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Autor Thema: Laurence Sterne - Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman  (Gelesen 3178 mal)

sandhofer

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Re: Laurence Sterne - Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman
« Antwort #15 am: 21. Juni 2007, 14:36:30 »

Ich glaube, man könnte Tristram Shandy viel mehr und auch viel leichter genießen, wenn es die einzelnen Bücher auch einzeln zu kaufen gäbe und nicht in einem Band zusammengefasst.

Versuch doch mal, die Erstausgabe von 1759ff zu erhalten. Da hast Du die einzelnen Bücher noch separat ...  :zwinker: :breitgrins:
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Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

Klassikfreund

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Re: Laurence Sterne - Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman
« Antwort #16 am: 21. Juni 2007, 14:45:30 »

Auf deutsch gibt es die Bücher ebenfalls getrennt antiquarisch zu kaufen. Siehe meine Besprechung.

Zwar nur als Taschenbuch, aber die sind nett gemacht. Die gebundenen deutschen 9 Bände sind bei Haffmans erschienen und zu horrenden Preisen antiquarisch erhältlich.

Gruß, Thomas
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mondpilz

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Re: Laurence Sterne - Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman
« Antwort #17 am: 21. Juni 2007, 18:43:14 »

Ich könnte auch einfach immer nur eines der Bücher aus der Gesamtausgabe lesen, wenn ich sie schon habe... :hm:
Aber wieso billig, wenn's auch teuer geht?  :breitgrins:

lg,

mondpilz
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Demgemäß wird man, im Ganzen, finden, dass Jeder in dem Maße gesellig ist, wie er geistig arm und überhaupt gemein ist.

Schopenhauer

finsbury

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Re: Laurence Sterne - Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman
« Antwort #18 am: 30. Januar 2008, 21:27:17 »

Hallo,

im Rahmen meiner Weltlesereise war "Tristram Shandy" meine zweite Station, die ich bereits im letztjährigen Spätsommer begann, aber nun erst beendete.

 Laurence Sterne:  Das Leben und die Meinugen des Tristram Shandy , Gentleman

Ein zentrales Werk der englischen Literatur, hier meine Stellungnahme:

Inhalt:
Der „Roman“, der zwischen 1759 und 1767 in einzelnen Büchern erschien, beschäftigt sich in seiner Haupterzählachse mit den Ereignissen und Gesprächen auf dem Landgut des Sir Walther Shandy.  Zu Beginn des Romans erwartet die Familie unmittelbar die Geburt des Titelhelden … und tut dieses weiter über mehrere hundert Seiten. Nach der Hälfte des Romans ist Tristram endlich geboren, erfährt im letzten Drittel im Alter von fünf Jahren seine unfreiwillige Beschneidung und kommt am Ende gar nicht mehr als Romanfigur  vor,  aber als Erzähler.
Ja, was ist eigentlich der Inhalt?  Die Lust am Erzählen, an der Satire und Kritik der zeitgenössischen Literatur und insbesondere der virtuose Umgang des manchmal  personalen, manchmal auctorialen Erzählers mit dem Leser.  Der Erzähler nutzt dezidiert  jede Chance zu einer Abschweifung, macht sich z.B. über den Enzyklopädismus der Aufklärung lustig, indem er quasi wissenschaftliche Abhandlungen ausgedachter Geistesgrößen einschaltet – wie zum Beispiel Slawkenbergius‘  Ausführungen über die Nase nebst illustrierender Erzählung.
 Eine große Rolle spielt neben dem Vater Tristrams – dem schwafelnden Sir  Walther, der jeden Anlass zu exzessiven Verbalergüssen nutzt – dessen Bruder Sir Toby, der in den spanischen Erbfolgekriegen an delikater Stelle verletzt wurde und nun sein weiteres Leben mithilfe seines treuen Dieners Trim der Theorie und dem Modellbau von Festungen und deren Belagerungen widmet . Onkel Toby ist eine der liebenswertesten Figuren der Romanliteratur – von grundlegender Naivität und großem Herzen gekennzeichnet.   Daneben spielen weitere Figuren eine Rolle, neben dem wunderbaren Trim die Dienerinnen, Sir Walthers stets zustimmende Ehefrau, mit der er höchst einseitige Abendgespräche, genannt „Bettgerichte“  führt, der unangepasste und scharfsinnige Pfarrer Yorick und der Quacksalber Slop, der mithilfe seiner Geburtzange den bedauernswerten Tristram verunstaltet.

Meine Meinung:
Es hat lange gedauert, bis ich diesen Roman bewältigt habe: Es gibt eben keine eigentliche Handlung. Man muss sich diesem Erzähler und seinen Abschweifungen ergeben und das Ganze eher als eine höchst kunstvolle Kabarettnummer ansehen, die einen durch den Kosmos der Literatur und Populärphilosphie des 18. und der vorvergangenen Jahrhunderte führt.  Erst nach der Hälfte ist dies  bei mir so richtig „angekommen“ und dann hat das Lesen großen Spaß gemacht. Selbst in der Übersetzung ist die Virtuosität dieses Wort- und Gedankenakrobaten  jederzeit präsent.  Er spielt gerne mit der Prüderie seiner Leserschaft und hält sowohl  diffizile als auch deftige sexuelle Anspielungen wärend des ganzen Romans parat, ist dabei  aber niemals peinlich, sondern immer witzig. Bei Sir Toby, Trim und Yorick schimmert unter aller Satire eine tiefe Menschenfreundlichkeit und  Anteilnahme durch seine Darstellung: Diese Romanfiguren werde ich kaum vergessen.

Fazit:
Das Werk hat sich mir nicht ohne Mühe und sicherlich nur zu einem Bruchteil erschlossen, aber dieser Teil  ist mir jede Mühe wert!

HG
finsbury


« Letzte Änderung: 03. Februar 2008, 06:54:54 von finsbury »
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Klassikfreund

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Re: Laurence Sterne - Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman
« Antwort #19 am: 18. Juli 2008, 10:35:11 »

Hallo,

ich bringe diesen Thread wieder hoch, da ich nun das komplett gelesene Hörbuch gehört habe.



Laurence Sterne: Tristram Shandy. Gelesen von Harry Rowohlt.

Ich bringe die Rezi hier und nicht bei den Hörbüchern, da es mir innerlich widerstrebt, hier zwei Threads parallel zu führen.

Rowohlt hat eine äußerst prägnante Stimme, die nicht für jedes Buch geeignet ist. Sterne palavert über neun Bände und genau dies vermittelt Rowohlt äußerst gekonnt. In der damaligen Besprechung der FAZ meinte man gar das Hörbuch des Jahres auszumachen. Vor allem wenn Rowohlt die lateinischen und französischen Stellen zitiert, ist man nie gelangweilt, auch wenn man KEIN Wort versteht! Im Buch überblättert man und liest den Kommentar mit der Übersetzung. Der Witz Sternes wird in dieser Lesung deutlich und macht in den ersten Bänden viel Spaß. Aber wie auch schon bei der Lektüre, lässt die Originalität später nach, die neun Bände oder hier 23 CDs ziehen sich doch etwas. Daher auch für das Hörbuch nicht die Höchstpunktzahl:

4ratten

für die Interpretation gibt es jedoch die volle Punktzahl.

Der Preis für das Hörbuch ist natürlich recht hoch. Knapp 100,- EUR ist schon happig. Man schaue auf Ebay etc. Ich habe seinerzeit 55,- EUR für ein originalverpacktes Exemplar gezahlt, ob man das heute noch realisieren kann, weiß ich nicht. Solche Hörbücher kauft man am besten immer kurz nach dem Erscheinen, dann gibt es mehrere Angebote und auch Amazon hat einige Zeit lang nicht den UVP genommen. Optisch ist das Hörbuch im Regal auch ein Genuss. Die CDs jedes Bandes in eigener Verpackung, die auch noch mit hübschen Fotos und Zeichnungen gestaltet sind. Ganz großes Lob an den Verlag Kein & Aber.

Schöne Grüße,
Thomas
« Letzte Änderung: 18. Juli 2008, 10:44:14 von Klassikfreund »
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Gronauer

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Re: Laurence Sterne - Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman
« Antwort #20 am: 20. Oktober 2008, 13:02:12 »

Dieses Buch ist der perfekte Schlüssel zum Verständnis des Monty-Python-Humors, denn es handelt von der ersten bis zur letzten Seite ausschließlich von something completely different. Meine Lieblingspassage ist übrigens die mit den großen Nasen, dicht gefolgt von der Verfluchung des Obadiah...
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Wenn ich mich durchsetzen will, erfinde ich  Einstein-Zitate...Das Erschreckende ist: es funktioniert!

sandhofer

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Re: Laurence Sterne - Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman
« Antwort #21 am: 20. Oktober 2008, 18:00:50 »

So sehr ich die Monty-Python mag ... aber Sterne spielt dann doch noch in einer ganz andern, weit höheren Liga ...  :winken:
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Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

Vult

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Re: Laurence Sterne - Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman
« Antwort #22 am: 22. Oktober 2008, 10:18:23 »

Hallo in die Runde,

für mich ist Laurence Sternes -  Tristram Shandy, das fundamentale "Grundwerk" des Humors überhaupt. Zugegeben, es ist nicht einfach zu lesen, es ist auch nicht immer verständlich und streckenweise etwas langatmig, aber dafür entschädigt der einmalig geniale Humors Sternes für diese kleinen Durststrecken.

Sterne schuf in seinem wohl einzigartigen Werk unvergesslich skurrile und auch sehr eigenwillige Gestalten, wie es wohl nur "Engländer" können, einzige Ausnahme hier vielleicht der (unser) unsterbliche Jean Paul.

Ein Buch, das für mich schon immer zu meinen "Kopfkissenbüchern" gehört. Auf viele Bücher könnte ich verzichten, auf den Tristram Shandy niemals.

Liebe Grüße

Vult
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Gronauer

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Re: Laurence Sterne - Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman
« Antwort #23 am: 23. Oktober 2008, 12:12:46 »

Keine Frage, Sandhofer, aber die Spielregeln sind ähnlich.
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