Hallihallo!
Ich habe mir "Old School" gestern spontan für eine Zugfahrt geschnappt und gleich noch am selben Tag ausgelesen.
Meine Meinung:Das ist eine Schule, ganz nach meinem Herzen. So wie an anderen Schulen die Athleten, die Sportler verehrt werden, so wie sie sich in Wettkämpfe hineinsteigern, so wie ihre Leistungen auf dem Sportplatz ihnen Anerkennung von Gleichaltrigen bringen, so funktioniert es auf der Schule in diesem Buch mit den Jungs, die ihre freie Zeit der Literatur widmen.
Traditionell lädt die Eliteschule immer wieder berühmte Autoren und Poeten - wie etwa ganz am Anfang der Geschichte Robert Frost - ein, um etwas aus ihrem Werk zu lesen und mit einem der Schüler, nur einem, eine Privataudienz zu halten. Um diese Ehre kämpfen die Jungen ziemlich hart und zwar mit Papier und Schreibmaschine, denn nur eine der Geschichten oder eines der Gedichte, das sie verfassen, wird vom Autor ausgewählt und bestimmt den Gewinner des Wettbewerbes.
Als Leseratte wurde ich schnell in den Bann dieses Buches gezogen und die winzig bedruckten Seiten flogen nur so dahin. Die Art, wie Tobias Wolff über Bücher schreibt, darüber wie sie einen gefangen nehmen können, ist so packend und für Büchernarren wie uns so faszinierend, weil man sich selbst darin wiedererkennt.
Die Gastauftritte der Autoren waren erheiternd, ebenso die kurzen Zusammenfassungen der Geschichten, die von den Bewerbern eingereicht wurden und die von Alien-Kühen bis hin zu kitschigen Gedichten reichen. Das Schöne ist, dass Wolff diese Geschichten in der Geschichte zwar auseinander nimmt - wie im Unterricht - aber nur bis zu dem Punkt, bei dem man sich noch darüber amüsieren kann, aber noch nicht das Gefühl hat, es wurde ein schönes Werk der Literatur zerfleischt.

Was vielleicht eher bei uns im Deutschunterricht Tradition ist.
Mein Highlight war eindeutig Ayn Rand. Nicht so sehr ihr Besuch, sondern viel mehr die Beschreibung davon, wie der Protagonist, erst leicht angeekelt,
The Fountainhead zu lesen beginnt, nicht mehr aufhören kann und das Buch schließlich innerhalb weniger Wochen mehrmals verschlingt. Wie er in diesen Bann gezogen wird und wie ihn schließlich die Realität trifft und er all die kleinen Mankos entdeckt, nicht unbedingt in diesem Roman, sondern vielmehr in Ayn Rand als Person. Zu sehen, dass sie nicht so ist wie ihre Charaktere, dass sie eine ziemlich radikale Frau ist, wirkt wie eine Ohrfeige. Aber es hilft ihm auch, erwachsen zu werden. Zumindest ein bisschen.
Das Ende der Geschichte fand ich spannend und ein bisschen überraschend. Vor allem die Leichtigkeit, mit der viele - teils schlimme - Dinge passieren und hingenommen werden. Dass danach noch eine Art zweites Ende daran gehängt wurde, hat mich ehrlichgesagt eher genervt, vor allem weil die Person, um die es darin ging, mich nicht im geringsten interessierte. Aber diese letzten 10 Seiten seien dem Autor nachgesehen, denn "Alte Schule" ist ein toller kleiner Roman für zwischendurch, der einen den alten Parkettboden und den Duft von Wissensdurst riechen lässt.

Liebe Grüße,
Wendy