Hallo,
ich bin mittlerweile bei
Kapitel XIII Kampf im Knast angelangt.
Es ist fast nicht nachzuvollziehen, wie ein intelligenter Mensch wie Ulrike Meinhof, sich in solch einem Realitätsverlust verrennen kann.
Es gab bis jetzt einige Dinge die mich haben den Kopf schütteln lassen:
Das Ausbildungslager der El Fatah.

Das kamen mir Bader-Meinhof und Co. wie kleine Kinder auf dem Abenteuerspielplatz vor. Sorry, aber was anderes fällt mir dazu nicht9 ein. Ebenso die Einstellung zu Polizisten; das jeder Polizist ein Schwein ist, egal ob im Dienst oder privat. Wie krank ist denn das? Wenn wir keine Polizei und keine Gesetze hätten, dann hätten wir hier Anarchie. Andreas Bader hat wohl den größten Sprung in der Schüssel. Dieser Typ hatte ja noch nicht einmal politisch Motive oder erreichbare Ziele. Der wollte einfach nur Stunk. Wie ein verwöhntes Kind, dem langweilig ist und dem es Spaß macht andere zu schikanieren. Wenn das nicht gelingt, dann wird um sich gehauen.
Was mir nicht in den Kopf geht; wie die Wandlung der Ulrike Meinhof eigentlich im Detail vor sich ging. Am Anfang des Buches, konnte ich sehr viel Gedanken von ihr nachvollziehen und sogar teilweise verstehen und mir hat immer ihre überlegte, aber auch sehr direkte Art gefallen und trotzdem stand sie fest hinter ihrem Pazifismus. Wie wird aus solch einem intelligenten Pazifist eine Terroristin? Das fand ich schade, dass dies bei dem Buch nicht mehr herauskam, aber ich glaube, dass die Recherchen so schon nicht sehr einfach waren.
Geschockt hat mich, dass Ulrike einfach so ihre Kinder hinter sich ließ. Es ist ihr nicht leichtgefallen, aber sie hat sie trotzdem nach Sizilien geschickt mit völlig zugedröhnten Aufpassern. Mir taten Regina und Bettina so Leid.
Wie paranoid diese ganze Bande war, sieht man ja daran, dass sie gar nicht mehr Ursache und Wirkung sehen. Warum handelt denn die Polizei so? Warum schießt sie? Sie schießt nicht auf Sonntagspaziergänger, sondern auf Menschen, die diesen Polizisten absoluten Hass und Verachtung entgegenbringen und die selbst bewaffnet sind. Muss man sich da wundern, dass die Polizei reagiert? Nein, genauso wie ich keinerlei Mitleid habe, wenn ein Geiselnehmer erschossen wird. Wenn man Geiseln nimmt, dann muss man damit rechnen, dass man erschossen wird. Das ist ein zu erwartendes Risiko.
Ich finde dieses Buch ausgesprochen interessant. Mir tut Ulrike einfach nur Leid, weil sie ein so schönes Leben mir ihren Kindern hätte haben können. Sie hatte einen Beruf, ein schönes zu Hause und sehr viele Freunde, die sogar noch später hinter ihr stehen. Sie hat all die wertvollen Dinge des Lebens, Liebe, Freundschaft, Vertrauen und Humor weggeworfen.
Ich habe das Gefühl, die RAF ist an einem Punkt angelangt, an dem sie merken, dass sich die Bundesrepublik nicht erpressen lässt. Um sich nicht einzugestehen, dass man mit Worten nichts erreicht, wird mit Gewalt das Scheitern des eigentlichen Unterfangen überspielt. Einfach verletzter Stolz. Kindisch, aber gefährlich da absolut Unzurechnungsfähig und Irre.
Tina