Als Nicht-Science-Fiction-Leserin habe ich die Leserunde auf leserunden.de zum Anlass genommen, dieses Genre mal zu versuchen. Hier meine Rezi von dort:
Sehr skeptisch bin ich an die Sache herangegangen und wurde auch gleich zu Anfang erschlagen von den vielen technischen, futuristischen und das Universum betreffenden „Vokabeln“. Viele Fremdwörter musste ich nachschlagen und mich erst mal schlau machen und aufklären lassen über den Weltraum mit seinen Galaxien, etc. da ich mich vorher nie dafür interessiert habe und auch entsprechend wenig wusste. Schade eigentlich, denn je mehr ich darüber nachgeschaut habe, desto mehr hat es mich interessiert und fasziniert und ich werde jetzt im Nachhinein mich noch ein bisschen schlauer über Sonnensysteme & Co. machen, wobei ich bei einigen Fakten auch nicht in die Tiefe gehen kann und will, da es bei mir, was die Physik betrifft, auch irgendwann Schluss ist. Aber das nur nebenbei.
Was das Buch betrifft, habe ich irgendwann den Rat der anderen Leserundenteilnehmer angenommen und einfach mal mehr hingenommen, auch gerade dann, wenn es weniger um Fakten als um die fantasievollen futuristische Beschreibungen ging. Musste ich mich am Anfang noch sehr konzentrieren, teilweise einzelne Passagen zwei- oder dreimal wiederholen, ließ es sich plötzlich richtig flüssig lesen.
Der Autor hat mit seinem Schreibstil und seinen Beschreibungen des Weltalls tolle Bilder und Filme im Kopf erzeugt und einen gefühlsmäßig schweben, fallen und staunen lassen, aber auch bis an die Grenzen des Vorstellbaren gebracht, so das sich im Kopf alles Mögliche verknotete. Mit Valdorian, einer extrem egoistischen Person, der es nur darum ging, dem eigenen Tod zu entfliehen , hat der Autor eine Hassfigur geschaffen, wie ich sie lange nicht mehr kennen gelernt habe. Wenn es nicht so schrecklich wäre, könnte man sich ja fast darüber freuen, dass er selbst noch von anderen, den Temporalen, für deren Zwecke ausgenutzt wurde, ohne dass er es merkte.
Diese Temporalen sind in der Zeit festgesetzt und wollen durch Manipulation wieder heraus, um ihren Zeitkrieg fortzusetzen. Die Kantaki, insektenartige Geschöpfe, haben diese (unter anderen) dort isoliert. Die Kantakie sind faszinierende Geschöpfe, bewegen sich überwiegend außerhalb des Zeitstrom und erlangen dadurch relative Unsterblichkeit, das Ziel Valdorians. Gegenpart zu Valdorian ist Lidia, die er früher gerne als sein Eigentum betrachtet hätte, die sich aber für ein Leben als Kantaki-Piloten entschieden hatte, wodurch sie selbst ein ewiges Leben führen kann und die er jetzt, kurz vor seinem Tod, zur Rettung seines eigenen Lebens benutzen möchte. In vielen Rückblicken werden die Entwicklungen Lidias und Valdorians sowie die Manipulationen der Temporalen deutlich. Gleichzeitig verfolgen wir Valdorians gegenwärtigen Wettlauf mit der Zeit und erfassen so nach und nach wie alles miteinander verknüpft ist. Dies alles spielt sich in einem faszinierenden und sehr komplexen Universum ab, dessen Chronologie schon eine komplizierte Geschichte für sich ist und in dessen Erschaffung unheimlich viel Arbeit stecken musste.
Ich konnte wider Erwarten sehr gut in diese fremde Welt eintauchen, auch wenn mich viele Beschreibungen, gerade wenn es um unterschiedliche Dimensionen, Parallelwelten, Geschwindigkeiten, Entfernungen oder auch gerade um die Zeit ging, oft schwindelig machten. Besonders die Zeit und ihre Eigenschaften, wie sie hier in dem Buch dargestellt wurden, sind fast nicht zu fassen, aber dafür um so faszinierender.
Und nicht zu vergessen war das Buch so spannend, dass man es manchmal nur schwer zur Seite legen konnte. Ich habe ja keinen Vergleich zu anderen Büchern des Genres (kann also nur einseitig urteilen), kann aber von meiner Seite her sagen, dass ich für das Lesevergnügen trotz Startschwierigkeiten die volle Rattenzahl geben kann.
So, und jetzt habe ich kein Fremdgenre mehr

Also aus dem Bauch raus und ohne Vergleich:
