InhaltLaura Gottberg ist sich unsicher: Soll sie ihren Kindern von ihrem Freund in Italien berichten? Ist es überhaupt schon eine erwähnenswerte Beziehung, die sie mit Angelo Guerrini aufgebaut hat, oder doch eher nur ein Techtelmechtel? Und warum benimmt sich ihr Sohn Luca in letzter Zeit überhaupt so komisch?
In all diese Überlegungen platzt jedoch ein neuer Fall und die familiären Probleme werden (zunächst) einmal zur Seite gelegt. Denn am Münchner Hauptbahnhof wird im Eurocity aus Rom die Leiche einer jungen Frau gefunden. Keiner weiß, wer sie ist oder wo sie herkommt. Und genauso ergeht es der Polizei mit einem Verletzten, der nicht weit entfernt auf den Schienen gefunden wird: keine Hinweise auf seine Identität, noch dazu hat der Unbekannte sein Gedächtnis verloren. Laura Gottberg steht vor einem Nichts, denn wie soll sie ohne jegliche Anhaltspunkte den Fall lösen? Und wo, zum Teufel, steckt eigentlich schon wieder ihr Sohn?
Erster SatzSchwerer Nebel lag über der Stadt, war bis in die Bahnhofshalle gekrochen, umhüllte Menschen, Züge und Leuchtreklamen, ließ sie zu geheimnisvoller Unschärfe zerfließen.Meine MeinungEigentlich kann ich SheRaven in allen Punkten nur zustimmen. Wer hier einen actiongeladenen Krimi sucht, wird enttäuscht werden, denn Laura Gottberg löst ihre Fälle auf eher ruhige und gefühlvolle Art. Natürlich gibt es trotzdem alles, was zu einem guten Krimi gehört: geheimnisvolle Morde, versteckte Hinweise und verdächtige Personen.
Aber auch das Privatleben der Hauptkommissarin spielt eine große Rolle und wird gleichberechtigt neben den Fall gestellt. Laura Gottberg ist also nicht nur in ihrem Beruf für den Leser sichtbar, sondern auch als Mutter, Tochter und Freundin. Meiner Meinung nach eine gute Sache, man fühlt sich der Person einfach näher und kann sich in ihre Handlungsweisen besser einfühlen. Außerdem gibt es nicht nur bei der Aufklärung der Mörde einiges zu erleben, sondern auch bei ihr zu Hause, so dass es selten langweilig wird. Okay, wenn sie zum 10. Mal überlegt, ob sie ihren Kindern von ihrem italienischen Freund erzählen soll, rollt man vielleicht schon kurz die Augen. Aber dafür erfährt man auch alles andere aus ihrer Gedankenwelt und fühlt sich ihr verbunden.
Der Fall kommt natürlich trotzdem nicht zu kurz. Man trifft auf allerlei interessante Personen, sowohl Deutsche als auch Italiener (wir erinnern uns: der "Mordzug" kam aus Rom). Und man vermutet richtig: natürlich kommt Laura auch beruflich wieder mit Angelo Guerrini zusammen und sie ermitteln gemeinsam. Hier vermischt sich berufliches und privates Leben, auch wenn die Kommissarin verzweifelt versucht, es getrennt zu halten. Allgemein fand ich Lauras Vertuschungsversuche, was ihre Beziehung zu Guerrini angeht, etwas anstrengend. Keiner darf wissen, was sie für den Italiener empfindet, nicht mal Angelo weiß so richtig, woran er ist. Dieses "auf Abstand halten" von Laura lässt sich durch ihre Vergangenheit (siehe "Die lange Nacht der Stachelschweine") erklären, trotzdem finde ich ihre Panik vor offenen Gefühlen etwas nervig.
Besonders reizvoll an dem Krimi ist die unterschwellige Stimmung: der Nebel taucht immer wieder auf, man kann nur schwer etwas erkennen, weder gedanklich noch im realen Leben. Auch die Krähen tragen zu dieser Atmosphäre bei, dieses Motiv zieht sich durch das ganze Buch und regt zum Nachdenken an.
Insgesamt ein eher ungewöhnlicher, leiser Krimi, der einem liegen muss.

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