Huhu!
Die Meinungen hier sind ja eher gedämpft. Trotzdem habe ich dieses Buch mit Freude und Genuss in den letzten paar Tagen verschlungen, nachdem ich eine Lesung von Daniel Glattauer besucht habe, in der er den Leo der Fortsetzung gelesen hat und die Hörbuchstimme die Emmi E-Mails gesprochen hat. Ich glaube, diese sympathische Stimme hatte großen Einfluss darauf, wie ich Emmis E-Mails wahrgenommen habe, weil ich beim Lesen immer diese Hörbuchstimme im Kopf hatte.
Zur Geschichte selbst kann ich nur sagen, dass stimmt, was die meisten hier sagen: Ja, es dreht sich ab der Mitte oft im Kreis, was aber nur verständlich ist, da die Charaktere selbst sich einfach nicht sicher sind, was sie eigentlich wollen. Sind sie nun verliebt ineinander? Kann man das überhaupt sein, wenn man - wie Emmis Mann so schön sagt - doch nur die Illusion des anderen Menschen kennt, dessen Fehler und Mangel an Perfektion man leicht ausblenden kann, weil er ja doch nur in Form von Buchstaben auf dem Bildschirm existiert?
Da ich selbst im zarten Alter von 14 Jahren ein E-Mail Romanze hatte, weiß ich, dass solche Fragen durchaus realistisch sind und dass es gar nicht so einfach ist, sich selbst so abhängig vom "Sie haben Post" Geräusch des eigenen Computers zu machen.
Was mir persönlich am besten gefallen hat war die Schlagfertigkeit Emmis und die schönen Formulierungen Daniel Glattauers an sich. Man merkt ihm den Standard-Kolumnisten doch stark an. Die Art wie er schreibt sagt mir sehr zu - aber das ist natürlich völlig subjektiv und könnte für andere Leser gerade ein Negativpunkt sein. Emmis E-Mails sind zwar weniger künstlerisch formuliert, dafür aber umso amüsanter und frecher, was mir Emmi als Charakter sehr zugänglich gemacht hat, bin ich doch selbst eher frech und offen.

Leo fand ich zetweise etwas langweilig, aber ich konnte doch immer nachvollziehen, was Emmi immer wieder zu ihm zieht. Er beherrscht seine Sprache, keine Frage, etwas, dass ich sehr erotisch an einem Mann finde, und er weiß auch genau, wie weit er gehen kann, damit sich Emmi nicht zu sicher fühlt, damit sie doch immer ein kleines bisschen eifersüchtig ist und um seine Gunst buhlen muss.
Im Grunde spielt sich hier das völlig normale Chaos der ersten Verabredungen mit eventueller späterer Verliebtheit ab - nur eben per E-Mail. Ich stimme euch auch dabei zu, dass dies auf jedenfall ein gemütliches Buch für zwischendurch ist (vorzüglich für Nächte, in denen der Nordwind bläst

), das man schnell weglesen kann.
Ich fand es jedoch gut genug, dass ich mich sehr auf die Fortsetzung freue und auch an Daniel Glattauer als Schriftsteller (nicht nur als Zeitungskolumnist) dran bleiben werde.

Liebe Grüße,
Wendy