Ist es nicht so, dass ein Übersetzer eher von einer Fremdsprache in seine Muttersprache übersetzt? Damit das Ganze eben nicht in Geschäftskarten und Neujahrsabende ausartet?
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Aber ich denke, als Übersetzer sollte man sich vor allem genug Zeit (und ein diiiiickes Wörterbuch) nehmen, damit die Übersetzung ans Original zumindest heranreicht.
Als Übersetzerin (2 ganze Bücher, 50-80 Prospekt / Kataloge, ungezählte technische Texte) möchte ich dazu meinen Senf abgeben:
Die Verlage nehmen in der Regel den billigsten Anbieter bzw. einen Übersetzer, der bereits mehrere Werke für diesen Verlag übersetzt hat, ohne größere Schwierigkeiten zu machen. Vor allem die großen Verlage legen mehr Wert auf den Preis und die Schnelligkeit als auf die Qualität. Die Berufsbezeichnung "Übersetzer" ist nicht geschützt, d.h. jeder, der glaubt eine Fremdsprache zu beherrschen, darf seine Dienste als Übersetzer anbieten. Kaum jemand (weder Verlage noch Firmen) will wissen, welche Qualifikation jemand hat. (Ich selber habe eine staatliche Prüfung abgelegt).
Mein erstes Buch mußte ich innerhalb von 5 Wochen "runterklopfen", und obwohl ich mich bemüht habe, trotz der knappen Zeit größte Sorgfalt walten zu lassen, kann ich nicht dafür garantieren, daß mir keine groben Schnitzer unterlaufen sind. Vor allem, weil ich jede Woche eine festgelegte Seitenzahl abgeben mußte (bzw. die entsprechende Anzahl Kapitel) und es mir deshalb am Schluß nicht möglich war, das gesamte Werk noch einmal in einem Rutsch durchzulesen.
Gut, das ist sicher die Ausnahme, der Verlag stand damals vor der Insolvenz und wollte sich durch eine neue Reihe wieder aus dem Sumpf ziehen und deren Einführung mußte eben schnell, schnell gehen. Wir Übersetzer ahnten übrigens nichts von der drohenden Zahlungsunfähigkeit und die meisten von uns warten seit ca. 8 Jahren auf ihr Honorar.
Meine zweite Übersetzung (von der Muttersprache deutsch in die Fremdsprache englisch) machte ich für einen kleinen Ein-Mann-Verlag. Ich hatte 6 Monate Zeit und konnte sogar problemlos um eine Verlängerung von 4 Wochen bitten, als sich herausstellte, daß die Zeit nicht ausreichte, um einen zweiten Korrekturdurchlauf zu machen, da das Buch (ein Sachbuch) sehr rechercheintensiv war sowohl hinsichtlich der Fachtermini als auch hinsichtlich der Feinheiten der englischen Sprache. Der Autor und Verlagsinhaber legte mehr Wert auf eine hohe Qualität als auf einen bestimmten Termin.
Das Problem bei einem 500-Seiten-Wälzer ist, daß man so sehr im Text drinsteckt und sich mit Kleinigkeiten und Feinheiten aufhält, daß man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Da passiert es schnell, daß man eine Redewendung wörtlich übersetzt oder daß einem ein grammatikalischer Lapsus unterläuft, der einem auch beim wiederholten Durchlesen nicht auffällt. Einer meiner Lehrer riet uns, eine Übersetzung ein paar Tage ruhen zu lassen und sich mit einem völlig anderen Thema zu beschäftigen. Danach kommt einem der Text wieder frisch und neu vor und so dämliche Fehler wie "I become" = "ich bekomme" fallen einem sofort ins Auge. Leider ist das aus Termingründen nicht bei jeder Übersetzung möglich.
Außerdem werden Buchübersetzungen sehr schlecht bezahlt (1/6 - 1/8 dessen, was eine technische oder kaufmännische Übersetzung einbringt). Das hat wiederum mit den Herstellkosten zu tun (weiß ich, weil meine Schwester das in ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin gelernt hat), denn je teurer ein Buch in der Herstellung, desto höher der Verkaufspreis, desto niedriger evtl. die Verkaufszahlen.
Es gibt sicher einige Verlage, die großen Wert auf eine gute Übersetzung legen und bei denen daher der übersetzte Text im Lektorat noch einmal Korrektur gelesen wird. Das kostet wiederum Geld und führt zurück zu meinen Ausführungen von oben.
Das alles soll natürlich keine Entschuldigung für schlechte, schlampige Übersetzungen sein. Ich rege mich jedes mal auf, wenn ich einen Text lese, der sofort den Dilettanten erkennen läßt. Ich liebe meinen Beruf und mir macht es ungeheuren Spaß, stundenlang an einem Satz oder einer Wendung herumzubasteln, immer auf der Suche nach der perfekten Lösung. (Die kommt meistens mitten in der Nacht, wenn ich die Toilette aufsuche oder morgens kurz nach dem Aufwachen - bis ich dann endlich etwas zu schreiben gefunden habe, ist der perfekte Satz wieder im Nirwana meiner Hirnwindungen verschwunden

). Wirtschaftlich ist das natürlich nicht. (Übersetzen ist ja auch kein Brotberuf, sondern eine Kunst

- oder vielleicht sind wir Übersetzer aus Berufung alle ein wenig verrückt

).
Ich hoffe, ich habe Euch nicht mit meinen Ausführungen gelangweilt. Bei dem Thema geht halt immer der Gaul mit mir durch.
Rio