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Autor Thema: Gustave Flaubert - Madame Bovary  (Gelesen 4016 mal)

Lara

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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary
« Antwort #15 am: 08. April 2008, 19:09:19 »

Hallo Lara,

schön das Du schreibst - ich mag den Roman auch, obwohl ich sonst nicht so ein grpßer Fan von diesen realen Gesellschaftsromanen bin. Die Buddenbrocks z.B. habe ich nur beendet, weil ich wissen wollte, wie sich das anfühlt und Effi Briest habe ich nur als gähnend langweilige Schullektüre in Erinnerung. Hier ist es schon einfacher - es ist detailreich aber eine gewisse Grundspannung bleibt (noch) erhalten...ich bin auch auf das Ende gespannt.

Wo bist du denn genau? Ich bin immer noch in Teil 2.

Grüße
schokotimmi

Du, ich kann gar nicht genau sagen, wo ich gerade bin ... müsste ich erst nachschauen gehen (das Buch liegt im anderen Zimmer ^^) .... inhaltlich geht es gerade darum, dass Emma ihren "alten Freund" Léon wiedergetroffen hat und nun länger als vereinbart in dieser Stadt bleibt, um sich mit ihm zu treffen.
Ich finde den ganzen Roman eigentlich ziemlich aktuell dafür dass er schon Mitte des 19. Jhd. erschienen ist. Die Sehnsucht nach der wahren erfüllten Liebe werden die Menschen doch immer haben, oder nicht? ? =) Effi Briest im Gegensatz dazu behandelt ja vorwiegend diese Ehebruch Problematik. Langweilt also den heutigen Leser, weil die Verhältnisse eben nicht mehr so sind. Bei Madame Bovary geht es mehr um dieses Psychologische, um Träume und Illusionen. Ich hatte auch den Eindruck wie ihr, dass Emma sich zum größten Teil etwas vormacht. Sie sitzt in ihrem Häuschen am Fenster und wartet die ganze Zeit darauf, dass endlich ihr Märchenprinz auf einem weißen Schimmel angeritten kommt. Ihr Ehemann Herr Bovary kommt mir gar nicht so unsympathisch vor, wie etwa vergleichsweise der Baron von Instetten in Effi Breist, er bemüht sich schon um seine Frau. Aber leider ist sie blind dafür ...
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schokotimmi

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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary
« Antwort #16 am: 09. April 2008, 23:10:38 »

[...] Ich hatte auch den Eindruck wie ihr, dass Emma sich zum größten Teil etwas vormacht. Sie sitzt in ihrem Häuschen am Fenster und wartet die ganze Zeit darauf, dass endlich ihr Märchenprinz auf einem weißen Schimmel angeritten kommt. Ihr Ehemann Herr Bovary kommt mir gar nicht so unsympathisch vor, wie etwa vergleichsweise der Baron von Instetten in Effi Breist, er bemüht sich schon um seine Frau. Aber leider ist sie blind dafür ...
Erstmal bin ich an der gleichen Stelle wie Du gestern, Emma bleibt in Rouen (bei Leon).
Auch ich finde Charles gar nicht so übel - er liebt sie wirklich und ist um sie besorgt, aber sie will das nicht wahr haben und läßt es auch nicht zu. Ich weiß nicht recht, sie ist eine Träumerin, ihr fehlt jeglicher Realitätssinn, heißt sie stellt sich eine Welt in Liebe, Lust und Leidenschaft vor ohne auch nur 1 Sekunde daran zu denken dass es immer und überall Alltag geben wird.
Vielleicht kann man sagen, sie ist ein Opfer ihrer Zeit und die äußeren Umstände und die Männer haben zu ihrer Opferrolle beigetragen. Aber genauso sind Naivität und Visionen dafür verantwortlich. Hmm - vllt. hat und wird es ein paar Männer zum Nachdenken anregen über die Gefühle der Frauen, denn da stimme ich zu es hat auch heute noch Gültigkeit in gewissen Punkten.

Sonnige Grüße
schokotimmi
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Klassikfreund

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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary
« Antwort #17 am: 10. April 2008, 09:28:32 »

Bei Zweitausendeins gibt es ab sofort wieder die Madame Bovary-Ausgabe aus dem Haffmans Verlag. Eine gelobte Übersetzung. War einige Zeit lang nicht erhältlich, nun für 19,90 (Fadenheftung und Halbleinen) wieder zu erhalten.

Schöne Grüße,
Thomas

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schokotimmi

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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary
« Antwort #18 am: 17. April 2008, 17:40:33 »

Hallo,

ich habe das Buch schon vor ein paar Tagen beendet, war aber leider ziemlich im Stress, darum hier nun meine letzten Gedanken als Rezi.

Mme Bovary ist ein Roman, der ein Frauenschicksal im späten 18. Jh. oder Anfang des 19.Jh in Frankreich schildert. Emma, die Hauptperson ist dabei eine typische Frau vom Land mit einem Hang zu Musik, Kunst und Literatur. Sie könnte mit der Heirat von M. Bovary einem Chirurg in einem ausreichend situierten ländlichen Verhältnis leben. Doch Emma sehnt sich nach mehr, nach adeligen Verhältnissen, leidenschaftlicher Liebe, Reichtum, Vergnügen und Ansehen. Sie ist mit ihrem Leben unzufrieden und verliert sich mehr und mehr in Depressionen. Die Liebschaften zu Rodolphe und später zu ihrem Seelenverwandten Leon und ihre verlogen ausschweifende Lebensweise enden fatal.
 
Für mich war dieser Roman trotz manchmal reichen Details die er zu Umgebung und Empfindung enthielt jederzeit spannend und nie langweilig. Doch ich mochte die Hauptfigur leider gar nicht, denn ich persönlich kann ihre Schwärmerei und Liebessehnsucht nicht ganz verstehen. Sie träumt von der großen Welt, verliert sie ständig in dieser Sehnsucht und verschließt dabei den Blick vor all den Leute, denen sie auf ihre wenn auch einfach Art doch eine Menge bedeutet. Nicht mal zu ihrem Kind baut sie ein wirkliches Verhältnis auf. Sie ist in ihrem Sein schwach und kommt mit dieser Situation nicht klar, bietet somit verschiedenste Angriffspunkte um von Männern und ihren Bedürfnissen ausgenutzt zu werden, finanziell, körperlich und seelisch. Manchmal schimmert ein wenig Verständnis in ihr auf und sie merkt, dass sie sich in etwas verrennt, aber ändert sie sich nicht.
Ich finde schon, dass man Emma in gewisser Hinsicht als Opfer sehen kann, die von diversen Männer ausgenutzt wird. Doch ist sie an dieser Lage m.E. nicht ganz unschuldig. Sie wirkt zwar gebildet, doch hat sie das wahre Alltagsleben nie verstanden - sie ist in ihrem Mädchenträumen hängen geblieben. Natürlich weiß ich, dass dies aus heutiger Sicht leicht zu sagen ist, aber ich bin überzeugt, dass es auch in damaliger Zeit Frauen gab, die mehr Stärke und Vernunft bewiesen haben und sich nicht so leicht um den Finger wickeln ließen oder auf einen Traumprinzen warteten.
 
Insgesamt war das Buch trotz der etwas "nervenden" Hauptperson recht schön zu lesen und bekommt von mir
 3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

Grüße
schokotimmi
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mombour

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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary
« Antwort #19 am: 10. Juli 2008, 18:15:57 »

Gustave Flaubert: Madame Bovary (Übersetzung Maria Dessauer, Insel-TB)


 (Die "search -inside"-Funktion zeigt nicht die Übersetzung von Dessauer. So ungenau ist dieser Konzern).

Wenn ich an Madame Bovary denke, fällt mir ein Gedicht von Heinrich Heine ein:

"Das Fräulein stand am Meere...

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück."


Auch Emma Bovary wird von Illusionen genarrt. Die Welt, die sie in Romanen aufgeschnappt hat, will sie in ihrem Leben zur Realität werden lassen. Das Pariser Leben, ein Ball, ein schöner Mann, der Vicomte -  all das huscht an ihr vorbei. Sie kann sich mit dem langweiligen Leben in der Provinz nicht abfinden. Sie merkt nicht, wie Charles, ihr Mann, sie liebt, weil sie ihn nur langweilig findet. Bemerkenswert ist, dass er auch als Arzt eine Niederlage erleidet. Die Behandlung eines Klumpfußes führt einen Klienten fasst in den Tod, wäre da nicht ein (gescheiter) Arzt aus der Stadt gekommen. Auf dem Lande ist das Leben eben borniert, nicht so in Rouen oder Paris, wo auch die Wissenschaft weiterentwickelt ist.

Flaubert kritisiert die provienzielle Zurückgebliebenheit und verabschiedet sich (wie Heine, s.o.) von der Romantik. Träumereien und Illusionen führen am Leben vorbei, führen wie im Roman ins Verderben. Madame Bovary's Flucht in diverse Liebhaber sind nur hoffnungslose Versuche, der Eintönigkeit zu entkommen. Wie eintönig auch das Kaff Yonville ist, findet seinen Ausdruck in der Beschreibung des Ortes:

„Ansonsten gibt es nichts zu sehen. Die Straße (die einzige) reicht einen Flintenschuß weit, ist von ein paar Läden gesäumt und endet abrupt an der Biegung zur Landstraße. Wenn man sie zur Rechten läßt und am Fuß der Anhöhen von Saint-Jean weitergeht, kommt man bald zum Friedhof.“

Für Rodolphe ist Emma nur eine Episode. Als Rodolphe später seine Briefe, die er von Frauen erhalten hat, anschaut, entströmmt im ein „Geruch nach feuchtem Staub und verwelkten Rosen“ und Emmas Züge verschwimmen in seinem Gedächtnis.

Die Not führt Emma Bovary zu bizarren Eigenheiten, die schon in der Beziehung zu Rudolphe zu Tage treten. Man mag auf den Gedanken kommen, Madame Bovary sei ein Opfer diverser Männer, einschließlich des geritzten Kaufmanns, der Emma in die Schulden lockt. Primär aber doch ist Emmas Seelenlage. Rodolphe sagte einmal zu Emma:

„Ja was, sagte er, wissen Sie denn nicht, daß es Seelen gibt, die in ständiger Ruhelosigkeit leben? Abwechselnd verlangt es sie nach Traum und Tat, nach den reinsten Leidenschaften, den wildesten Genüssen, und darum stürzen sie sich in Launen und Torheiten aller Art.“

 Flaubert wird noch genauer, wenn es um Emmas Seelenleiden geht. Sie verwechsele

„die Sinnesreize des Luxus mit den Freuden des Herzens, die Eleganz der Manieren mit den Feinheiten des Gefühls.“

Das ist das Grundursache innerer menschlicher Unzufriedenheit überhaupt, wenn das seelische Erleben abstumpft, der Mensch dann zum Materiellen greift, um den Verlust emotionalen Empfindens zu kompensieren. Madame Bovary kennt die Leidenschaften aus Kitschromanen, die sie während ihres Klosteraufenthaltes inhaliert hat, abonnierte Frauenzeitschriften und las über die Glitzerwelt der Reichen. Sie leidet an Realitätsverlust, wenn sie sich einbildet, Romaninhalte in die Wirklichkeit des Lebens zu transportieren. Sie las auch Walter Scott, der zu Flauberts Zeiten wohl noch sehr beliebt war. Balzac lässt in „Verlorene Illusionen“ seinen Protagonisten Lucien, einen Roman sogar im Stile Walter Scotts schreiben und die Bovary, nun, sie hätte dann gleich in der alten Burg aus irgendeinem Scott`schen Roman gewohnt. "Lucia di Lammermoor", diese Oper Donizettis sieht sich das Ehepaar Bovary in Rouen an, (dieser Ausflug sollte zur Entspannung von Emmas Nervenleiden dienen) und schon versinkt Emma in die Zeit ihrer Jugenlektüre zurück, das Jagdlied im ersten Satz versetzt sie in die Welt Walter Scotts (die Vorlage für das Libretto ist Scotts Roman „The Bride of Lammermoor“).

„Lucia begann mit ernstem Ausdruck ihre Kavatine in G Dur; sie erging sich in Liebesklagen, sie wünschte sich Flügel. Und gleich ihr hätte Emma aus dem Leben fliehen, in eine Umarmung fliegen wollen.“

Sie flog dann in die Arme Léons. Es ist aber nicht so wie bei Eichendorff:
....

"Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus."


Liebe Grüße
mombour

 

« Letzte Änderung: 11. Juli 2008, 13:13:06 von mombour »
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sandhofer

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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary
« Antwort #20 am: 10. Juli 2008, 20:31:19 »

(Die "search -inside"-Funktion zeigt nicht die Übersetzung von Dessauer. So ungenau ist dieser Konzern).

Dieser Konzern geht eh davon aus, dass es die Kunden nicht zu interessieren hat, welche Ausgabe sie genau in Händen haben. Rezensionen sind prinzipiell mal zum Text, nie zur Ausgabe, die man gerade angeklickt hat. Und so bei den Übersetzungen. Und so bei den Herausgebern. Und so und so weiter ...  :grmpf:
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Noble Scarlet

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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary
« Antwort #21 am: 29. April 2011, 16:30:00 »

Madame Bovary von Gustave Flaubert



Umschlagtext: "In Madame Bovary deutet sich die Entfremdung an, die hundert Jahre später in der entwickelten Gesellschaften Männer und Frauen erfasst (aber besonders letztere, wegen ihrer Lebensbedingungen): konsumieren, um die Angst zu vertreiben, Versuche, die Leere, die das moderne Leben im Menschen hinterlässt, mit Gegenständen zu bevölkern. Emmas Drama ist der Raum zwischen der Illusion und der Realität, der Abstand zwischen dem Wunsch und seiner Erfüllung." - Mario Vargas Llosa

Gustave Flaubert schuff mit seinem 1856/1857 erschienenen Roman "Madame Bovary" eines der grössten Werke der Weltliteratur. Zuerst wurde sein Werk nur zensiert veröffentlicht, er wurde "Des Verstosses gegen die Sitte" angeklagt. Er wurde jedoch im folgenden Prozess freigesprochen.
Flauberts Werk erzählt die Geschichte der Emma Rouault, welche den Arzt Charles Bovary heiratet. Emma stammt aus einer Bauernfamilie, sie besuchte in ihrer Jugend ein Kloster, wo sie gute Bildung genoss und zum ersten Mal mit Romanen in Berührung kam. Nach der Heirat mit Charles beginnt sie ihr Leben zunehmend zu langweilen. Sie wünscht sich wie die Damen in ihren so geliebten Büchern zu sein. Frei, unabhängig, leidenschaftlich, auf der Suche nach Abenteuer. Doch all das kann Charles ihr nicht bieten. Schliesslich wird Emma ganz krank vor Langeweile und ihr besorgter Mann schlägt einen Umzug vor um sie auf andere Gedanken zu bringen. Sie ziehen in das Dorf Yonville. In Yonville gibt es verschiedenste Leute, welche Emma im Verlaufe der Geschichte kennen lernt. Darunter der Apotheker Homais, der immer zur Stelle ist, wenn er gebraucht wird. Mit Léon Dupuis, dem Kanzlist verbindet sie sofort ihre Leidenschaft für die Schönen Künste. Stundenlang reden die beiden über Literatur, Theater, Musik und philosophische Themen. Über all dies kann Emma mit Charles nicht sprechen. Als die Leute im Dorf zu tuscheln beginnen, muss Léon wegziehen um seine Ausbildung in Paris zu beenden. Emma ist sehr traurig deswegen, darf sich aber nichts anmerken lassen. Das Leben in Yonville geht weiter. Bis sie die Bekannschaft mit Rodolphe Boulanger von La Huchette kennen lernt. Rodolphe ist bekannt für seine Frauengeschichten und auch Emma erliegt seinem Charme. Er ist hingerissen von der süssen Emma und bald beginnen sie eine stürmische Affäre. Als Emma mit Rodolphe fliehen will, macht dieser einen Rückzieher. Nach etwa 3 Jahren Affäre macht er damit Schluss. Emma ist verzweifelt und bekommt eine Hirnhautentzündung, die sie wochenlang ans Bett fesselt. Sie ist unendlich traurig und muss zurück in ihr altes Leben finden. Die Langeweile holt sie wieder ein, nicht einmal ihre Tochter Berte kann sie vergessen machen. Da will es das Schicksal, dass sie Léon wiederbegegnet. In der Nachbarsstadt ist er nun bei einem Anwalt angestellt. Wiederum stürzt sich Emma breitwillig in die Affäre. Doch neben der Verheimlichung dieser kommen nun auch noch Geldsorgen hinzu. Emma gibt Unmengen an Geld für Luxusartikel, Kleider und Möbel aus. Sie macht schulden, unterschreibt Wechsel und weiss irgendwann nicht mehr wo sie finanziell steht. Bis sie ein Schreiben erhält, welches die Pfändung ihres Besitzes fordert. Verzweifelt sucht sie nach Hilfe, nach jemandem der ihr aus der finanziellen Not hilft. Doch niemand gibt ihr das benötigte Geld. Da vergiftet sie sich selbst und stirbt. Charles ist am Boden zerstört. Er hat nicht nur alle Schulden von ihr abzuzahlen, er muss auch noch von ihrer Affäre mit Rodolphe erfahren. Er liebt sie trotzdem bis zum Ende und stirbt dann auch. Berte überlebt und wohnt fortan bei Verwandten in ärmlichen Verhältnissen.

Ich habe Madame Bovary als Maturalektüre für das Fach Französisch gewählt. Das Buch hat mir von Anfang an sehr gut gefallen und ich habe es geradezu verschlungen. Emma war mir zwar nie besonders symphatisch, aber dennoch konnte ich sie verstehen und ihre Handlungen nachvollziehen. Charles fand ich einfach viel zu naiv, Rodolphe mochte ich gar nicht, Léon war mir von Anfang an suspekt und was die anderen angeht... Homais war eine Figur, die ich wirklich mochte. Flaubert verstand es fantastisch mit wenigen Worten für jede Figur einen eigenen Charakter zu erschaffen und ihnen gute Gründe für ihr Handeln zu geben. Natürlich ist die Geschichte ziemlich voraussehbar, das mag ein Kritikpunkt sein. Auch sind manche Charaktere vielleicht etwas zu wenig ausgeführt. Ich hätte gerne mehr über den Pfarrer oder die Frau von Homais erfahren. Denoch ist das Ende auf seine eigene Art überraschend, ich hätte nicht erwartet zu erfahren, was mit Berte geschieht. Der Schreibstil gefiel mir sehr, Flaubert ist ein Künstler! Wenn man dann noch bedenkt, dass das Buch einer der ersten Romane dieser Art war, so muss ich Flauberts Genialität noch ein weiteres Mal erwähnen. ;-) Stellenweise hat mich das Buch sehr an Effi Briest erinnert. Liegt wohl an der Zeit und am Erzählstil, vielleicht auch an der Geschichte an sich. Ich fand es aber trotzdem sehr schön einmal einen Einblick ins Frankreich des 19. Jahrhunderts zu erhalten und für einmal die Untere Mittelschicht und nicht die Elite zu betrachten. Das war schon sehr interessant!

Fazit: Wer Klassiker wie Effi Briest und Buddenbroks mochte, der wird auch Madam Bovary lieben! Die Geschichte ist zwar leider etwas voraussehbar, aber trotzdem sehr schön erzählt und es gibt einige tolle Charaktere zu entdecken!

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Myriel

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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary
« Antwort #22 am: 14. Mai 2011, 10:53:11 »

Fazit: Wer Klassiker wie Effi Briest und Buddenbroks mochte, der wird auch Madam Bovary lieben!

Dem kann ich mich leider überhaupt nicht anschließen. Ich fand die Buddenbrooks toll, doch die gute Frau Bovary hat mir den letzten Nerv geraubt und ich habe anderthalb Monate für die nichtmal 300 Seiten gebraucht.

Die Charakterzeichnung der titelgebenden Madame Bovary ist Flaubert meisterhaft gelungen und ihr moralischer Abstieg entwickelt eine starke, voyeuristische Faszination. Dieser Sog wird aber sofort und auf ziemlich demoralisierende Art und Weise von Flauberts nur allzu detaillierten Schilderungen aller möglicher und unmöglicher Details und Vorgänge überlagert, die mir jegliches Vergnügen verleidet haben. Im überschwänglichen Nachwort wird eben diese detaillierte Sichtweise Flauberts über den grünen Klee gelobt, doch wozu muss ich mich durch über 15 Seiten Schilderung der Jahresversammlung der Landwirte quälen? Für mich persönlich haben solche Passagen überhaupt keinen Mehrwert gebracht, sondern die eigentlich interessante Charakterstudie unnötig in die Länge gezogen und dadurch deren Reiz enorm vermindert.

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schokotimmi

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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary
« Antwort #23 am: 14. Mai 2011, 12:31:17 »

Hallo Myriel,

so unterschiedlich ist das, für mich waren die detaillierten Schilderungen oft eine Erleichterung von Madame mal abgelenkt zu werden und es hat mich weniger gestört. Aber nach 3 Jahren hab ich es irgendwie nicht mehr so spannend und toll in Erinnerung, geblieben ist fast nur der Gedanke an "diese nervige Person" und meine Augen rollen automatisch.

Hm, also einen Reread wird es dazu wohl nicht geben.

Grüße
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Myriel

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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary
« Antwort #24 am: 14. Mai 2011, 12:58:31 »

Ja, so unterschiedlich kann man das wahrnehmen. Aber beim Fazit sind wir uns einig:

Hm, also einen Reread wird es dazu wohl nicht geben.

 :breitgrins:
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schokotimmi

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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary
« Antwort #25 am: 14. Mai 2011, 18:40:27 »

Ja, so unterschiedlich kann man das wahrnehmen. Aber beim Fazit sind wir uns einig:

Hm, also einen Reread wird es dazu wohl nicht geben.

 :breitgrins:


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simmilu

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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary
« Antwort #26 am: 13. Januar 2012, 13:18:12 »

Nachdem unsere kleine Leserunde zum Jahresanfang beendet ist, möchte ich meine Meinung zu dem Buch schreiben.

Gustave Flaubert - Madame Bovary

Ein Klassiker, der wirklich zu unrecht so lange Zeit auf meinem SuB verweilte !
Komischer Weise geht es mir bei den meisten Klassikern so, erst traue ich mich nicht ran und hinterher kann ich es gar nicht glauben, das ich das Buch nicht schon viel früher gelesen habe, weil es so unterhaltsam und gut geschrieben war.
So auch bei Madame Bovary....

Was an dem Buch auffällt ist, das Flaubert es wunderbar versteht Schauplätze, Ereignisse und Dinge zu beschreiben. Während man liest, hat man das Gefühl die Dinge fast greifbar vor sich zu haben, so ausführlich erzählt der Autor, jedoch ohne zu überfordern, oder zu langweilen. Einzig die Sache mit den "Wechseln" habe ich nicht so richtig verstanden und es gelang mir auch nach zugegeben halbherzigen Versuch, nicht  die Sache zu entwirren. Aber das ist ein persönlicher Schwachpunkt  :zwinker:
Eine weitere Besonderheit für mich ist, das sich beim lesen kein Lieblingscharakter auftat, mit dem ich durch die Geschichte wanderte. So konnte ich alle Figuren ganz objektiv erleben, was auch viel Spaß gemacht hat !

Zu der Handlung selber ist hier ja schon genug geschrieben worden, deshalb spare ich mir das an dieser Stelle.
Madame Bovary ist auf jeden Fall eine der selbstsüchtigsten, egoistischten und niederträchtigsten, vielleicht auch eine der tragischsten Figuren, in der klassischen Literatur, die ich kenne - herrlich !!!

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Ich lese gerade :




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Annabas

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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary
« Antwort #27 am: 13. Januar 2012, 22:45:17 »

Gustave Flaubert – Madame Bovary
Übersetzerin: Maria Dessauer (1996)



Inhaltsangabe:

Die Geschichte spielt Mitte des 19. Jahrhunderts in der nordfranzösischen Provinz. Charles Bovary, ein noch junger und nicht besonders aufgeweckter Landarzt, heiratet die hübsche Emma Rouault. Emmas Mutter war früh gestorben, und so wurde sie in einem Kloster erzogen, wo sie Bekanntschaft mit der romantischen, idealisierten Welt der Liebesromane gemacht hatte. Emma glaubt fest an diese Welten, und so ist es nicht verwunderlich, dass sie sich in ihrer Ehe schnell zu langweilen beginnt. Sogar die Geburt ihrer Tochter Berthe bringt sie nicht dazu, sich mit den realen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Emma beginnt eine Affäre mit dem Frauenhelden Rodolphe, doch für ihn ist sie nur eine kleine Episode in seiner Sammlung. Auf Rodolphe folgt Léon, der sich ebenfalls für romantische Ideale stark macht und eine verwandte Seele zu sein scheint. Doch nichts von allem reicht Emma aus; sie steigert sich in Sehnsüchte hinein, verschwendet ihr ganzes Geld, macht Schulden und gerät unter immer größeren Druck. Als sich dann auch noch der Gerichtsvollzieher ankündigt und alles aufzufliegen droht, versucht Emma ihre letzten Möglichkeiten auszuschöpfen ...

Der erste Satz:

„Wir waren beim Studium, als der Direktor eintrat, gefolgt von einem bürgerlich gekleideten Neuen und einem Schuldiener, der ein großes Pult trug.“

Meine Meinung zum Buch:

Ich bin in den letzten Jahren immer wieder auf dieses Buch gestoßen, meistens wurde es als Beispiel herangeführt, wie man bildhafte Beschreibungen in eine Geschichte einbaut. Und natürlich war es mir als Klassiker schon lange vom Namen her bekannt, also war es in diesem Jahr an der Zeit, diese Leselücke endlich zu schließen.

Es hat sich mehr als gelohnt, dieses Buch anzupacken und ich bin sehr froh darüber, es gelesen zu haben. Flauberts Bilder der ländlichen Welt und der Ereignisse dort sind wirklich phantastisch und ich habe sogar seine Beschreibung einer landwirtschaftlichen Ausstellung (nun nicht wirklich mein Interessengebiet) mit Vergnügen gelesen.

Apropos Vergnügen: ich war erstaunt über die witzigen, ironischen Szenen, die immer wieder eingebaut sind. Warum ich bei Klassikern keinen Humor erwarte, weiß ich auch nicht so genau, vermutlich meine ich, dass „ernste“ Literatur eben immer ernst aufbereitet sein muss. Aber das ist hier gar nicht der Fall, wobei das Thema an sich durchaus ernst ist. Aber ich fand es z. B. köstlich, wie Rodolphe und Emma in der besagten landwirtschaftlichen Ausstellung hoch geistvoll flirten, während um sie herum Schafe und Schweine prämiert werden.

Sympathie konnte ich für keine der in der Geschichte auftauchenden Personen empfinden. Charles ist buchstäblich blind vor Liebe und leugnet alles, was Emma in ein schlechtes Licht bringen könnte. In seinem Beruf ist er überfordert und weiß das auch genau, dummerweise lässt er sich trotzdem zu riskanten Behandlungen hinreißen, die ohne Erfolg enden, was ihn noch unsicherer macht.

Tja, und Emma: was für eine dumme, dumme, egozentrische Frau. Sie lebt in ihrer Traumwelt von Rittern, Schlössern und Prinzen und will nicht sehen, dass die Welt eben nicht so ist und dass das, was sie hat, gar nicht so schlecht sein könnte. Es dauert lange, bis ihr Lügengestrick auffliegt, sie hat ihre Märchenwelt mit Dreistigkeit und Geschick aufgebaut. In einigen Rezensionen hier im Thread habe ich gelesen, dass sie als Opfer gesehen werden könnte, das sehe ich allerdings nicht so. Gut, vielleicht ist sie zum Ende hin das Opfer von Lheureux, der seine Wechsel einfordert, aber die Schulden macht sie ja vorher schon ganz alleine. Und dass sie von Rodolphe abserviert wird, nachdem sie ihm zu aufdringlich wird und mit ihm in ein gelobtes Land fliehen will (Option ewiges Glück und heititeiti), macht sie in meinen Augen auch nicht zu seinem Opfer. Emma ist eine treibende Kraft – mit direktem Kurs auf die Katastrophe.

Mit der Sprache kam ich sehr gut zurecht, einige altmodischere Begriffe kannte ich nicht, aber das konnte das Lesevergnügen nicht schmälern.

Ich habe das Buch in einer kleinen Leserunde gelesen, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Der Austausch mit meinen Mitleserinnen war toll.   :winken:

Meine Bewertung:    :tipp:   :daumen:

Viele Grüße von Annabas    :winken:
« Letzte Änderung: 13. Januar 2012, 22:48:19 von Annabas »
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:blume:   "Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten." Rabindranath Tagore (1861-1941)
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Juggalette

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Re: Gustave Flaubert - Madame Bovary
« Antwort #28 am: 05. Februar 2012, 22:35:06 »

Als Nachzügler der Leserunde habe ich es nun auch geschafft das Buch zu beenden.

Den Schreibstil mochte ich sehr gerne, denn er war angenehm, flott und wahrlich bildhaft. Dieser wunderbaren Sprache habe ich es zu verdanken, dass ich mich so oft von den Einwohnern Yonvilles unterhalten lassen konnte. Da wären zum Beispiel der Pfarrer und der Apotheker zu nennen, die keine Gelegenheit ausließen um sich gegenseitig aufgrund ihrer verschiedenen Weltanschauungen anzustacheln. Einfach nur köstlich! :breitgrins:

Doch so witzig ich die Dorfbewohner und ihr Verhalten untereinander auch fand, so nervig war für mich auch Madame Bovary höchstpersönlich. Anfangs konnte ich sie noch verstehen, so hatten wir doch alle in jungen Jahren romantische Vorstellungen über unsere Zukunft. Doch irgendwann wird es eben Zeit erwachsen zu werden und der Tatsache ins Auge zu sehen, dass man nicht alles, was man sich erträumt hat auch bekommt und die Realität oft grausam anders ist.
Ihr Gejammere über ihr sinnloses Leben hat mich schnell gelangweilt. Ihre Art ihren Willen durchzusetzen und trotz Mutterschaft so egoistisch und eigensinnig zu sein war mir zu extrem. Und der absolute Gipfel war die Dreistigkeit wie sie ihrem Mann auf der Nase herum getanzt ist und ihre gesamte Familie in Folge in den Ruin gestürzt hat.
Letzten Endes hat mich ihr
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am Ende auch gar nicht großartig überrascht, da ich finde, dass dies ein typisches Verhalten für Menschen ist, die viel zu feig sind dafür gerade zu stehen was sie falsch gemacht und anderen Menschen angetan haben.

Charles mochte ich zu Beginn auch noch. Sein tollpatschiges Verhalten und seine Unwissenheit fand ich nett. Deswegen konnte ich auch nicht ertragen wie ihn Emma behandelte, da tat er mir einfach nur leid! Er hat sich so angestrengt seine geliebte Frau glücklich zu machen und ihr jeden Wunsch zu erfüllen...
Doch meine Meinung hat sich bis zum Ende hin sehr geändert - da wollte ich ihn nur mehr nehmen und gegen die Wand klatschen. Sich so von seiner Frau hintergehen zu lassen und sich dann immer noch blind stellen und die Wahrheit nicht akzeptieren wollen?! So unglaublich wenig Stolz kann ein Mann doch gar nicht haben..!

Die beiden Liebhaber mochte ich allerdings beide nicht besonders. Léon war mir viel zu bubihaft  und Rudolf war mir schlicht zu eingebildet, auch wenn er mir von den beiden noch der Liebere war.

Trotz der eher anstrengenden Hauptcharaktere war Madame Bovary für mich ein absolutes Lesevergnügen und deswegen vergebe ich gerne 4ratten.
« Letzte Änderung: 06. Februar 2012, 02:33:59 von Juggalette »
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Philip Pullman - Der goldene Kompass
Arthur Conan Doyle - Die Abenteuer des Sherlock Holmes

SuB: 238