Die Erzählerin des Buches ist Blue van Meer, eine sechzehnjährige Schülerin, die nach dem Unfalltod ihrer Mutter, einer New Yorker Society-Schönheit mit einer Passion für Schmetterlinge, mit ihrem Vater kreuz und quer durch die USA gezogen ist. Gareth van Meer, Professor der Politikwissenschaft, nimmt hier und dort für wenige Monate Gastprofessuren an, was für Blue ständige Schulwechsel bedeutet. Auf den langen Fahrten zwischen den alten und neuen Wohnorten bringt er ihr Gedichte und Prosaliteratur nahe und sensibilisiert sie für seine Leidenschaft, einen großen Wortschatz.
Für das High-School-Abschlussjahr nimmt der Vater für ein ganzes Jahr eine Stelle an, damit Blue ungestört ihren Schulabschluss machen kann. Noch vor Schuljahresbeginn treffen die beiden beim Einkaufen die faszinierende Hannah Schneider, die sich als Lehrerin an der exklusiven St.-Gallway-Schule entpuppt, die Blue in diesem Jahr besuchen wird. Um sich geschart hat sie ein Grüppchen von fünf Schülern, die von den anderen die "Bluebloods" genannt werden, sie treffen sich an den Wochenenden zum Essen bei Hannah, führen rege Diskussionen und bilden einen elitären kleinen Zirkel, in den auf Hannahs Wunsch auch Blue Aufnahme findet, wenn auch gegen den Widerstand der Bluebloods.
Auf einer Kostümparty bei Hannah kommt es zu einem merkwürdigen Todesfall, ein Partygast ertrinkt im Pool - und noch vor Ende des Schuljahres ist auch Hannah tot, erhängt, offenbar Selbstmord.
Doch Blue glaubt nicht an einen Suizid und versucht für sich alleine, Klarheit zu schaffen ...
Eins vorweg: ich kann gut nachvollziehen, was manche Leser an dem Buch gestört hat - wahrscheinlich viele der Punkte, die ich gerade mochte.
Die Erzählweise ist sehr ausschweifend, schlägt zahlreiche kleine Volten, man muss auch die Marotte mögen, dass Zitate, Anekdoten und Ereignisse gerne mit Quellenverweisen auf existierende oder fiktive Bücher versehen werden. Zwischen Blue und ihrem Vater hat sich eine Art Familien-Codesprache eingebürgert, die Gareths Sichtweise der Welt widerspiegelt, auch das fand ich sehr amüsant.
Dadurch, dass der Vater ihr einziger Fixpunkt in ihrem Vagabundenleben ist, hat Blue kaum dauerhaften Kontakt zu Gleichaltrigen, aber einen riesigen Wort- und Allgemeinwissensschatz, den sie gerne am Rande der Erzählung einfließen lässt. Ein wenig klugscheißerisch vielleicht, aber sympathisch, abgesehen davon, dass Einsprengsel auf Deutsch und Französisch oft fehlerhaft sind.
Einen Teil ihrer Recherchen nach Hannahs Tod hätte man ein wenig kürzen und straffen können, da gingen mir dann die Verweise auf fiktive Websites auf die Nerven. Danach kam allerdings eine Wendung, die mir den Atem stocken ließ und mich für die restlichen 150 Seiten noch mal förmlich an das Buch gekettet hat (bis zum doch recht abrupten und für mich nicht ganz zufriedenstellenden Ende).
Sehr gut gefallen hat mir auch das Inhaltsverzeichnis - jedes Kapitel ist mit einem Buchtitel überschrieben, und das Inhaltsverzeichnis trägt den Titel "Required Reading" und ist nach dem Muster einer Lektüreliste für Oberstufe oder Uni gestaltet.
Eine verrückte, leicht abgedrehte Geschichte, sicher nicht jedermanns Sache, aber bis auf die erwähnte Länge zwischendurch genau nach meinem Geschmack.
