Das Buch habe ich letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt bekommen und nun lag es mehr als ein halbes Jahr auf meiner SUB. Um meine SUB zu schmälern habe ich mir vorgenommen, erste einmal alle Bücher aus 2007 zu lesen und da griff ich zu diesem Buch und war mehr als begeistert.
Die Autorin hat einen tollen Schreibstil und so fand ich sofort in die Geschichte rein und litt mit allen Figuren mit. Sabine Weigand zeichnet ihre Figuren liebevoll und mit viel Tiefe. Sie erschienen mir richtig menschlich und waren nicht nur blasse Gestalten auf dem Papier.
Die Geschichte beginnt im 21. Jahrhundert mit dem Museumsleiter Paul Möbius der von einem Geistlichen einige Gegenstände aus der Kirche zur Ausstellung und sicheren Verwahrung im Museum erhält. Ein Perlenmedaillion erweckt seine Aufmerksamkeit und als er dann noch ein Stück Papier in dem Säckchen findet, in dem das Medaillon aufbewahrt wurde und er undeutlich das Wort Oberwolkersdorf entziffern kann entschließt er sich dort hinzufahren und nachzuforschen. Dort angekommen findet er nichts Interessantes und macht Rast unter einem Baum, dort schläft er ein.
Und dann erst beginnt die Geschichte in der Vergangenheit, was mich nicht sonderlich Gestört hat. Es vermittelt einen Gewissen reiz, wenn man sich vorstellt, wie viele Dinge aus der Vergangenheit bis zur heutigen Zeit „überlebt“ haben und welche Geschichten sie uns erzählen könnten. Der Klapptext ist nicht ganz Richtig und etwas irreführend wie ich finde, aber okay, dass soll diesem schönen Buch nicht Schaden.
Helene, Niklas und Anna sind die drei Hauptfiguren dieses Buches und es wird immer wieder zwischen ihnen gewechselt, so erhalten die Leser gleich 3 verschiedene Eindrücke in die damalige Zeit. Helene ist die Tochter eines reichen Kaufmannes, Niklas verschlägt es nach einem Zwischenfall mit seinem Ziehonkel nach Venedig und Anna wird durch eine Vergewaltigung zur Prostituierten. Alle drei haben einen tollen Charakter und ich habe sie aller drei lieb gewonnen, mit jedem von ihnen konnte ich mitfühlen und habe ihre Geschichte mit vergnügen verfolgt. Auch die Briefe die sich Niklas und Helene in der alten Sprache schreiben, war für mich ein Genuss.
Mit viel Spannung und mit vielen Emotionen schreibt die Autorin die Geschichte jedes Einzelnen nieder. Mir erschien keine einzige Stelle langweilig und alle Handlungen waren logisch und schlüssig.
Helene wird unter Zwang an Konrad Heller verheiratet und muss unter ihm sehr schwer leiden. Er prügelt und quält sie. Sie tat mir am meisten Leid, war sie doch eine Gefangene der Gesellschaft und konnte ihn nicht ohne weiteres Verlassen, so fristet sie ihre Tage unter seiner rohen Knechtschaft, selbst die 4 Kinder die sie ihm schenkt, können ihn nicht besänftigen.
Niklas ist der Vetter von Helene und wird von ihrem Vater herausgeworfen nachdem er erfährt, dass sie einander lieben. Niklas verdingt sich als Knecht und reist mit einem Kaufmann nach Venedig, wo er eine Anstellung in einer Goldschmiede erhält. Er lebt dort über 10 Jahre und verlässt die Stadt erst nachdem ihn dort nichts mehr hält.
Anna wird in ihrer Jugend von einem Müller, bei dem sie und ihre Familie arbeit finden, vergewaltig und macht sich danach auf den Weg nach Nürnberg. Dort möchte sie eine Anstellung als Dienstmagd finden, gerät aber an einem Mann, der sie an den nächsten Hurenwirten verkauft. Ihre Geschichte wird noch von Cilli, Lindhart, Eva und dem Mönch Philipp, der übrigens der Bruder von Helene ist, begleitet. Alle waren liebenswerte Nebenfiguren die ich auch lieb gewonnen habe.
Die einzelnen Handlungen verlaufen mal zusammen und trennen sich dann wieder, um sich zum Schluss zu einem spannenden Ende zu vereinen. Die Autorin baut einen schönen Spannungsbogen auf und der Leser hofft auf ein Happy End für alle Personen.
Für mich war das Buch eine Bereicherung, habe ich doch wieder einiges gelernt und bekannte Dinge wieder getroffen. Sabine Weigand zähle ich jetzt schon zu einer meiner Neuentdeckungen 2008 und ihr nächstes Werk „Die Markgräfin“ wird mich in den Urlaub begleiten
