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Autor Thema: Daniel Glattauer - Gut gegen Nordwind  (Gelesen 8468 mal)

Kati

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Re: Daniel Glattauer - Gut gegen Nordwind
« Antwort #75 am: 27. Juni 2010, 16:14:14 »

So, ich habe es auch endlich gelesen.
Es war schön, aber nicht berauschend. Emmi hat manchmal zu komische Ansichten für meinen Geschmack.
Für nette Sonntagsunterhaltung mit stimmigen, aber gemeinem Ende gibt es:

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Noble Scarlet

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Re: Daniel Glattauer - Gut gegen Nordwind
« Antwort #76 am: 08. Januar 2011, 18:05:03 »

Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer


Inhalt: Gibt es in einer vom Alltag besetzten Wirklichkeit einen besser geschützten Raum für gelebte Sehnsüchte als den virtuellen? Bei Leo Leike landen irrtümlich E-Mails einer ihm unbekannten Emmi Rothner. Aus Höflichkeit antwortet er ihr. Und weil sich Emmi von ihm angezogen fühlt, schreibt sie zurück. Bald scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann es zum ersten persönlichen Treffen kommt, aber diese Frage wühlt beide so sehr auf, dass sie die Antwort lieber noch eine Weile hinauszögern. Außerdem ist Emmi glücklich verheiratet. Und Leo verdaut gerade eine gescheiterte Beziehung. Und überhaupt: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?

Daniel Glattauer beschreibt in seinem Roman "Gut gegen Nordwind" wie sich zwei Menschen virtuell ineinander verlieben können. Emmi Rothner und Leo Leike schreiben sich fast täglich, manchmal stundenlang E-Mails und warten stets sehnsüchtig auf eine Antwort des anderen. Anfangs wollen sie nicht voneinander wissen, wie sie aussehen. Besonders Leo beharrt darauf Emmi nur als eine "Fantasiegestalt" vor sich sehen zu wollen. Irgendwann wird ein Treffen jedoch zum Gesprächsthema. Beide fragen sie sich, ob ihre Gefühle füreinander einer Begegnung standhalten könnten. Beide wollen sie sich unbedingt treffen und gleichtzeitig wollen beide genau dieses Treffen unbedingt vermeiden.
Ansich ist "Gut gegen Nordwind" eine nette Lektüre für zwischendurch. Es liest sich rasch, ist flüssig und mit einer guten Prise Humor gewürzt. Einige der E-Mails haben mich wirklich zum Lachen gebracht. Trotzdem fehlt mir einiges in diesem "Liebesroman". Die Idee einer reinen E-Mail Korrespondenz finde ich sehr gut, auch wurde das ganze toll umgesetzt. Doch mir fehlen ganz einfach die Emotionen. Immer und immer wieder schreiben Emmi und Leo von ihren Gefühlen, immer und immer wieder werden sie explizit erwähnt. Aber fühlen kann ich als Leserin sie nicht. Es "knistert" einfach nicht zwischen den beiden Charakteren. Sie tauschen sich vorallem über belangloses aus. Das kann natürlich auch seinen Reiz haben, aber irgendwann wurden mir dieses ewige "ich will jetzt doch wissen wie du aussiehst" "ach, jetzt doch wieder nicht" einfach zu viel. Ich dachte immer wieder: "Trefft euch endlich! Macht schon! Los! Jetzt!" Aber natürlich kam es nicht dazu. Und das war dann doch ziemlich enttäuschend, immer wieder.
Auch wenn die Idee der Geschichte ansich grandios ist, die Charaktere wirken flach, sie haben keine Tiefe. Man erfährt nicht viel über ihre wahren Gefühle, über ihr Innenleben. Dabei wäre genau das spannend an einer solchen Geschichte.
"Schreiben Sie mir, Emmi. Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Ich muss zugeben, dass ich dieses Zitat aus dem Buch sehr, sehr schön und gelungen finde. Nur leider, konnte ich diese "Küsse" zwischen den Charakteren nicht fühlen.
Und auch das Ende der Geschichte war sehr gemein und hat mich eher wütend, als befriedigt zurückgelassen.

Noch einmal zusammenfassend: Ansich ist es eine tolle Geschichte, die sich schnell zwischendurch lesen läst. Leider sind die Charaktere nicht das, was ich mir vorgestellt hätte. Die "Emotionen" werden mir hier nicht genug rübergebracht. Für mich "funkt" es einfach nicht zwischen Emmi und Leo. Und ich weiss auch nicht ob ich das Buch als "...einer der zauberhaftesten und klügsten Liebesdialoge der Gegenwartsliteratur..." (Umschlagtext) bezeichnen würde. Ein Dialog ist es zweifelsohne. Klug ist es auch, manchmal sogar sehr klug (siehe das Zitat, das mir so gefällt :)) ). Aber zauberhaft fand ich es leider gar nicht und einen wirklichen Liebesdialog sehe ich da leider auch nicht.

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Hannah

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Re: Daniel Glattauer - Gut gegen Nordwind
« Antwort #77 am: 14. Januar 2011, 10:00:50 »

Ich hätte mir "Gut gegen Nordwind" nicht unbedingt selbst gekauft,  habe das Buch aber von Freunden geschenkt bekommen und den gestrigen Abend (+ einen Teil der Nacht) dieser Geschichte gewidmet.

Insgesamt habe ich das Buch großteils überflogen, was nicht unbedingt ein gutes Zeichen ist. Die ersten paar Mails fand ich noch ganz interssant, dann kam jedoch ziemlich schnell Langeweile auf. Ich habe weder zu Emmi noch zu Leo so richtig Zugang finden können und wenn ich jetzt so darüber nachdenke, interessiere ich mich dann doch mehr für Bernhard  :spinnen:

Kurz nach der Hälfte des Buches wurde es für mich etwas spannender, ich habe wieder genauer gelesen und etwas mehr Anteil der an der Geschichte genommen. Obwohl ich kein wirkliches Intersse für die beiden Figuren entwickeln konnte, fand ich es schön wie unterschiedlich beide Charaktere sind (und schreiben) und was für eine Abhängigkeit sie voneinander entwickeln. Diese Abhängigkeit vom "Pling" einer neuen eingehenden Nachricht kann ich nachvollziehen.

Gegen Ende, nach den Bernhard-Mails, hat mich die hin und her Schreiberei ganz schön genervt.
Das Ende selbst finde ich zwar traurig, aber es ist eine Variante die ich wirklich gut und richtig und schön finde. Es ist übrigens die einzige Stelle, die mich wirklich berührt hat.

Einen Roman in E-Mail-Schriftwechsel-Form zu lesen war für micht etwas völlig neues und es bleibt das Gefühl von "Schön das mal gemacht zu haben."
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Muertia

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Re: Daniel Glattauer - Gut gegen Nordwind
« Antwort #78 am: 08. Januar 2012, 22:31:35 »

Titel: Gut gegen Nordwind
Autor: Daniel Glattauer
Seiten: 223
Verlag: Deuticke im Zsolnay Verlag (33. Auflage 2006)


Über den Autor: (von Amazon.de)
Daniel Glattauer, geboren 1960 in Wien, seit 1985 als Journalist und Autor tätig, seit 1989 für die Tageszeitung "Der Standard" (Gerichtsreportagen, Feuilletons, Kolumnen)

Der erste Satz:
Betreff: Abbestellung
Ich möchte bitte mein Abonnement kündigen.

Meine Meinung:
Ich weiß leider nicht mehr, wie ich zu diesem Buch gekommen bin. Nur noch, dass es seit einer gefühlten Ewigkeit auf meiner Wunschliste steht. Zum Inhalt brauche ich nicht mehr viel zu schreiben, es geht um einen Roman in E-Mail Form. Hierdurch lesen sich die 223 Seiten in einem Haps weg (große Abstände zwischen den Mails und Kapiteln).

Das Buch hat durchaus einen Sog auf mich ausgeübt, denn ab einem gewissen Zeitpunkt wäre es gar nicht in Frage gekommen, es zur Seite zu legen. Nein, ich wollte schon wissen, ob sich Leo und Emmi nun endlich treffen oder nicht und wie sie sich dann finden. Abgesehen von dieser zentralen Frage geschah ... nichts. Ich hatte das Gefühl, dass die beiden sich immer wieder im Kreis drehten bei bestimmten Themen. Immer wieder beschloss der eine oder die andere, dem jeweilig anderen fortan nicht mehr zu schreiben und natürlich machten sie trotzdem weiter. Und immer wieder ging es um das Thema Treffen. Dabei kann ich nicht mal behaupten, dass mich das Büchlein nicht gut unterhalten hätte. Die Sprache war schon sehr gut durchdacht. Allerdings glaube ich nicht, das "echte Menschen" tatsächlich so schreiben würden, wie es Leo und Emmi getan haben. Es wirkte dann doch zu gekünstelt. Das Ende fand ich für den Leser übrigens höchst unfair.

Fazit: Ein nettes Leseerlebnis mit Schwächen, das absolut neugierig macht auf den Nachfolger.

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Viele Grüße
Muertia
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:lesen: Rebecca Gablé - Der dunkle Thron
SuB: 6 (+16 bereits bestellte Bücher, um den SuB mal ein wenig aufzuwerten)