Hi!
Ich hatte mir Erdsee auf die SLW-10-Liste gesetzt, um diese Leselücke zu schliessen.
Inhalt:
Der junge Ged, eigentlich ein Ziegenhirte, besitzt eine grosse magische Begabung und wird deshalb zunächst vom alten Zauberer Ogion und später dann auf der Zaubererinsel Rok zum Magier ausgebildet.
Während dieser Ausbildung öffnet Ged, angestachelt von einem Mitstudenten, einen Riss zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten. Das bereitet ihm in der Folge eine Menge Probleme und wird ihn zeitlebens belasten.
Meine Meinung:
In dem Buch, das ich gelesen habe, sind die vier Erdsee-Romane «Der Magier von Erdsee», «Die Gräber von Atuan», «Das ferne Ufer» und «Tehanu» enthalten. Man könnte jeden Roman einzeln lesen, aber es empfiehlt sich zumindest, die Reihenfolge einzuhalten.
Jeder der vier Romane steht für sich und es gibt verschiedene Hauptcharaktere aus verschiedenen Teilen der Fantasiewelt Erdsee. Was den Romanen gemeinsam ist, ist eine gewisse Gemütlichkeit. Es gibt sehr wenig Action und kaum je Hektik. Die Leute haben und nehmen sich Zeit für ihre Queste und ich hatte nach jedem Buch das Gefühl, dass eigentlich gar nicht viel passiert sei. Das hängt damit zusammen, dass die Geschichten sehr linear erzählt werden und es keine komplizierten Verwicklungen mit Plänen, Gegenplänen und Plänen hinter den Plänen gibt.
Statt einen mehr oder weniger komplizierten Plot aufzubauen, hat die Autorin ihre Aufmerksamkeit ganz den Charakteren gewidmet und gibt dem Leser Zeit (und Material), die Leute kennen zu lernen. Dabei entstanden schöne und lebendige Porträts, die einen guten Teil zu einem schönen Leseerlebnis beitrugen. Daneben ist Ursula K. Le Guin eine gute Geschichtenerzählerin/Märchentante. Ich hatte beim Lesen öfter den Gedanken, dass sich ihre Erdsee-Romane ganz hervorragend zum Vorlesen vor dem Kamin an einem Winterabend eignen würden. Trotzdem sind über 900 Seiten Gemütlichkeit auch nicht immer ganz einfach zu ertragen und genau deswegen kommt das Buch nicht auf die Liste derjenigen, die ich irgendwann nochmal lesen möchte. Dafür war letztlich schon ein bisschen wenig Fleisch am Knochen.
Eine Anmerkung noch zum letzten Band, «Tehanu», der deutlich später als die ersten drei erschien (nämlich 1990, während der Rest aus der Zeit von 1968 bis 1972 ist). Ich habe keine Ahnung, was da in die Autorin gefahren ist, aber offenbar hatte sie grade einen akuten Feminismus-Anfall. Tenar, eine ältere Frau, steckt in einer Identitätskrise, da der Mann gestorben und die Kinder ausgezogen sind. Immer wieder sinniert Tenar darüber nach, wie ungerecht das Leben für die Frauen in Erdsee ist und was die Männer doch für ungehobelte, böse und frauenfeindliche Kreaturen sind. Schön und gut, wenns denn so wäre. Schliesslich führt Tenar ein extrem unabhängiges Leben und kann tun, was sie möchte. Das Gejammer und immer wieder die Feststellung, dass die Männer die Frauen nicht ernst nehmen – also bitte, das ist in ihrem Fall auf recht hohem Niveau geklagt und für mich kaum nachvollziehbar. Zumal Tenar sich zwar der Ungerechtigkeiten bewusst ist, aber keinerlei Initiative zeigt, etwas dagegen zu tun. So schlimm kanns also nicht sein und den Lesern die Botschaft von den bösen Männern mit dem Vorschlaghammer einzubleuen, hat wenig Stil.
Fazit:
Fantasy für Entschleunigte. Gut erzählt, ohne allzu grosse Längen.
6 von 10 Punkten.