Ich habe das Buch neulich auch gelesen und habe einen komplett anderen Eindruck als Annabas. So unterschiedlich sind die Geschmäcker!

Mir hat das Buch nämlich ausnehmend gut gefallen. Frauenliteratur bin ich sonst immer etwas abgeneigt, meistens finde ich die Hauptperson naiv, nervig und anstrengend. Die Personen aus diesem Buch jedoch haben mich überzeugt, ich konnte mit ihnen fühlen und mir ihre "Geschichte" lebhaft vorstellen. Interessant dabei finde ich übrigens, dass ich immer bei Emmi mit im Zimmer saß, nie bei Leo. Ich saß an Emmis Computer und habe E-Mails von Leo empfangen, konnte mir ihre Umgebung super ausmalen. Leos Leben hingegen blieb für mich nur aus den Mails erschließbar, über ihn machte ich mir fast keine Gedanken. Anscheinend stellt man sich automatisch auf die Seite der Figur, mit dem eigenen Geschlecht, zumindest ich.
Dabei war mir Leo eigentlich sympathischer. Er war eher der ruhige, konstante Part, der ziemlich schnell seine Gefühle offenlegte. Während Emmi (okay, sie ist ja auch vergeben) ziemlich lange nur Bestätigung braucht und eine kleine Auszeit von ihrer Ehe. Beide Positionen kann ich nachvollziehen, ich weiß selbst, wie schnell sich Gefühle über reinen Internetkontakt aufbauen können.
Ebenfalls nachvollziehbar fand ich die meisten Reaktionen der beiden. Okay, Emmi ist nicht unbedingt die Frau, die ich als beste Freundin haben möchte, sie ist sehr von sich überzeugt und nutzt Leo zunächst nur, um sich ein besseres Gefühl zu verschaffen. Aber gut, solche Leute gibt es und innerhalb dieser Rolle schien sie mir recht logisch (bzw. eben nicht wirklich logisch) zu handeln.
Jedenfalls habe ich das Buch innerhlab eines Tages verschlungen und der Schluss hat mich (obwohl ich ihn ja schon kannte) erstmal ganz schön geschockt, ich fand ihn aber trotzdem sehr gut. Mal schauen, ob ich den zweiten Teil noch lese, ich befürchte ein Aufbrühen der alten Geschichte. Da würde ich dann doch lieber dieses Ende bevorzugen ... es muss ja nicht immer ein Happy End geben.

+
