Hallo Zusammen,
Mit den Büchern von Murakami ist es bei mir immer so: wenn ich an das letzte Buch denke bin ich immer total hin und weg und wenn ich dann ein neues Buch von ihm anfange, bin ich erst enttäuscht weil ich nicht sofofrt wieder in eine wunderbare Welt eintauche. Ds dauert immer eine gewisse Zeit, bis das neue Murakami Buch mich in seinen Bann zieht.
Ja, das geht mir auch manchmal so. Ich habe mal in einer Phase mehrere Bücher hintereinander weg gelesen, da hat es auch ein bißchen gebraucht, bis die Distanz abgebaut war und die Nähe zur Murakami-Welt hergestellt.
Genau dem möchte ich auf die Spur kommen: was genau sie ausmacht, die Murakami Welt.
Soweit ich weiss ist Wilde Schafsjagd ja der Vorgänger zum Tanz mit dem Schafsmann, welches mein erstes Buch von Murakami und das bis jetzt auch fantstischste war, dass ich von ihm gelesen habe.
Genau. Tanz mit dem Schafsmann ist die Fortsetzung. Genau genommen gibt es auch noch zwei (?) Vorgänger-Romane, in denen der Ich-Erzähler mitspielt, wenn ich das richtig im Kopf habe. Mindestens einen. Die sind aber (aus welchem Grund auch immer?) nicht ins Deutsche übersetzt.
Das Ohrenmodell, hat mich sofort an Tanz mit dem Schafsmann erinnert. Das Gespräch zwischen dem Erzähler und dem Model begründet eigentlich schon am Anfang des Buches, wieso ich Murakami so mag. Als wäre es das normalste auf der Welt, unterhalten die zwei sich über Ohren und darüber, die Ohren zu blockieren - wahnsinn.
Ja.

Diese unglaubliche Selbstverständlichkeit, mit der er solche Sachen glaubwürdig und sozusagen realitätsecht erschafft. Man glaubt alles, sofort, und eigentlich muß man noch nicht mal einen echten Schritt von der Realität in die Fantasiewelt nehmen.
Zwar fängt das Buch relativ ruhig und "normal" an, aber spätestens mit dem Auftauchen des Ohrmodels und dem wunderbaren Dialog, der sich zwischen ihr und dem Ich-Erzähler im Restaurant entwickelt, wächst es über eine einfache Beschreibung der Zeit hinaus.
Genau das sehe ich auch so. Vor allem den letzten Satz. Das ist ohnehin seltsam, dass man bei aller Fremdheit der Kulturen so nah dran ist an diesem Helden und seiner Innenwelt:
die unterschwellige Traurigkeit des (ebenso wie alle anderen) namenlosen Ich-Erzählers trifft mich voll ins Herz.
Aber das macht ja nach gemeinhin einen sehr guten Roman aus, dass er über das bloß zeitliche hinausweist. Neben anderen Dingen natürlich.

Irgendwie überraschen mich diese Parallelen
Gerade deshalb wollte ich das Buch unbedingt noch mal lesen- um da genauer hinzuschauen bei den Parallelen. Beim ersten lesen war ich ziemlich "absorbiert".
Ich bin tierisch gespannt was es mit dem Schaf auf sich hat und werde deshalb jetzt noch ne Runde Französisch büffeln und dann weiterlesen.
Da hätte ich eine Frage: ich lese das Buch ja zum zweiten Mal. Ich werde nichts vorab verraten, aber wie wollen wir es denn mit dem "Spoilern" halten? Ich kann ja erst mal alles Spoilern, was ich an konkretem, inhaltsbezogenem schreibe?
das bekannte Murakami-Feeling 

Gruß
Wolfgang