Veronika hat mit 21 eine unglückliche Kindheit mit einem trinkenden Vater hinter sich, war in der Frankfurter Hausbesetzerszene zugange und arbeitet nun mit schwererziehbaren Jugendlichen. Und sie ist auf der Suche nach einem Sinn im Leben, hat schon einiges ausprobiert und traf schließlich bei einem Seminar eine Nonne, die sie faszinierte.
Nach einem Kurzaufenthalt im Kloster kehrt sie eines Tages dorthin zurück, das Wichtigste in zwei Koffer gepackt, und erklärt, dass sie in den Konvent eintreten möchte. Ihren Freunden fällt es schwer, für diesen Schritt Verständnis aufzubringen. Selbst ein befreundeter Priester rät ihr davon ab, doch Veronika hat ihren Entschluss gefasst und legt nach Postulat und Noviziat eines Tages die ewigen Gelübde ab.
Der Weg dorthin ist nicht einfach und vom ersten Tag an von Selbstzweifeln geprägt. Veronikas eher rebellischer Natur widerstrebt ein strikter Gehorsam zutiefst, was öfter zu Spannungen zwischen ihr und manchen Schwestern führt, doch sie lernt auch einige lebenskluge, eigensinnige und witzige Nonnen kennen und versucht, in der Gemeinschaft ihren eigenen Platz zu finden.
Abgesehen davon, dass die Beweggründe, warum Veronika ins Kloster eingetreten und geblieben ist, ein wenig schwammig bleiben und für mich nicht hundertprozentig nachvollziehbar dargestellt sind, ein schönes Buch über das Leben in einem Nonnenkloster und ein interessanter Blick hinter die Mauern der Klausur, insbesondere auch lesenswert für Menschen, in deren Köpfen Nonnen von früh bis spät fromme Lieder singen und dabei Priestergewänder besticken.
Diese altmodische Art von Frömmigkeit gibt es natürlich auch in Veronikas bayerischem Kloster, doch mindestens genauso viele Schwestern stehen auch mit Schleier und Habit mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen. Besonders die alte Obstgärtnerin Paula mit ihrem Hang zu wüsten Traktorfahrten, die in ihrer rheinischen Geradlinigkeit nie ein Blatt vor den Mund nimmt, ist mir beim Lesen sehr ans Herz gewachsen.
Man begleitet Veronika durch ihre "Klosterjahre", wie der Untertitel sagt, vom Eintrittstag bis zu dem Tag, an dem sie das Kloster freiwillig eines Mannes wegen verlässt, und erhält in humorvollem und freimütigem Ton einen ziemlich spannenden Einblick in ihre Gedanken und Gefühle. Veronika ist sicher keine typische tiefgläubige Nonne und vielleicht nicht ganz repräsentativ für das Gros der Ordensfrauen, aber ihr Bericht wirkt sehr authentisch und verzichtet auf angenehme Art auf Vorurteile und Wertungen. Die große Auseinandersetzung mit Glaubensfragen findet man hier sicher nicht, doch das ist auch nicht das Anliegen des Buches, das ich sehr gerne gelesen habe. Nur am Schluss ging es auch für mich ein bisschen sehr schnell.
