Gustave Flaubert – Madame BovaryÜbersetzerin: Maria Dessauer (1996)

Inhaltsangabe:Die Geschichte spielt Mitte des 19. Jahrhunderts in der nordfranzösischen Provinz. Charles Bovary, ein noch junger und nicht besonders aufgeweckter Landarzt, heiratet die hübsche Emma Rouault. Emmas Mutter war früh gestorben, und so wurde sie in einem Kloster erzogen, wo sie Bekanntschaft mit der romantischen, idealisierten Welt der Liebesromane gemacht hatte. Emma glaubt fest an diese Welten, und so ist es nicht verwunderlich, dass sie sich in ihrer Ehe schnell zu langweilen beginnt. Sogar die Geburt ihrer Tochter Berthe bringt sie nicht dazu, sich mit den realen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Emma beginnt eine Affäre mit dem Frauenhelden Rodolphe, doch für ihn ist sie nur eine kleine Episode in seiner Sammlung. Auf Rodolphe folgt Léon, der sich ebenfalls für romantische Ideale stark macht und eine verwandte Seele zu sein scheint. Doch nichts von allem reicht Emma aus; sie steigert sich in Sehnsüchte hinein, verschwendet ihr ganzes Geld, macht Schulden und gerät unter immer größeren Druck. Als sich dann auch noch der Gerichtsvollzieher ankündigt und alles aufzufliegen droht, versucht Emma ihre letzten Möglichkeiten auszuschöpfen ...
Der erste Satz:„Wir waren beim Studium, als der Direktor eintrat, gefolgt von einem bürgerlich gekleideten
Neuen und einem Schuldiener, der ein großes Pult trug.“
Meine Meinung zum Buch:Ich bin in den letzten Jahren immer wieder auf dieses Buch gestoßen, meistens wurde es als Beispiel herangeführt, wie man bildhafte Beschreibungen in eine Geschichte einbaut. Und natürlich war es mir als Klassiker schon lange vom Namen her bekannt, also war es in diesem Jahr an der Zeit, diese Leselücke endlich zu schließen.
Es hat sich mehr als gelohnt, dieses Buch anzupacken und ich bin sehr froh darüber, es gelesen zu haben. Flauberts Bilder der ländlichen Welt und der Ereignisse dort sind wirklich phantastisch und ich habe sogar seine Beschreibung einer landwirtschaftlichen Ausstellung (nun nicht wirklich mein Interessengebiet) mit Vergnügen gelesen.
Apropos Vergnügen: ich war erstaunt über die witzigen, ironischen Szenen, die immer wieder eingebaut sind. Warum ich bei Klassikern keinen Humor erwarte, weiß ich auch nicht so genau, vermutlich meine ich, dass „ernste“ Literatur eben immer ernst aufbereitet sein muss. Aber das ist hier gar nicht der Fall, wobei das Thema an sich durchaus ernst ist. Aber ich fand es z. B. köstlich, wie Rodolphe und Emma in der besagten landwirtschaftlichen Ausstellung hoch geistvoll flirten, während um sie herum Schafe und Schweine prämiert werden.
Sympathie konnte ich für keine der in der Geschichte auftauchenden Personen empfinden. Charles ist buchstäblich blind vor Liebe und leugnet alles, was Emma in ein schlechtes Licht bringen könnte. In seinem Beruf ist er überfordert und weiß das auch genau, dummerweise lässt er sich trotzdem zu riskanten Behandlungen hinreißen, die ohne Erfolg enden, was ihn noch unsicherer macht.
Tja, und Emma: was für eine dumme, dumme, egozentrische Frau. Sie lebt in ihrer Traumwelt von Rittern, Schlössern und Prinzen und will nicht sehen, dass die Welt eben nicht so ist und dass das, was sie hat, gar nicht so schlecht sein könnte. Es dauert lange, bis ihr Lügengestrick auffliegt, sie hat ihre Märchenwelt mit Dreistigkeit und Geschick aufgebaut. In einigen Rezensionen hier im Thread habe ich gelesen, dass sie als Opfer gesehen werden könnte, das sehe ich allerdings nicht so. Gut, vielleicht ist sie zum Ende hin das Opfer von Lheureux, der seine Wechsel einfordert, aber die Schulden macht sie ja vorher schon ganz alleine. Und dass sie von Rodolphe abserviert wird, nachdem sie ihm zu aufdringlich wird und mit ihm in ein gelobtes Land fliehen will (Option ewiges Glück und heititeiti), macht sie in meinen Augen auch nicht zu seinem Opfer. Emma ist eine treibende Kraft – mit direktem Kurs auf die Katastrophe.
Mit der Sprache kam ich sehr gut zurecht, einige altmodischere Begriffe kannte ich nicht, aber das konnte das Lesevergnügen nicht schmälern.
Ich habe das Buch in einer kleinen
Leserunde gelesen, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Der Austausch mit meinen Mitleserinnen war toll.

Meine Bewertung:

Viele Grüße von Annabas
