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Autor Thema: Alois Prinz - Lieber wütend als traurig. Die Lebensgeschichte der Ulrike Meinhof  (Gelesen 3831 mal)

Breña

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Hallo,

da bella* nach Literatur zum Thema RAF fragte, grabe ich diesen Thread wieder aus. Ich habe das Buch vor zwei Jahren gelesen und kopiere meine Leseeindrücke von damals einfach hierher:

schnipp----

Diese Biografie hat mich über das Lesen hinaus beschäftigt, weshalb ich mir wahrscheinlich so viel Zeit genommen habe. Im Wesentlichen verfolgt Prinz die Frage, was einen Menschen zum Terroristen macht, und zeichnet dafür den Lebensweg der Ulrike Meinhof nach.

Prinz schreibt in einer klaren, eindringlichen Sprache. Dabei schildert er auch relevante Hintergründe und fügt Meinhofs Leben in den historischen Kontext ein. Sehr gut gefielen mir die zahlreichen Exkurse, in denen Prinz auf Schriftsteller, Philosophen oder Geistliche eingeht, die sich zu den Vorgängen äußerten. Dadurch werden nicht nur die Hintergründe sondern die gesamte Zeit sehr viel fassbarer.
Den Großteil des Buches widmet er der Entwicklung der pazifistischen Journalistin, Meinhofs Weg als gewaltbereite RAF Ideologin fasst er sehr viel kürzer, er lässt viel mehr Fragen offen - weil er hier selbst keine Antworten finden konnte, was er im Epilog thematisiert. Und dieses Eingeständnis macht ihn zu einem guten Biografen. Er erhebt keinen Anspruch auf das Wissen um die „wahre Ulrike Meinhof“ sondern liefert dem Leser Fakten und erwartet, dass dieser sich sein eigenes Urteil bildet. Am Ende kennt man zwar ihren Lebensweg, warum sie gerade diesen eingeschlagen hat versteht man allerdings nicht.
Irritiert hat mich, dass Prinz im Prolog seine persönlichen Erfahrungen bei der Recherche beschreibt. Wirklich störend fand ich dabei, dass er manchen Ereignissen vorgreift, die sich natürlich in der Chronologie wiederholen. Mir hat hingegen sehr gut gefallen, dass den Kapitelüberschriften auch ein kurzes Zitat beigefügt war, das den Inhalt auf den Punkt bringt.
Insgesamt schafft Prinz die Gratwanderung, das Handeln der RAF weder zu verurteilen noch gut zu heißen. Trotzdem fehlte mir manchmal der kritischere Blick auf Meinhof, statt nur immer verstehen zu wollen.

Habe im Nachhinein gesehen - es ist ein Jugendbuch! Und wurde 2004 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Das erklärt den einen oder anderen Kritikpunkt und macht es definitiv nicht zu einem schlechteren Sachbuch.

---schnapp

Viele Grüße
Breña
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"Natürlich kann man sein ohne zu lesen, ohne Bücher, aber ich nicht, ich nicht."  J. L. Borges

Annabas

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Hallo miteinander,

ich habe das Buch von Alois Prinz als Hörbuch "gelesen" und war sehr beeindruckt. Prinz beschreibt sehr ausführlich das Leben von Ulrike Meinhof, auch aus der vor-RAF-Zeit, das ist sehr interessant.
Ein wenig fehlte mir auch die Antwort auf die Frage, warum Meinhof den Weg zur RAF gegangen ist bzw. warum sie dabei geblieben ist. Aber vermutlich gibt es darauf keine Antwort.

Ich kann das Buch sehr empfehlen, es ist auch eine Art spannender Geschichtsunterricht zum Deutschland der Nachkriegszeit.

Grüße von Annabas  :winken:
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