Wolfram Fleischhauer – Die Verschwörung der EngelKlappentext: Nur die Schmetterlinger beherrschen die hohe Kunst, die Flügel der phantásischen Schmetterlinge mit Sternstaub zu schmücken. Einer von ihnen ist der junge Nadil, der mit einer Gruppe von Freunden nach Mangarath reist, um dort neuen Sternenstaub zu kaufen. Doch die Stadt der Lieder, Klänge und Töne ist nicht so heiter, wie alle annehmen. Welche Pläne verfolgen die Stierwächter? Warum soll niemand mehr Kontakt zu den fliegenden Sternputzern haben? Und was steckt wirklich hinter den gleißenden Lichterscheinungen, die immer häufiger den Himmel erhellen?
Nadil kommt einer großen Verschwörung auf die Spur. Nur von seinem Freund Piri begleitet muss er sich auf eine gefahrvolle Reise begeben – ein Abenteuer, das ihn bis weit über die Grenzen Phantásiens hinaus führen könnte…
Inhalt: Der junge Schmetterlinger Nadil und seine Freunde fliegen zusammen mit ihrem Meister Toralon nach Mangarath, der Stadt der Töne und der Musik, wo die Phantásier unzählige Geräuschattraktionen genießen und bestaunen können. Dort wollen sie neuen Sternenstaub für ihre Schmetterlinge holen, der ihren Schmetterlingen die Fähigkeit zu fliegen verleiht. Allerdings wird ihnen dort ein seltsamer Empfang zuteil: sie dürfen nicht ins Sternputzerviertel, da es angeblich in Mangarath neue Regeln gibt. Dies aber kommt Nadil reichlich seltsam vor und er will es nicht so einfach hinnehmen – zumal der Sternputzer Josian Pegario ihm wortlos das Amulett seines Großvaters Saru überreicht, den Nadil schon länger nicht mehr gesehen hat. Hinzu kommt noch ein reichlich merkwürdiges Gespräch, das Nadil zufällig belauscht und in dem er von seltsamen Lichterscheinungen erfährt, die überall in Phantásien zu sehen sind. Warum wird seinem Großvater unterstellt, ein Verräter zu sein und in Silandor eingedrungen zu sein? Bald schon wird Nadil klar, dass Mangarath unter seiner fröhlichen Fassade ein dunkles Geheimnis birgt und dass in Phantásien nichts mehr ist, wie es sein sollte…
Meine Meinung: „Die Verschwörung der Engel“ von Wolfram Fleischhauer gehört zur Reihe „Die Legenden von Phantásien“, in der sich deutsche Autoren und Autorinnen von Michael Endes „Die unendliche Geschichte“ inspirieren lassen und eigene Abenteuer rund um Phantásien aufschreiben. Da ich „Die unendliche Geschichte“ selbst noch nicht gelesen habe, kann es natürlich sein, dass mir einzelne Andeutungen entgangen sind und ich einzelne Aspekte der Geschichte nicht verstanden habe. Dennoch tat meine Nichtkenntnis von Michael Endes bekanntem Buch meinem Lesegenuss keinen Abbruch. Vielmehr verleitet es mich zur baldigen Lektüre desselben.
Das Buch beginnt mit einem reichlich geheimnisvollen Prolog, aus dem ich noch nicht recht schlau wurde. Darin erlebt der Leser einen Kampf zwischen mächtigen Engeln an der Grenze von Phantásien, der mit der Vernichtung einiger dieser Engel endet.
Nachfolgend lernt der Leser zunächst Mangarath kennen, die Stadt der Töne und Klänge mit ihren zahlreichen Geräuschattraktionen wie dem Geräuschdom und dem Stadion der Glückssänger. Die Hauptrolle in dem Buch spielen die Schmetterlinger aus Nevisehr. Dies ist ein liebenswertes Volk Phantásiens, dessen Fortbewegungsmittel Riesenschmetterlinge sind, die nur mit Sternenstaub aus dem Sternputzerviertel fliegen können. Schnell schloss ich Nadil und seinen Freund Piri ins Herz. Vor allem aber gefielen mir die niedlichen, sprechenden Schmetterlinge.
Die Figuren des Buches sind sehr erfrischend und liebenswert und ich konnte gar nicht anders, als sie ins Herz zu schließen. Auch verschiedene, skurrile Wesen und Nebenfiguren entlockten mir immer wieder ein Grinsen, seien es die Flötenalbe, die immer schlecht gelaunten Brummlerchen oder auch die nicht gerade intelligenten Stierwächter. Aber auch die bösartigen Wesen wie die Quäldrohnen und Iblisse werden anschaulich beschrieben.
Mit einer sehr bildhaften und teilweise fast schon poetischen Sprache beschreibt Wolfram Fleischhauer Mangarath und all die anderen Orte Phantásiens, die Nadil und Piri auf ihrem Abenteuer zu Gesicht bekommen. Die Atmosphäre der Geschichte ist märchenhaft und ob all der Rätsel auch ein wenig mysteriös. Der Autor bedient sich eines herzerfrischenden, einerseits nachdenklichen aber andererseits auch humorvollen Erzählstils, der mich schnell in seinen Bann zog.
Das Buch ist in drei Teile eingeteilt, die wiederum in kürzere Kapitel aufgeteilt sind. Die Protagonisten des Buches werden im Laufe der Geschichte mehrmals voneinander getrennt, was zu verschiedenen Handlungssträngen führt, die schließlich gekonnt wieder miteinander verknüpft werden. Immer wieder wird auch aus der Sicht der „Bösen“ erzählt, so dass der Leser Nadil und seinen Freunden teilweise um ein paar Nasenlängen voraus ist.
Nach und nach wird die ganze Geschichte immer rätselhafter und lädt förmlich zum Miträtseln und Nachdenken ein. Immer wieder werden neue Fragen aufgeworfen, welche die Akteure in Atem halten. Einige der immer wieder eingestreuten Andeutungen und Teillösungen und –erklärungen verknoten dem Leser das Gehirn und regen nicht selten auch zum Nachdenken an.
Der Autor lässt uns die Geschichte aus der Perspektive verschiedener Charaktere miterleben, wobei es oftmals vorkommt, dass die Perspektive mitten im Kapitel wechselt. Zudem bedient er sich oft des Stilmittels der Cliffhanger am Ende eines Kapitels, was mir aber hier gut gefiel, weil es die Neugier auf den Fortgang der Geschichte aufrecht erhielt.
Die Auflösung kommt sehr philosophisch daher und regt zum Nachdenken an. Außerdem kann die Geschichte meiner Meinung nach durchaus auch symbolisch und gesellschaftskritisch verstanden werden.
„Die Verschwörung der Engel“ ist ein märchenhafter und gleichzeitig intelligenter Roman, bei dem das Motiv der Unvorstellbarkeit und die Fantasie an sich einen ganz großen Stellenwert einnehmen. Dieses Wohlfühlbuch vermag nicht nur jungen Lesern ein paar schöne Lesestunden zu bereiten.
