Hallo,
auch ich habe diese Kapitel jetzt beendet und das Buch gefällt mir weiterhin ausgesprochen gut. Ich finde es interessant, dass einige in dem Buch lieber weniger Abschnitte von Prados Buch hätten und andere (zu der Fraktion zähle auch ich mich) geradezu begeistert sind, von seinen Philosophischen Inhalten, Fragen und Thesen. Ich mag sie deswegen, weil für mich dadurch das Buch lebendig wird. Lesen wird auf einmal zu etwas aktivem. Ich fange an über gewisse Dinge nachzudenken, lese manche Zeilen mehrmals, um sie richtig aufzufassen und fange an, mit den Gedanken abzuschweifen. Dadurch wird für mich auch der Autor fassbarer, oder realer. Er ist nicht mehr nur ein Name, sondern er spricht mich als Leser direkt an, er gewinnt für mich an Gestalt, so wie die Welt für Gregorius durch seine neue Brille auf einmal eine Dimension mehr erhält. Dieser Auto hat mich mittlerweile so neugierig gemacht, dass ich Gregorius immer besser verstehen kann, dass er
seinen Autor aufsuchen will, weil er das Gefühl hat, dass er mit diesem Menschen über Dinge reden kann, die er nicht erst erklären muss. Ich würde gerne mit Pascal Mercier über dieses Buch und im Besonderen über die Texte von Prado reden, da sie so viel vom Leben enthalten, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll.
Vielleicht liegt es wirklich daran, dass dieses Buch momentan anscheinend perfekt zu meiner momentanen seelischen Lage passt.
Dass Gregorius immer wieder versucht zurück in die Schweiz zu fahren, es aber dann doch nicht tut, erinnert mich daran, dass man sich doch selbst schon dabei ertappt hat dass, wenn eine Entscheidung anstand, die einem nicht unbedingt leicht gefallen ist, man sich so aber witzige Gedanken macht, wie z.B. : „Wenn jetzt das und das passiert, dann entscheide ich mich so.“ Ich glaube er hat einfach Angst die falsche Entscheidung zu treffen und möchte diese Verantwortung gerne abgeben. Also ist indirekt der Flughafen daran schuld, dass er immer noch in Lissabon ist, da ja niemand ans Telefon ging um seine Buchung für einen Rückflug anzunehmen, ganz nach dem Motto. Ich bin ja gar nicht so verrückt, aber es ging ja nicht anders. Ich hatte gar keine Wahl.
Das permanente Wechseln von neuer und alter Brille und Kleidung, verdeutlicht sehr gut, die innere Zerrissenheit und Angst, die Gregorius auf Schritt und Tritt begleiten. Ich will, ich will nicht. Es ist wie ein Machtkampf zwischen Ratio und Emotio und dieser Kampf tobt definitiv in ihm. Auf alle Fälle ist er stolz darauf, diesen für ihn so unorthodoxen Weg zu gehen, aber andererseits kann er sich einfach nicht so schnell (und das wäre glaube ich auch nicht gesund für seine Seele) von seinem „alten“ Leben lösen, dass doch eher vernunftbestimmt war. Man erkennt den Stolz daran, dass er immer wieder nachrechnet, wie lange es schon her ist, seit er die Frau auf der Brücke getroffen hat.
Dieser Satz trifft es sehr gut:
War es das, was der Gedanke an die verrinnende Zeit und den Tod bewirkte: dass man auf einmal nicht mehr wusste, was man wollte? Daß man seinen Willen nicht mehr kannte? Daß man die selbstverständliche Vertrautheit mit dem eigenen wollen verlor? Und sich auf diese Weise fremd und zum Problem wurde?
Auch mir hat Prados Selbstbeschreibung sehr gut gefallen. Man ist so schnell verleitet in einem Menschen zu sehen, was man zu sehen wünscht und dann sieht man ihn auch so und das oft wieder besseren Wissens, weil man sich vielleicht durch die Betrachtungsweise des anderen Menschen ebenfalls verändert sieht. Weil man möchte, dass man selbst und auch der andere eben kein flüchtiges Zugfensterbild ist, sondern eine aktive Wirkung auf den anderen hat, weil man dadurch selbst lebendig wird.
Ich glaube gerade fange ich mit meinen Interpretationen an zu übertreiben.
Der wirkliche Regisseur unseres Lebens ist der Zufall – ein Regisseur voll der Grausamkeit, der Bramherzigkeit und des bestrickenden Charmes.
Ist das nicht frustrierend, dass man so oft im Leben so ausgeliefert und ohnmächtig ist? Da beneide sogar manchmal Menschen mit einem festen Glauben, der ihnen besagt, dass es keine Zufälle gibt, sondern Gottes Wege immer einen Sinn haben, auch wenn wir diesen nicht immer auf Anhieb erkennen.
Dieses Zitat hatte auch Wolves verwandt und auch mir war es sehr eindrücklich:
Ist es nicht in Wahrheit so, dass nicht die Menschen sich begegnen, sondern die Schatten die ihre Vorstellung werfen.
Ich glaube das bedeutet genau das, was ich oben geschrieben habe; nämlich dass man oft den anderen so sieht, wie man es sich wünscht. Man betrügt sich manchmal selbst, manchmal um nur wenigstens einen kleinen Moment in einer Illusion oder einem Wunschbild gefangen zu sein, bei welchem die Sehnsucht so groß ist, dass es wahr sein möge.
Und zu guter letzt ein letztes Zitat:
Ein Goldschmied der Worte, dessen tiefste Leidenschaft gewesen war, die schweigsamen Erfahrungen des menschlichen Lebens ihrer Stummheit zu entreißen.
So geht es mir momentan mit dem Autor selbst und so habe ich auch bei dem Buch „Judiths Liebe“ von Meir Shalev empfunden. Schade, dass diese Autoren solch eine Seltenheit sind, wobei; vielleicht ist es doch gut, denn sonst wären sie ja nicht etwas Besonderes.
Merkt man mir eigentlich an, dass mir das Buch gefällt?

Tina,
die sich momentan in Worte verlieben könnte. (Oh wei, gibt’s für meinen Gemütszustand eigentlich Medikamente?)
