick für das Detail bewahrt, er ist nicht unbedingt der Anwalt der Benachteiligten, aber sie finden bei ihm statt und er sieht sie nicht als Ausschuss der Gesellschaft – er sieht sich vielmehr als einer von ihnen. Ein wirklich sehr lesenswertes Buch. Bukowskis Tagebuch endet mit dem Satz „Du kannst mich mal Kumpel. Und Tolstoi find ich auch nicht gut“. Er ist gnadenlos ehrlich, Mainstream und die Meinung der anderen sind ihm egal – und durch diese Einstellung haben wir unendlich begeisternde Bukowski-Prosa und Gedichte bekommen.


Gespeichert

chil

  • Fhernhache
  • Magazinteam
  • *
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 4773
    • Bücherblog
Re: Charles Bukowski - Den Göttern kommt das große Kotzen
« Antwort #1 am: 14. Oktober 2008, 22:07:00 »

Hier meine Rezi:

 Bukowskis Hauptfigur dieses Buches ist ein einundsiebzigjähriger Schriftsteller, der seine Tage auf der Rennbahn verbringt, sich abends betrinkt und seine Nächte vor dem gerade erst angeschafften Computer verbringt, wo er gleich einem Süchtigen Worte aufs Papier bzw. den Bildschirm bringen muss. Sein Protagonist lebt mit Linda zusammen, meidet aber sonst den Kontakt zu anderen Menschen, vor allem zu schreibenden Kollegen, Journalisten, Fotografen und Fans. Schließlich kann er sich nicht aussuchen, von wem er gelesen wird.

In Tagebuchform erzählt er von seinen Tagen und Nächten, die sich nicht großartig voneinander unterscheiden. Der Protagonist sinniert über den Sinn des Lebens und einen möglichen bevorstehenden Tod, lässt in Rückblicken an seinem bisherigen Leben teilhaben und gibt selbst zu, eine gestrauchelte Person zu sein, die wohl bis zu seinem Tod ein Außenseiter bleiben wird. Und nach seinem Tod wird sich jeder um seine Werke reißen.

Die Hauptfigur des Buches ist niemand anderer als Charles Bukowski selbst. Die Einträge stammen von den Jahren 1990 bis 1992 und haben alle einen fast misanthropischen Grundton gemeinsam. Tatsache ist, dass die Erzählung stark autobiografisch, wenn auch mit vielen Übertreibungen, ist und einen kleinen Einblick in die letzten Jahre Bukowskis zu bekommen.

Man muss Bukowski entweder lieben oder hassen, weil er eben nichts anderes kann, als der zu sein und darüber zu schreiben, wer er ist. Doch dieses Buch schafft es tatsächlich, mir eine neutrale Grundstimmung abzugewinnen. „Das Schlimmste kommt noch“ war mein erster Bukowski, ich war fasziniert von ihm und seiner realistischen Schreibweise und atmosphärischen Schilderung.

Dieses Buch kommt mir allerdings so vor, als würde auf 160 Seiten immer wieder dasselbe wiedergekäut. Beim ersten Lesen dieser Gedanken interessant, auf den restlichen 100 Seiten nicht mehr so richtig. Dennoch ist das Buch gut, vor allem für jene, die sich immer als Außenseiter der Gesellschaft und nie so richtig zugehörig fühlen. Super auch für die Hardcore-Bukowski-Fans. Als Einstiegslektüre würde ich dennoch ein eher romanhaftes Werk wie „Das Schlimmste kommt noch“ empfehlen.
--------------------------------------------------------------------------------

Broschiert: 158 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch (22. Oktober 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3462039474
ISBN-13: 978-3462039474

3ratten
Gespeichert

Ninette

  • Wellentänzerin
  • Magazinteam
  • *
  • Offline Offline
  • Geschlecht: Weiblich
  • Beiträge: 2419
Antw:Charles Bukowski - Den Göttern kommt das große Kotzen
« Antwort #2 am: 18. Oktober 2009, 08:59:32 »

In "Den Göttern kommt das große Kotzen" liest man von und über den, in die Jahre gekommenen, Charles Bukowski, dessen Tage fast immer gleich verlaufen.
Tagsüber ist er auf der Pferderennbahn und wettet, wobei es ihm weniger ums Geld geht.
Zitat
Dasselbe könnte ich auch zu Hause machen. Die Tür abschließen, mit Farbe herumfuhrwerken oder sowas. Aber irgendetwas treibt mich hinaus. Ich muss mich vergewissern, daß die Menschheit, oder ihr größter Teil, noch immer ein großer Batzen Scheiße ist.
Nachts schreibt er dann an seinem neuen PC seine Geschichten.
Für Menschen im allgemeinen hat er nicht viel übrig. Es ist ihm zuwieder sich mit ihnen abgeben zu müssen. Er hält die meißten Menschen für uninteressant, platt und ohne Meinung. Es gibt wenige, wie seine Frau Linda, die er nicht negativ sieht.
Besonders nervt es ihn, dass ihm viele die er trifft Honig ums Maul schmieren. Ich glaube fast er hätte es lieber, wenn ihn jemand mal eine exzentrische alte Saufnase nennen würde.

Über den Mensch Charles Bukowski kann man sich streiten. Entweder man mag seine verschrobene Art, oder eben nicht. Aber egal für welche Seite man sich entscheidet, eins bleibt Bukowski in jedem Fall: Ein ehrlicher Mensch ohne Maske und Getue.
Und Genau deshalb habe ich dieses Buch so genossen. Der ganz normale Alltag, ohne Verschönerungen und Schnörkel, teilweise auch die Abgründe eines alten Schriftstellers, der über den Tod nachdenkt und über die Menschen.

Zwischendurch war das Buch ganz schön anstrengend zu lesen, jedoch überwiegt bei mir der Respekt vor dem Menschen, der so schonungslos die Wahrheit über sein Leben preis gibt. Deshalb... 4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:



Gespeichert
"Bücher sind Spiegel: Man sieht in ihnen nur, was man schon in sich hat"
Carlos Ruiz Zafón
:lesen:
Goethe - Die Leiden des jungen Werther
Jaques Cousteau - Der Mensch, die Orchidee und der Oktopus

SLW11: 5/10, 6/10
Autoren A-Z Liste: 23/26
SuB-Wichteln: 9/22

Mein Blog