Ich muss zugeben, dass ich am Anfang auch sehr grosse Mühe hatte, etwas von dem, was ich las, zu verstehen. Nach etwa 200 Versen aber war ich schon ziemlich gut eingelesen und auch die vielen Namen, die aber immer wieder auftauchen, werden immer einfacher zuzuordnen und erlauben ein Bild des gelesenen zu gestaleten. Sehr rührend für mich sind die grossen Namen Achilleus, Agamemnon (das schönste Palindrom überhaupt) und Odysseus. Der Konflikt zwischen Achilleus und Agamemnon steht am Anfang dessen, was einen grossartigen Lauf nehmen wird. Auch einige Charaktereigenschaften, wie z.B. die Gerissenheit des Odysseus schimmern bereits hier durch.
Besonders schön fand ich in diesem ersten Gesang die Unterhaltung der Götter auf dem Olymp, wie sie diskutieren und über das Leben der Menschen entscheiden. Natürlich ist es von Vorteil, wenn man die antike griechische Kultur besser kennt und es geht einem so manches Licht im Raum der Kulturverständlichkeit der alten Griechen auf. Ich fühle mich bereits beim Lesen als kleiner Teil eines grossen Ereignisses und die Tatsache, dass ich etwas lese, dass aus dem Verständnis und der Feder der ersten abendländischen Dichter stammt, rührt mich beinahe zu Tränen.
Man darf nur nicht den Mut verlieren, auch wenn man anfänglich nicht alles versteht. Die Sprache ist sehr kunstvoll gestaltet und der Wortschatz ist teilweise ziemlich veraltet, was aber sehr zur Erzählung passt. Es kostet teilweise viel Kraft, das Gelesene zu verstehen, aber es lohnt sich. Schliesslich ist das hier ja auch keine Trivialliteratur.