Hallo allerseits

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auch ich bin schon fleißig und fasziniert am lesen. Ich sehe es wie Mara: dieses Buch muss man genau und voll konzentriert lesen, denn innerhalb von nur einigen Seiten, oder gar einigen Sätzen kann viel wichtiges geschehen, das nicht überlesen werden darf.
[…]sie wurden alt und konnten es Theodor nicht verzeihen, dass er nicht seine Pflicht, als Leutnant und zweimal im Heeresbericht genannter Held zu fallen, erfüllt hatte. Ein toter Sohn wäre immer der Stolz der Familie geblieben.
Ja, traurig ist die Haltung von Mutter und Schwestern Theodor gegenüber schon. Andererseits: denkt er nicht eigentlich auch so? Er genoß das Leben in der Armee, wo er seinen festen Platz hatte, kommt in der Nachkriegszeit gar nicht zurecht und hat weder ein Lebensziel noch Lebensfreude. Er würde natürlich am liebsten als Held leben, aber als Held gestorben zu sein würde er vielleicht seinem Leben als unbedeutender Null vorziehen.
Und außerdem: was "bringt" dieser Sohn/Bruder ihnen denn? Er ist eine Null, was sie ebenso deutlich erkennen wie er, und ihre Haltung ist zwar herzlos aber doch irgendwie verständlich. Als Familienversorger ist er nicht erfolgreich, seelische Unterstützung können sie von ihm nicht erwarten und er gibt ihnen keinen Grund, stolz auf ihn zu sein.
Vieles in seiner Beschreibung hat mich schockiert und traurig gemacht. Ein bisschen tut er mir auch leid, wie er da so ohne echtes Selbstbewusstsein steht. Dieses bezieht er nur aus seiner Stellung, und da die nicht vorhanden ist, ist auch "er selbst", seine Persönlichkeit nicht vorhanden. Und da es ihm an Persönlichkeit fehlt, sind seine Chancen, sich eine Position selbst aufzubauen minimal. Und natürlich beneidet und hasst er alle die, die über mehr (charakterliche, gesellschaftliche oder finanzielle) Ressourcen verfügen. Er ist darauf angewiesen, in eine bestehende Ordnung aufgenommen zu werden. Welche das ist, ist zweitrangig.
Nun war Theodor Mitglied einer Organisation, einer Gemeinschaft, deren Namen er nicht kannte, einen Buchstaben wusste er nur und eine römische Zahl (...)
Anzunehmen ist, dass ihm die Ziele der Organisation ebenfalls nur schwammig bekannt sind. Aber das stört ihn nicht weiter, denn jetzt hat er einen Platz aus dem er Selbstbewusstsein beziehen kann und er verschreibt sich mit Leib und Seele dieser Organisation. Der perfekte Befehlsempfänger ist er, dem es nie einfallen würde, einen Befehl zu hinterfragen.
Die Geschehnisse des 2. Kapitels haben mich ehrlich gesagt schockiert. Oder eigentlich nicht die Ereignisse an sich, sondern die offene, deutliche Schilderung derselben. Dies hatte ich in einem Buch das vor gut 90 Jahren geschrieben wurde, einfach nicht erwartet. (Andererseits kenne ich zu wenig andere Literatur der Zeit und weiß nicht, wie ungewöhnlich die Schilderung von (homo)sexuellen Handlungen in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg war.) Armer Theodor! Aber auch hier zeigt sich seine Befehlsausführmentalität. Er kommt ja nicht einmal auf die Idee, nein zu sagen, oder sich zu wehren, sondern lässt - der andere ist ja ein Prinz

- alles über sich ergehen.
4. & 5. Kapitel:
Er "ist" wieder wer (zumindest seiner eigenen Meinung nach), was sich gleich in Verhalten und Aussehen niederschlägt. Und das bisschen Macht, dass er nun besitzt, nutzt er gnadenlos. Gelungen und erschreckend zugleich der Vergleich mit einer Spinne, die sich gleich auf ihr Opfer stürzen wird (5. Kap.). Wo es sich bisher um eine arme Socke gehandelt hat, kommt jetzt eine unangenehme Figur zum Vorschein, vor der sich alle weniger mächtigen zu recht fürchten müssen.