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Autor Thema: Herman Melville - Moby Dick  (Gelesen 1506 mal)

Thomas

  • Jean Valjean
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Herman Melville - Moby Dick
« am: 25. Februar 2007, 00:53:59 »

So, nach wochenlangem Lesen hab ich Moby Dick jetzt endlich durch.  :daumen:


Inhalt:
Ismael, ein einfacher Matrose, drängt es mal wieder zur See zu fahren und sich "den wässrigen  Teil dieser Welt zu besehen". Vorher verbringt er noch eine kurze Zeit in Nantucket und übernachtet in einem schmutzigen, billigen Wirtshaus, in dem er sich das Bett mit Quiqueg, einem Südseeinsulaner teilen muss. Ismaels Furcht gegen den "Wilden" wandelt sich am nächsten Morgen in Freundschaft um und sie heuern gemeinsam an der Pequod an, einem Walfänger.
Schon bald merkt Ismael, dass es auf der Pequod nicht mit rechten Dingen zugeht. Zuerst erscheint der Ahab, der Kapitän des Schiffs, erstmals auf dem Deck, als sie schon einige Tage auf See waren und dann hetzt er die Mannschaft für seinen Plan auf: Nämlich einen gigantischen weißen Wal namens Moby Dick, der ihm schon bei einem Kampf das halbe Bein abgerissen hatte, zu jagen und zu töten. Um die Mannschaft noch mehr anzuheizen, verspricht er dem, der als erstes Moby Dick sieht, eine Golddublone, die er am Mast befestigt. Während ihrer Reise treffen sie viele andere Schiffe und erlegen auch den ein oder anderen Wal. Am Schluss treffen sie auf Moby Dick und die gesamte Mannschaft plus Schiff geht in einem drei Tage andauernden Kampf unter. Der einzige Überlebende ist Ismeal der von einem anderen Walfänger gerettet wird.

Der Roman ist in der Ich-Form geschrieben. Was mich nicht mehr überrascht hatte, da ich den Roman schonmal angefangen habe, ist, dass es einige Zeit dauert bis Ismael auf dem Schiff ist. Auch bis Ahab dann das erste Mal wirklich auftaucht, dauert es nochmal locker 50 Seiten. Die Geschichte wird dann immer häufiger von Abschweifungen unterbrochen, in denen der Ich-Erzähler dem Leser z. B. alle möglichen Arten von Wahlen kategorisch vorstellt und beschreibt, den Walfang an sich detialiert wiedergibt oder über falsche und richtige Bildnisse des Wals aufklärt. Für diese Abschweifungen nimmt sich der Erzähler viel Zeit und die Geschichte um Ismael, Quiqueg und Ahab rückt meines Erachtens manchmal schon fast in den Hintergrund. Erst bei den letzten 100 Seiten widmet der Erzähler sich wieder voll der eigentlichen Handlung.

Mein Fazit:
Das Buch ist gut und flüssig geschrieben. Schön ist, dass durch die ganzen Abschweifungen die Haupthandlung nicht auseinandergerissen wird, sondern sich wunderbar ins Ganze einfügt. Die Charaktere wirken sehr lebendig. Da gibt es Ahab, der besessen danach ist Moby Dick zu fangen. Oder Starbuck, der Steuermann des Schiffs, der immer gegen Ahab rebelliert und versucht in von seiner Jagd bis zum letzten Moment abzuhalten. Oder Pip, einer kleiner schwacher Junge, der bei einer Waljagd beinahe ertrunken wäre.
Zum Abschluss hab ich durch dieses Buch sehr viel über den Walfang und Wale erfahren. Da merkt man richtig, dass Melville selber mal auf einem Walfänger war.
Das Buch kriegt von mir  4ratten , da es schön flüssig geschrieben ist und vor allem am Ende sehr spannend ist. Eine Ratte weniger gibts wegen den teilweise recht, für mich zwar nicht langweiligen, aber doch etwas ermüdenden Abschweifungen.
Also wer Klassiker liebt, Biologie studiert oder sich brennend für den Walfang interessiert ist das sicher was. Allen anderen empfehle ich dann doch lieber die Kinderversion zu lesen

Grüße Thomas
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"Jean Valjean, mein Bruder, Sie gehören nicht mehr dem Bösen, sondern dem Guten. Ich kaufe ihre Seele frei. Ich entreiße sie den finsteren Gedanken und dem Geist der Verderbnis und übergebe sie Gott."

Saltanah

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Re: Herman Melville - Moby Dick
« Antwort #1 am: 25. Februar 2007, 09:36:33 »

Gratuliere, Thomas!
Nach deiner Rezension tut es mir fast leid, dass mein Lesekalender in den nächsten Monaten keine Lücke für diesen Wälzer bietet. Aber irgendwann werde ich mich auch an die ungekürzte Fassung machen.
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Aldawen

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Re: Herman Melville - Moby Dick
« Antwort #2 am: 25. Februar 2007, 13:31:45 »

Hi,

Moby Dick gehört zu meinen immerwährenden Favoriten, allerdings sollte man beim Erst-Lesen vielleicht etwas aufpassen: Es gibt mittlerweile ein gutes halbes Dutzend Übersetzungen ins Deutsche, von stark schwankender Qualität. Vor gut fünf Jahren hat die ZEIT in der Literaturbeilage anläßlich der Neuübersetzungen durch Matthians Jendis einerseits und Friedhelm Rathjen andererseits mal einen Vergleich aller Übersetzungen anhand eines Abschnitts präsentiert, das war hochinteressant. Wer eine Fassung von Moby Dick sucht, die den Anspruch an eine zwar werktreue, aber in lesbarem Deutsch verfaßte Übersetzung hat, sollte zu einem dieser Übersetzer greifen: Seiffert & Seiffert (von 1956), Mummendey (von 1964) oder Jendis (von 2001). Letztere ist viel gelobt worden wegen ihrer Genauigkeit im seemännischen Bereich (kein Wunder, Jendis ist selbst zur See gefahren), ich kenne sie leider noch nicht, steht aber natürlich auf meiner Leseliste. Wer spaßeshalber mal sehen will, was passiert, wenn ein Übersetzer versucht, auch Syntax und Interpunktion der Ausgangssprache nachzuformen, der sollte zur Übersetzung von Rathjen greifen. Aber Vorsicht: Lesbar ist anders  :zwinker:

Aldawen
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Seoman

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Re: Herman Melville - Moby Dick
« Antwort #3 am: 03. März 2007, 15:57:29 »

Hallo

Seiffert & Seiffert (von 1956), Mummendey (von 1964) oder Jendis (von 2001). Letztere ist viel gelobt worden wegen ihrer Genauigkeit im seemännischen Bereich (kein Wunder, Jendis ist selbst zur See gefahren), ich kenne sie leider noch nicht, steht aber natürlich auf meiner Leseliste.

Ich lese gerade die Übersetzung von Jendis. Was mir bei der Ausgabe auch sehr gut gefällt sind die Anhänge. Hier erläutert der Übersetzer zum Beispiel Andeutungen und Bezüge zu anderen Büchern oder verdeutlicht Stellen die sich nur schwer haben übersetzen lassen. Das ganze ist keine Interpretation sondern eher eine Art Verständnis-Hilfe. Sehr gelungen finde ich.

Gruß
Seoman
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mermaid

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Re: Herman Melville - Moby Dick
« Antwort #4 am: 08. September 2007, 21:17:15 »

Ich habe das Buch vor kurzem zum ersten Mal gelesen, allerdings die Jugendausgabe meiner Tochter von Geolino. Ich bin nicht sicher, inwieweit sie sich vom Original unterscheidet. Ich war jedenfalls recht angetan von dem Buch. Es war humorvoller als ich erwartet hatte und die Beschreibungen sowohl der Personen als auch der Schifffahrtsgebräuche fand ich interessant. Als Jugendausgaben auch leicht und schnell zu lesen. Besonders gut gefiel mir die Einführung des Queequeg und wie sich die beiden anfreunden, außerdem wie Queepeg ganz lässig die eine oder andere beeindruckende Tat begeht. Ein bisschen mehr Mitgefühl gegenüber den Meeresbewohnern habe ich vermißt, obwohl das Buch ja nicht brutal war. So ist es wohl einfach unter Seeleuten und den Menschen im Buch erging es ja nicht viel anders, mit Ausnahme des vermissten Sohnes des einen Kapitäns, den sie unterwegs trafen. Ansonsten schien mir da Motto eher: "Etwas Schwund ist immer". Ist das Fatalismus? Oder eher Fanatismus, hervorgerufen durch Ahabs Rachsucht? Ich weiß nicht; wie seht ihr das?
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insekt

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Antw:Herman Melville - Moby Dick
« Antwort #5 am: 17. November 2009, 18:58:34 »

Herman Melville - Moby Dick (Neu übersetzt von Matthias Jendis)


Zum Inhalt brauche ich ja nichts mehr zu schreiben, auch wenn ich eine andere Übersetzung gelesen habe - der Inhalt bleibt gleich, oder sollte es.

Der Walfang ist zwar ein heikles Thema und ich bin auch kein Freund des selben, aber das Buch musste ich trotzdem lesen. Und was für ein Buch das ist, das kann ich euch sagen! Und welche schöne Ausgabe. Allein der Anhang hat fast 300 Seiten! Aber es lohnt sich. Viele Begriffe werden erklärt, es gibt Biographisches zum Autor, ein kleines Nachwort und was ganz interessant ist, sind die Anmerkungen zu verschiedenen Dingen die Melville in seinem Buch schreibt. Wie hat er dieses oder jenes gemeint? Wie kommt er zu diesem Vergleich? Wirklich sehr lobens- und lohnenswert!

Zur Übersetzung kann ich leider nichts sagen, da ich weder den Text in einer anderen Übersetzung noch im Original kenne. Ja es war für mich das erste mal das ich Moby Dick gelesen haben. :redface: Aber es hat sich gelohnt! Das Buch ist mit so einer Wortgewalt geschrieben und so spannend, das man es einfach gelesen haben sollte - auch wenn Moby Dick erst nach gut 800 Seiten auftaucht (im wahrsten Sinne des Wortes). :zwinker:

Ahab fand ich sehr interessant, spannend und faszinierend und mir fallen spontan nicht viele Charaktere ein die mich so in ihren Bann gezogen haben. :daumen:

Der einzige Minuspunkt für mich war wie bei Thomas:
Eine Ratte weniger gibts wegen den teilweise recht, für mich zwar nicht langweiligen, aber doch etwas ermüdenden Abschweifungen.
Die Abschweifungen fand ich auch interessant, informativ und gut geschrieben, aber sie haben die Geschichte manchmal doch sehr ausgebremst. 10 Seiten Geschichte, danach 15 Seiten Erklärungen zum Walfang, den Walen oder der Seefahrt sind im Mittelteil des Buches keine Seltenheit. Alles interessant, keine Frage aber für die Geschichte etwas bremsend. Leider.

Von mir gibt es
4ratten & :marypipeshalbeprivatmaus:
Die vielen Erklärungen haben zwar gebremst, manchmal vielleicht auch gestört aber das Buch ist trotzdem ein sehr sehr gutes und ich kann es jedem nur empfehlen. Lesen!
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HoldenCaulfield

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Antw:Herman Melville - Moby Dick
« Antwort #6 am: 17. November 2009, 19:06:11 »

@Insekt
Zu den Moby Dick Übersetzungen gibt es einen kleinen Thread:
Übersetzungen
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insekt

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Antw:Herman Melville - Moby Dick
« Antwort #7 am: 17. November 2009, 19:10:29 »

Danke aber den kenne ich bereits. Und es ändert ja nichts daran das ich trotzdem bloß diese Ausgabe kenne. :redface: Trotzdem Danke! :smile:
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Gronauer

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Antw:Herman Melville - Moby Dick
« Antwort #8 am: 19. November 2009, 13:52:00 »

Flüssig geschrieben? Da hängt die Wahrnehmung aber sehr stark von der Übersetzung ab. Bei Rathjens ist gar nichts flüssig, der folgt der stilisierten Sprache des Original bis in den höchsten Mastkorb. Ich kenne eine ältere Übersetzung, Auszüge von Rathjen und Jendis und Teile des Originals. Wenn ich heute das ganze nochmals im Zusammenhang lesen wollte, griffe ich zu Rathjens' Übertragung. Wenn man die Fabel schon kennt, ist das wohl interessanter.
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insekt

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Antw:Herman Melville - Moby Dick
« Antwort #9 am: 19. November 2009, 14:09:12 »

Ich hatte jedenfalls keine Probleme beim lesen.
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HoldenCaulfield

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Re: Herman Melville - Moby Dick
« Antwort #10 am: 02. April 2010, 12:18:02 »

Und hier nun meine Meinung, die Lektüre war allerdings schon im Januar^^

Ich muss gestehen ich war etwas überrascht. Ich hatte ein recht sperriges Werk erwartet und war mir nicht so ganz sicher wie lange ich dafür brauchen könnte. Stattdessen muss ich sagen das ich doch recht zügig vorankam und das Lesen nicht als mühsam empfunden habe. Im Gegenteil, es war ein einziger Genuss. Von der ersten Seite an war ich gefesselt. Obwohl in vielen Kapiteln mehr auf die Beschreibung verschiedener Wale, Walfangmöglichkeiten und kleine einzelne Begebenheiten auf der Reise der Pequod eingengangen wird, als auf die Suche nach Moby Dick selbst. Melville scheint hier aus allem Wissen das es zu dieser Zeit über Wale gab zu schöpfen und mehr als einmal hätte ich mir Illustrationen zu den Beschreibungen gewünscht. Das hätte die Erzählung sicher bereichert. Ich hatte sie richtig vor Augen die Stiche und Zeichnungen jener Zeit.

Kapitän Ahab, den viele sicher vor allem aus einer der Verfilmungen im Kopf haben ist hier zwar eine wichtige Figur, steht aber längst nicht so im Mittelpunkt wie man erwarten würde. Vermutlich habe ich hier wohl eine der Jugendbuchversionen des Romans im Kopf, hier war die Handlung natürlich viel dichter und gekürzt, da konnte der einsame Kapitän natürlich ganz anders auftauchen als im Original.das faszinierende ist jedoch das sich alles dennoch um Ahab dreht, auch wenn er selbst recht selten in Erscheinung tritt. Denn er allein bestimmt letztendlich was die Männer tun, er allein sucht nach dem weißen Wal und kann nicht von ihm lassen bis er ihn bezwungen hat. Es scheint als ob er in Wahrheit gegen sich selbst kämpft.
Keine der Figuren kommt einem Nahe, aber darum geht es auch nicht, man ist Beobachter, sieht das Ganze durch Ishmaels Augen. Seine Gedanken sind aber auch distanziert, so als ob ihm bewusst wäre das hier ein Ausenstehender zuschaut und so zu sagen in seinen Gedanken liest.

Was mich wirklich umgehauen hat sind die wunderbaren zum Teil auch grauseligen Beschreibungen des Walfangs. Man hat es richtig vor Augen und alles ist so lebendig erzählt als ob man selbst dabei wäre. Das gilt auch für den Rest des Romans. Alles ist sehr detailgenau beschrieben, aber wie ich finde durchaus wunderbar zu lesen. Mir hat dies jedenfalls sehr gefallen. Alles scheint am rechten Platz zur rechten Zeit erzählt und fügt sich so ineinander zusammen.
Ich empfand das Lesen jedenfalls als eine große Bereicherung!

Bleibt noch der informative Anhang zu erwähnen der meiner Ausgabe beigefügt ist. Gerade wenn man sich auch ein wenig für die Entstehungsgeschichte des Romans interessiert lohnt sich ein Blick. Desweiteren ist auch ein Kommentar des Übersetzers zu finden so wie der Kindler Literaturlexikonbeitrag.

5ratten
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