Meine Meinung:Leider konnte ich mit diesem Roman nicht richtig warm werden. Ein Familiengeschichte der etwas anderen Art, zeitlich auf mehreren Ebenen verschachtelt und in einem distanzierten, unterkühlten Plauderton erzählt - mich konnte das nicht mitreissen. Dabei haben die Figuren durchaus mein Interesse geweckt, allen voran Joseph, der Kriegheimkehrer, der das Lagerleben in Russland so verinnerlicht hat, dass er von bestimmten Verhaltensmustern ein Leben lang nicht mehr ablassen wird und sich außerdem mehr den Tieren als den Menschen zuwendet. Oder Katharina, seine Frau, deren Verbindung zu ihren Vorfahren eine große Rolle spielt und bei der die Grenzen zwischen Wirklichkeit und ihrer krankhaften Phantasiewelt mehr und mehr verwischen.
Der Krieg mit seinen ganzen Begleiterscheinungen ist unglaublich zynisch dargestellt, was über manche Stelle ganz gut hinweghilft, manchmal aber für mich auch zuviel des Guten war. Daneben gibt es recht skurrile und erheiternde Szenen, die ich sehr gelungen fand und die erstaunlicherweise recht gut in die Geschichte passen.
Mit der sprunghaften Erzählweise des Autors bin ich nicht sehr gut zurechtgekommen; auf mich hat der Roman zeitweise wie die Ansammlung von Anekdoten gewirkt, die nur lose miteinander in Verbindung stehen. Der rote Faden in der Geschichte wird erst am Ende richtig deutlich, ich hätte mir gewünscht, dass dies früher passiert. Ich denke, sollte ich den Roman ein zweites Mal lesen, werde ich mehr Freude daran haben. Beim ersten Mal konnte er mich jedenfalls nicht überzeugen.
